Die Untersuchung der magnetischen Verhältnisse auf Teneriffa, 335
konnten, also eine Eliminirung der verschiedenen Mängel in der Adjustirung
nicht möglich wurde. Die Beobachtung der Komponenten vermag hier in ge-
wissem Sinne einen vollkommenen Ersatz zu bieten, wie dies aus der vorstehenden
Ausführung gefolgert werden könnte.
Stellen wir in nachfolgender "Tabelle nochmals die verschiedenen Elemente
für die einzelnen Stationen zusammen, indem gleichzeitig die berechneten und
beobachteten Werthe der Inklination nebst den Differenzen Aufnahme finden, so
erhält man dadurch einen Ueberblick über die Vertheilung der erdmagnetischen
Kraft an den Beobachtungspunkten.
Station
L. Agua Garcia
2. Las Mercedes
2, Bajamar
4, Santa Cruz
5. Laguna
6. Orotava
d
westlich
7° 6,4
L7° 41,2
17° 26,8‘
21° 13,2
19° 43,6‘
19° 58,2'
H
C.6.5.
0,270
0,286
0,264
0,248
0,256
0,256
V
CC. 6.5.
311
0,320
0,321
0,327
0,325
0,328
!
T
C.6.58.
0,412
0,429
0,416
0,412
0,464
0,467
I nördl. =
beobachtet Tg: Vv
H
50° 20‘
48° 42’
49° 54°
50° 15°
19° 56‘
9° 4Ri
47° 43’
48° 52’
50° 34‘
52° 49°
51° 46‘
590 Q9/
Differenzen der In-
klination
Berechnete Beob.
— 29 37°
+ 09° 10‘
+ 0° 40°
+ 2° 34
+1° 50’
+ 9919
Wie klein auch die Anzahl der Stationen ist, an welchen Herr Dr. v. Re-
beur-Paschwitz beobachten konnte, und wie wenig günstig vertheilt dieselben
auch sind, da sie alle in dem Nordostausläufer der Insel sich befinden, so be-
leuchtet doch die Zusammenstellung in vorstehender Tabelle einige interessante
Thatsachen. Zieht man bei der Beurtheilung dieser Thatsachen auch die Seite 333
gegebene Tabelle der Differenzen zu Rathe, so ergiebt sich, dafs in allen Ele-
menten des Erdmagnetismus an der Station Agua Garcia die Störungen den
gröfsten Werth erhalten; es legt dieselbe ungefähr in der Mitte des Beobach-
tungsgebietes. Die Stationen Las Mercedes und Bajamar, am weitesten nach
Nordosten zu gelegen, stimmen am meisten untereinander überein, zeigen aber
noch sehr erhebliche Abweichungen von den als normal anzunehmenden Werthen.
Santa Cruz, an der Küste gelegen, hat den gröfsten Werth der westlichen De-
klination (die Nadel ist daher nach Westen abgelenkt), den kleinsten Werth der
Horizontal-Komponente und mit Agua Garcia ungefähr gleiche Total-Ihtensität,
auch in der beobachteten Inklination stimmen die beiden Stationen überein,
während die berechneten Inklinationen um mehr als 5° voneinander differiren.
Laguna und Puerto Orotava, obgleich ziemlich entfernt und durch die magnetisch
gestörte Station Agua Garcia voneinander geirennt, zeigen in den Werthen der
verschiedenen magnetischen Elemente eine grofse Uebereinstimmung. Würden
auch von der Westseite der Insel, also jenseits des Pie de Teyde, Beobachtungen
vorliegen, so würde es möglich sein, weitere Schlüsse an die Resultate zu
knüpfen. So wie die Dinge liegen, kann man sich nur auf diese allgemeinen
Bemerkungen über die Lokalstörungen beschränken und wünschen, dafs bei einer
anderen Gelegenheit, wozu die Beobachtungen des Herrn Dr. v. Rebeur-Paschwitz
die Anregung geben mögen, das Fehlende ergänzt werde.
Von besonderem Interesse wäre es, die geologischen Verhältnisse an den
einzelnen Orten der Beobachtung näher beschrieben zu haben. In den Be-
merkungen des Herrn Dr. v. Rebeur-Paschwitz findet sich darüber nichts,
wenigstens kam es nicht zu unserer Kenntnifs. Greifen wir zurück auf die Be-
schreibung Leopold von Buch’s in seinem Werke über die Canarischen Inseln,
so finden sich darin Seite 243 u. ff. folgende Notizen:!)
1) Wir halten uns hier an die geologische Auffassung V. Buch’s, weil dieselbe von
v. Fritsch, Hartung und Reifs in dem angeführten Werke so hochgestellt wird, obgleich in
mancher Hinsicht die Karte dieses Gelehrten als veraltet bezeichnet werden dürfte. Es heifst dort
Seite 7: „Was L. v. Buch’s Karte von Tenerife, trotz der von Berthelot gerügten Mängel, eine
so allgemeine Bewunderung sicherte, war die Bestimmtheit in der Auffassung. Der grofse Gelehrte
hatte das überraschende Ergebnifs seiner scharfsinnigen Forschungen in einer schematisirten Dar-
stellung wiedergegeben . ... .. Besonders abweichend von der älteren Auffassungsweise sind dem-
gemäfs auf der vorliegenden Karte (von v. Fritsch) die Bodengestaltung der Gebirgshänge und die
Thalbildungen dargestellt.“ Die Gesteinsarten, worauf es hier vorzugsweise ankommt, dürften im
Grofsen und Ganzen nur wenig von einander in der älteren und neueren Beschreibung abweichen.