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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1893.
Ansteuerung und Einsegelung: Zur Ansegelung des Hafens von
Rio wurde am Morgen des 1. Juni das Feuer von Kap Frio angesteuert, wobei
23 anzurathen ist, den stark SW laufenden Strom zu berücksichtigen, um nicht
an dem Feuerkreise vorbeizulaufen. Zur Ansegelung des Hafens selbst giebt die
in der Seekarte Tit. III, No. 63, gegebene Vertonung des Sugar Loaf eine gute
Marke, doch mufs man sich vorsehen, eine Verwechselung zwischen diesem und
dem False Sugar Loaf zu vermeiden. S. M. S. „Arcona“ ankerte in der Peilung:
Observatorium W*/N, Fort de Villegagnon SSW*/4W auf 16 Fad. Wasser, doch
ist es für längeren Aufenthalt vortheilhafter, den Ankerplatz nördlicher zu legen,
da die Verbindung mit dem Lande eine bequemere ist. SS. M. S. „Arcona“ verließ
len Hafen nachts ohne jede Schwierigkeit.
Zur Ansegelung des Hafens von Montevideo wurde am Mittag des 5. Juni
die Küste bei Kap Castillo angesteuert, wobei bemerkt wird, dafs die in der
Karte Tit. VII, No. 72, gegebene Vertonung des Mt, de los Difuntos eine aus-
zezeichnete Ansegelungsmarke bietet. Während der Nacht vom 5. zum 6. Juni
wurde in den Feuerkreisen gedampft, ohne dafs nennenswerthe Stromversetzungen
beobachtet wurden. Man mufs sich nur, wie dies auch in den Segelanweisungen
angegeben, vorsehen, nicht der Insel Lobos, in SW des East Point gelegen, zu
nahe zu kommen, da dieselbe nur als dunkler Streifen aus dem Wasser zu sehen
ist. Das Anlaufen der Rhede selbst und das Aufsuchen des Ankerplatzes macht
keine Schwierigkeiten.
3. Von Säo Franeisco nach Montevideo (8. bis 12. Juli 1893).
Wind: Beim Auslaufen aus Säo Francisco wehte ein frischer SSW
mit hoher, langer Dünung aus derselben Richtung, so dafs das Schiff schwer
stampfte. Am folgenden Tage nachmittags drehte der Wind über Süd bis NO
and wehte in Stärke 3 bis 6, das Wetter war regnerisch und trübe, so dal ein
Jeobachtetes Besteck nicht erhalten werden konnte. Am 10. Juli nachmittags
drehte der Wind von NO über West bis SW und wehte in Stärke 1 bis 4 bis
am 12, Juli morgens, wo S. M. S. „Arcona“ auf Montevideo-Rhede ankerte. Der
Barometerstand wechselte zwischen 765 und 772 mm.
Strom: Vom 8. bis zum 9. Juli, an welchem Tage sich das Schiff
mittags auf 28° 35‘ S-Br und 48° 21‘ W-Lg befand, wurde eine Stromversetzung
nach N17° 0 — 30 Sm — beobachtet, also dieselbe, wie sie schon bei der
Reise von Montevideo nach Norden seiner Zeit gefunden war. Da wegen dicken
and nebligen Wetters erst am 11. Juli mittags, d. h. in der Nähe von Kap
Santa Maria, eine Beobachtung wieder gemacht werden konnte, läfst sich Genaues
über die Stromverhältnisse nicht sagen. Es wurde am 11. Juli mittags zwischen
len Positionen: 28° 35‘ S-Br, 48° 21‘ W-Lg und 34° 41’ S-Br, 53° 11‘ W-Lg
eine Stromversetzung für 48 Stunden nach S49° 0 — 26 Sm — gefunden, doch
nehme ich an, dafs der im Allgemeinen nach NO setzende Strom durch den
rom 9. bis 10. Juli wehenden frischen Nordostwind unterbrochen war. Bei der
ganzen Einsegelung in den La Plata vom Kap Santa Maria bis auf die Rhede
von Montevideo wurde eine Strömung nicht gefunden, vielmehr legte das Schiff
die zu laufenden Strecken in den Feuerkreisen in Uebereinstimmung mit dem
Logg zurück.
Aus- und Einsegelungen: Das Schiff verlielfs den Hafen von Säo
Francisco am 8. Juli morgens ca 1’/4 Stunde vor Hochwasser und fand auf
der Barre bei frischem südlichen Wind eine ziemlich bedeutende Dünung vor,
30 dafs es nicht rathsam schien, den Weg über dieselbe nach Norden zu nehmen,
wie dies beim Einsegeln geschehen war. Auf Anrathen des Lootsen und um
weniger der Gefahr ausgesetzt zu werden, bei der Dünung mit dem Schiff den
Grund zu berühren, wurde die Aussegelung dicht um Kap Joäo Diaz genommen
und dann zwischen den Inseln Graza und Mondijituba ausgesteuert. Trotzdem
das Schiff so dicht wie möglich unter Land hielt, konnte der Einflufs der See
and das damit verbundene Rollen nicht vermieden werden, was bei dem mehr-
‚achen Passiren von Stellen mit 7 m Wasser bei 6,1 m Tiefgang als im höchsten
Grade gefährlich bezeichnet werden mul, zumal die in der Seekarte Tit. VII
No. 68 angegebenen Tiefen wohl nur noch als Anhalt benutzt werden können.