328 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893.
raturen meist, am 11. und 12. durchweg an der Küste über dem Mittel; in
diesen Tagen wurden auch die höchsten Temperaturen im Monat beobachtet, im
Osten am 11. und 12. — nur Neufahrwasser abweichend am 21. —, an den
übrigen Küstentheilen am 8. und 9. Wie die Tabelle zeigt, wurden 30° nur
vereinzelt überschritten.
Am 11., bezw. an der ost- und westpreufsischen Küste am 12. Juli, trat
die ersehnte regnerische Witterung ein und hielt mit nur kurzen Unterbrechungen
bis nach Monatsschlufs an. Frei von Niederschlägen blieben gröfsere Küsten-
strecken nur am 15. und 16., wo an der östlichen Ostsee bezw. fast an der
yanzen Ostseeküste kein Regen fiel, sowie insbesondere der 27. und 28. Juli,
wo die Regenfälle auf die östliche Ostsee beschränkt blieben. Entsprechend der
regnerischen Witterung lag die Küste während dieser langen Periode fast be-
ständig im Bereich von Depressionen; dabei wehten bis über Mitte des Monats
bei geringen Luftdruckunterschieden vorwiegend schwache Winde. Am Morgen
des 16. Juli erschien niedriger Druck im Nordwesten Europas, während sich ein
Hochdruckgebiet vom Südwesten her bis Schlesien in den Erdtheil erstreckte.
Bis zum 26. wurde der Norden Europas von einem Depressionsgebiet beherrscht,
in welchem in steter Folge Minima vom Norden Schottlands oder noch weiter
nördlich her in südöstlicher oder östlicher Richtung nach dem Ostseegebiet fort-
schritten und mehrfach frische westliche Winde an der Küste hervorriefen,
Stürmische Winde wurden nur ganz vereinzelt beobachtet in Wittower Posthaus
am 23. WNW 8 und in Arcona am 30. NW 8.
Gewitter traten während dieser Regenperiode häufig auf, zumal an der
Ostsee, Am 12., 13., 17., 22., 25. und 26. dehnten sich die Gewitter fast über
die ganze Küste aus, während nur am 15., 16., 23., 24. und 31. keine Gewitter
beobachtet wurden. Mit den Gewittern traten stellenweise sehr ergiebige (in
24 Stunden 20 mm übersteigende) Niederschläge ein: am 13. in Flensburg (88 mm)
und Karolinensiel (26), am 14. in Thiessow (23), Darsserort (47) und Trarve-
münde (26), am 17. in Tönning (22), am 18. in Glückstadt (30), am
19. in Cuxhaven (21), am 21. in Swinemünde (28), Ahlbeck (21) und Marien-
leuchte (23), am 27, in Rixhöft (22), am 28. in Brüsterort (22), am 29. in
Swinemünde (39), Ahlbeck (42), Greifswalder Oie (33) und Thiessow (24), und
am 30. in Rixhöft (25).
Mit dem trüben Wetter trat zunächst ein Rückgang der Morgentempera-
turen ein, auf welchen vom 19. bis 22. wieder ein Steigen folgte, als der hohe
Druck im Süden sich vom Westen vorübergehend nach dem Osten vorlagerte
und oceanische Luft aus südlicheren Breiten in kräftiger Strömung herbeigeführt
wurde. Nachdem die Morgentemperaturen am 21. und 22, an der Küste wieder
die Normale überschritten hatten, sanken sie in der Folge und blieben dauernd
unter den normalen Werthen, mit Ausnahme des äufsersten Ostens, wo mildes
Wetter bis Monatsschlufs bestehen blieb.
In den Monatswerthen lagen der Luftdruck und die registrirte Wind-
geschwindigkeit unter, die mittlere Tagestemperatur über den normalen Werthen.
Trotz der stellenweise sehr ergiebigen Niederschläge blieben deren Monatssummen
vorwiegend und zum Theil erheblich unter den vieljährigen Werthen.
Die beobachteten Windrichtungen waren im Juli im Ganzen recht gleich-
mäfsig auf die Windrose vertheilt, so dafs meist keine Richtung vorherrschend
auftrat; nur in Neufahrwasser waren Nord-, in Memel Nordwest- bis Nordwinde
relativ häufig.
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