3
Anualen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, September 1893.
Von Kamerun nach St. Paul de Loanda und Kapstadt.
Aus dem Reisebericht S. M. Kunbt. „Hyäne“, Kommandant Korv.-Kapt. H. WALTHER.
Nach dem Verlassen des Kamerun-Flusses am 11. Mai steuerte S. M. Knbt.
„Hyäne“ vor der Ansegelungstonne mit SSW!/2W-Kurs auf Kap Lopez. Die
Seebriese wehte mit Stärke 3 bis 4 aus WSW, außerdem machte sich eine hohe
Dünung aus der Kursrichtung bemerkbar.
Trotzdem ergab sich am Mittag des 12. eine südöstliche Stromversetzung
von 0,5 Sm in der Stunde, die auch bis zum Mittag des 13., nur etwas schwächer,
7,5 Sm in 24 Stunden und in der Richtung S 15° O setzend, bestehen blieb.
Betreffs der Ansteuerung von Kap Lopez von Norden her ist zu bemerken,
dafs sich die Spitze des Kaps erst mit Sicherheit ausmachen läßt, wenn sie
ungefähr SzO peilt, weil sie sich erst dann scharf von dem helleren Hinter-
grunde abhebt.
Nach dem Passiren von Kap Lopez am 13. 3" 20" p in einer Entfernung
von 4,5 Sm wurde 10°p mit SzO längs der Küste gesteuert, um auf diesem
Kurse die starken Strömungen des Kongo-Flusses nahe vor dessen Mündung zu
vermeiden und gemäfs den Angaben des „Segelhandbuches für den Atlantischen
Ocean“, Seite 497, Absatz 1 bis 3, einen möglichst geringen Nord- oder sogar
einen Südstrom aufzusuchen. Das astronomische Besteck am 15. ergab jedoch
auf diesem Kurse einen N39° W ca 2 Sm in der Stunde setzenden Gegenstrom.
Da S. M. Knbt. „Hyäne“ bei einem Weitersteuern mit SzO-Kurs die aus
Süd bis SSW wehende Seebriese von Stärke 3 bis 5 und die immer vorhandene
starke Dünung aus dieser Richtung gegenan gehabt hätte, so wurde mit SSO!/0-
Kurs unter Benutzung der Schratsegel an die Küste herangesteuert, um in den
nach den Angaben des oben angeführten Segelhandbuches und des „Africa
Pilot“, Part II, in der Nähe der Küste weit schwächer nach Nord oder gar nach
Süd setzenden Strom zu gelangen, in Höhe der Kabenda-Bai dicht unter Land
zu kommen und dann den Kongostrom dicht vor der Mündung zu kreuzen. Das
astronomische Besteck am 16. ergab jedoch auch auf der ganzen Strecke bis zur
Küste einen starken konträren Strom, welcher N 21° W 42 Sm in 24 Stunden setzte.
Auch für den folgenden Tag, als S. M. Knbt. „Hyäne“ auf ca 8 bis 10 Sm Ab-
stand von der Mündung den Kongostrom zu kreuzen versuchte, ergab sich eine
Versetzung in der Richtung N 29° W von 49 Sm in 24 Stunden.
Es wurde nun Kurs auf Loanda genommen und mit Süd- bis Südsüdostkursen
längs der Küste gesteuert. Der hier nach den Angaben des „Africa Pilot“, Part IT,
Seite 105, Absatz 2, erwartete Südstrom wurde jedoch nicht gefunden, im Gegen-
theil wieder ein starker Nordstrom, N 40° W 26 Sm im Etmal setzend. Dieser Strom
blieb auch während der weiteren Fahrt bis nach Loanda bestehen, wie sich aus
den Landpeilungen am 18. nachmittags, verglichen mit den sehr sorgfältig aus-
geführten Fahrtmessungen, ergab.
Am 18. 11° p ankerte S. M. Knbt. „Hyäne“ im Hafen von Loanda. Das
Feuer auf Kap Lagostas war trotz des klaren Wetters erst auf 15 Sm Abstand
statt auf 21 Sm in Sicht gekommen. Ebenso wurde das Loanda-Feuer erst auf
7 Sm anstatt auf 10 Sm Abstand gesichtet. Das im Innern des Hafens errichtete
rothe Feuer ist von den Lichtern der Stadt nicht zu unterscheiden. Dagegen
bilden die beiden Laternen (mit rothem und grünem Licht) auf dem Kopfe der
Landungsbrücke beim Marinedepot ein sehr brauchbares und gut zu unterscheidendes
Peilobjekt für das Einsteuern in den Hafen bei Nacht. Die Position dieser
Laternen entspricht ungefähr der in Karte Titel V1I, No. 6, Hafenkarte von
St. Paul de Loanda, eingezeichneten Landungsstelle vor dem Worte „Marinedepot“.
Am 20. Mai 4*p verliefs S. M. Knbt. „Hyäne“ den Hafen von St. Paul
de Loanda und nahm nach Passiren des Kap Palmeirinhas-Feuers in einem Ab-
stand von 9 Sm Südsüdwestkurs auf, um mit diesem die Höhe von Kap Frio zu er-
reichen, Das astronomische Besteck am 21. Mai ergab eine starke Stromver-
setzung in der Richtung N 39° W. Der Kurs wurde daher beibehalten bis sich
aus dem Besteck des 22. Mai eine ebenso starke Stromversetzung in der Richtung
N21°O, also auf die Küste zu. ergab. Da der „Africa Pilot“ für den Theil