Kapstadt, Walfisch-Bai, Rio, Säo Francisco und Montevideo, | 343
jetzigen Größe und Anstrich — vgl. „Nachr. f. Seef.“ 1892 No. 2749 (roth und
weils horizontal gestreifte Bake mit einem grofsen weifsen Ball etc.) — eine
gute Ansegelungsmarke ist, in Sicht, und konnte dann ohne Schwierigkeit in den
Hafen eingesteuert werden.
Während des Einlaufens wurden die Lothungen mit den in der Karte
Tit. VIII No. 14 eingetragenen Tiefen übereinstimmend gefunden; S. M. S. „Arcona‘“
ankerte in der Peilung Faktorei SzO auf 10 m Wasser.
2. Von Walfisch-Bai nach Montevideo (13. Mai bis 6. Juni 1893).
Wind: Die Windverhältnisse während der Reise entsprachen im All-
gemeinen nicht den in den Windkarten und Segelanweisungen für die Monate
April, Mai und Juni gemachten Angaben und können wohl als nicht ganz
normale bezeichnet werden. Es war meine Absicht, bei der Reise von Walfisch-
Bai nach Montevideo nach Möglichkeit den Südostpassat sowie den Aequatorial-
strom zu benutzen und deshalb auf der Breite zwischen 20° und 22° Süd zu
segeln, so lange der Passatwind dies gestattete, dann den 40. Längengrad West
auf etwa 27° S-Br zu schneiden und unter möglichster Benutzung der als an der Küste
von Brasilien vorherrschend angegebenen nördlichen Winde und des Brasilstromes
die Reise fortzusetzen. Bis 2° O-Lg und 21° S-Br wehten leichte West- und Süd-
westwinde mit Stärke 2 bis 4 und erst dann setzte der Südostpassat mit Stärke 2
bis 4 ein mit klarem und schönem Wetter und einem durchschnittlichen Baro-
meterstand von 768 mm. Die bis dahin vorherrschende südwestliche Dünung
nahm allmählich die Richtung des Passatwindes an, so dafs es den Anschein
hatte, als ob der Südostwind auf dieser Breite der vorherrschende werden würde.
Gegen alles Erwarten drehte der Wind schon in der Nacht vom 20. zum 21. Mai
auf 20° S-Br und 6° 40‘ W-Lg über Ost und NO bis NNW bei fallendem Baro-
meter und wehte am 21. Mai mit heftigen Böen und Regen, zeitweise bis zur
Stärke 9, aus NW, so dafs kleine Segel gemacht werden mulsten, und der Kurs
bis SSW geändert wurde, da der Wind bis West herumging. Da ich annehmen
mufste, dafs auf südlicherer Breite mehr und mehr Südwestwinde wehen und in
der Hoffnung, dafs der Passat wieder durchkommen werde, beschlofs ich, keinen-
falls noch südlicher zu halten und machte, da der Wind schließlich bis SSW
ärehte, wieder Dampf auf, um mit Westkurs weiter zu gehen. Die Dünung lief
ziemlich hoch und schwer aus WSW und hemmte die normale Geschwindigkeit
des Schiffes. Das Schiff befand sich am 24, Mai mittags auf 23° 30‘ S-Br und
17° 41‘ W-Lg, der Wind hatte eine Drehung nach links herum vollzogen und
setzte jetzt aus NNW mit schweren Böen und Regenschauern ein. Das Barometer
fiel bis auf 758 mm, der Himmel war bewölkt und trübe, eine Wettererscheinung,
wie sie beim Passiren des Wendekreises vielfach beobachtet werden soll. Auf
der ganzen weiteren Fahrt bis Rio de Janeiro in den Breiten zwischen 22° und
26° Süd wehten Winde zwischen SW und WzN, zum Theil mit Stärke 7 und
langer, schwerer südwestlicher Dünung: Das Schiff rollte während der ganzen
Fahrt zwischen 15° und 30°,
Kurz nach dem Verlassen des Hafens von Rio am 2. Juni wehte frischer
Nordostwind bei einem Barometerstand von 768 mm, der aber schon am 3. Juni
auf 28° S-Br und 46° 30‘ W-Lg über Nord und West bis SSW drehte. Der
Himmel war trübe und regnerisch, das Barometer fiel bis 757 mm, und starkes
Wetterleuchten wurde in dieser und der folgenden Nacht beobachtet. Die hohe
südwestliche Dünung kam wieder durch, und der Wind blieb bis zum Kinlaufen
in den Hafen von Montevideo zwischen Süd und WSW in Stärke 3 bis 6 stehen.
Strom: Auf der Fahrt von Walfisch-Bai bis zur Breite von 21° Süd
und 10° W-Lg waren die Stromversetzungen im Allgemeinen nordwestlich bis zu
12 Sm per Tag, dann wurden, da das Schiff aus der Aequatorialströmung heraus-
gekommen war, mehrere Tage keine Stromversetzungen beobachtet, Schon auf
23° 30‘ S-Br und 17° 30‘ W-Lg wurde der Einflußs des Brasilstromes beobachtet
mit einer durchschnittlichen Versetzung zwischen SSO und SWzW von 10 bis
13 Sm per Tag. Eine besonders bemerkenswerthe Stromversetzung nach SW,
28 Sm, wurde erst unmittelbar unter der Küste von Brasilien vorgefunden. Auf
der weiteren Reise von Rio nach Montevideo setzte der Strom zwischen SzO
und SW bis zu 20 Sm per Tag.