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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Wetter, Wind und Strömungen auf der Rhede von La Guayra, 
klar, und wir konnten an dem Rauch des dort kreuzenden deutschen Dampfers 
leichte NE- Briese konstatiren. Die dunkle Strichwolke bildete sonach 
yewissermaßen die Wind- und Wetterscheide und die Grenze des Sturmgebietes. 
Die Wolke blieb bis 72 unverrückt an derselben Stelle stehen. Wir befanden 
ans also noch im Sturmgebiet. Innerhalb dieses war der Wind nach Stärke und 
Richtung ganz verschieden. Oft hatte der „Magon“, der nur ca 800m von uns 
war, genau die entgegengesetzte Windrichtung als wir. Das Barometer stieg 
and fiel bis 0,6 mm innerhalb 5 Minuten. Kurz nachdem es gefallen war, fühlte 
man eine erdrückend trocken-heiße Luft. Dann wurde ein brausendes Geräusch 
yehört, und unmittelbar hierauf fiel eine schwere, wirbelwindartige Böe von den 
Bergen herunter, die das Wasser wasserhosenartig aufwirbelte. War ein solcher 
kurzer Stoß vorüber nach See gezogen, so stieg das Barometer wieder plötzlich 
um 0,6 mm, bis es durch plötzliches Fallen die nächste Böe anzeigte. Angenehm 
war es, dafs ein ziemlich starker Weststrom lief, so daß die äufseren Schiffe 
wenig bei diesen Böen, mit dem Wind aus allen Richtungen kommend, gierten 
und auf der hohen Dünung liegen blieben. 
Solche Wirbelstöße ereigneten sich wohl 10 im Laufe .des Nachmittags, 
und die Windstärke war manchmal 8—9. Bei diesen Stöfßsen wurden abgerissene 
Baumblätter und Heuschrecken von See aus nach Land zurückgeführt, und es mufsten 
dieselben vorher ihren Weg in höheren Regionen erst nach See zu gemacht 
haben. Während des ganzen Nachmittags hatte der Regen an Stärke nach- 
gelassen. Die vor dem Wirbelstofse herrschende heifse Luft war derartig trocken, 
daß der durch den Regen durchnäfste Anzug innerhalb ganz kurzer Zeit auf dem 
Körper vollkommen trocknete. Von 7* p ab fing das Barometer an zu steigen, 
und gleichzeitig schob sich die schwere Wolkenbank nach Land zu über das 
Gebirge. Um 8" hatte das Barometer schon einen Stand von 760, der Himmel 
war wolkenlos, und ein leichter SW, Stärke 1, setzte ein. Die Dünung war bis 
zum nächsten Morgen 8% auf den gewöhnlichen Stand heruntergegangen. 
„Magon“ und „Pylades“ waren im Laufe des Nachmittags Anker auf und 
aufserhalb „Arcona‘“ zu Anker gegangen, wo sie in tieferem Wasser ganz 
gut lagen. 
So weit meine eigenen Beobachtungen. Erkundigungen in Trinidad ergaben 
auch hier denselben Verlauf des Sturmes. Auch hier wie im ganzen Orinoko- 
Gebiet hatte er erheblichen Schaden durch die abstürzenden Wassermassen 
angerichtet. In Barbados ist derselbe nicht gespürt worden, dagegen in Tobago. 
Der Sturm ist thatsächlich, von Osten kommend, über Trinidad an der vene- 
zuelanischen Küste entlang gezogen, mit dem Centrum vielleicht 10 Sm von der 
Küste ab. Er wurde in Trinidad für einen Wirbelsturm erklärt, allerdings nicht 
von der Gewalt eines westindischen Hurricanes, mit welchem er auch nicht den 
Weg gemeinsam hatte, sondern viel zu südlich auftrat. Ich halte ihn für eine 
kleine Abart eines westindischen Hurricanes, der durch seinen Lauf über das 
wildzerrissene hohe Gebirge von Venezuela viel an Kraft einbüßste. 
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IN. Strömungen. 
Die Strömungen laufen im Wesentlichen in westnordwestlicher Richtung und 
sind zum Theil von erheblicher Stärke, Sie werden einmal beeinflufst durch die 
Inseln und durch die Küstenkonfiguration und dann auch wesentlich durch die 
Stärke des Passats, der die Strömung einmal mehr an die Küste prefst, dann 
weiter abfließsen lälst. Eine gewisse Gesetzmäfßigkeit läfst sich schwer für die 
Navigirung in den venezuelanischen Gewässern feststellen. Ich habe bei meinen 
verschiedenen Fahrten oft an denselben Orten genau entgegengesetzte Strom- 
richtungen zu den verschiedenen Zeiten beobachten können. So erklärten mir 
amerikanische Postdampferkapitäne, daß sie auf ihrem Wege von La Guayra 
nach Curacao es nie erreichten, unter Berücksichtigung des Stromes genau ihr 
Ziel, Willemstad, zu treffen. Oft befänden sie sich weit nördlich und das andere 
Mal so weit südlich, dafs sie Curacao am nächsten Morgen nicht einmal in Sicht 
hätten. Es hat sich deshalb hier die Praxis herausgebildet, immer direkt auf 
das Ziel loszusteuern, ohne Berücksichtigung des Stromes.
	        
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