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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Seemann, und Köppen:: Tropische Wirbelstürme im südlichen Indischen Ocean. 25 
Schiff im aufraumenden Bug lag. Die Gewalt des Windes nahm rasch zu, und 
um Mittag den 11. wehte ein Orkan aus SW bei einem Luftdruck von 746,7 mm. 
Dann nahm der Wind ab, und das Barometer stieg. Der Wirbel ist von NW 
her auf (A R). zugekommen, aber er kann nicht viel weiter als (A R) nach SO 
yewandert sein; denn sonst müfsten die Beobachtungen von (A) und (C) unbedingt 
diese Bewegung des Centrums gezeigt baben. Der Wirbel ist also entweder 
nach Westen verdrängt, oder er hat sich sehr rasch ausgefüllt. Wahrscheinlich 
hat Beides zugleich stattgefunden. 
Wetter, Wind und Strömungen an der Küste von Venezuela 
(Rhede von La Guayra), 
beobachtet vom 9. Juni bis 9. Oktober 1892. 
Aus dem Reisebericht S. M, Krz. „Arcona“;, Kommandant Korv-Kapt. DRAEGER. 
I. Wetter. 
Das Wetter war hier wie überall in diesem Jahre anomal. Während. die 
Regenzeit Ende Juni aufhören und klarem Wetter Platz machen soll, dauerte 
sie in diesem Jahre bis zu unserem Abgang am 9. Oktober. Die Regenzeit 
äufsert sich hier nur in täglichen, vorübergehenden Schauern und in 
häufigen Gewittern. Ein tagelanges Regnen, ein sogenannter Landregen, tritt 
bier nicht auf, Der Regen ist von grofser Heftigkeit, jedoch stets ohne Wind. 
Die Regenzeit ist nicht unangenehm, weil sie die Temperatur wenigstens auf ein 
paar Stunden um einige Grad herunterdrückt. 
Gewitter wurden periodisch beobachtet. So traten solche im August 
10: Tage hintereinander mit grofser Regelmäfsigkeit abends, kurz vor Sonnen- 
untergang, auf. Sie blieben jedoch an der Küste stehen und zogen dann durch 
eins der Thäler nach den Bergen in das Innere von Venezuela ab. Interessant 
war es, dal nach Abzug eines solchen Gewitters bei vollständig klarem und 
wolkenlosem Himmel noch stundenlang sich ein äufserst intensives Weiterleuchten 
fortsetzte. Es zeigte sich bald hier, bald dort am wolkenlosen Himmel ein kurzes 
Aufflammen., 
Die Temperatur lag zwischen 25 und 30° Celsius im Schatten, das Baro- 
meter fiel niemals unter 760 und hatte seine täglichen regelmäfsigen Schwankungen. 
Schwerere Regen oder Gewitter zeigte es nicht an. Ebenso konnte eine Gesetz- 
mäfsigkeit der Schwankungen in Bezug auf Windrichtung und -Stärke nicht 
yefunden werden. Ganz unregelmäfsig stand oft das Barometer hoch, sowohl bei 
West- wie auch bei Ostwinden, zu anderen Zeiten bei denselben Winden ganz 
niedrig, natürlich immer innerhalb der Grenzen 760 bis 765. 
N. Der Wind. 
In der Zeit vom Juni bis Oktober wehten leichte Winde und zwar abwechselnd 
östliche, westliche und südliche. Die östlichen waren im Allgemeinen die stärksten, 
wehten fast ausschliefslich am Tage und sind als die Ausläufer eines weiter draußen 
wehenden Passats zu betrachten. War der Passat sehr schwach, so wurde er 
durch leichte westliche Winde: verdrängt. Auch diese wehten nur am Tage. 
In der Nacht setzte fast regelmäfsig ein Landwind aus den Bergen ein, der eine 
angenehme Kühle mit sich brachte. 
Daß weiter ab von der Küste oft ein frischer Passat wehte, zeigte sich 
an der Dünung; auch bestätigte mir der Kommandant der „Kearsarge‘“, dafs 
er 30 Sm vom Lande noch einen steifen Ostpassat angetroffen hätte, der sich 
mit der Annäherung an die Küste abschwächte. Dieselbe Beobachtung habe ich 
auch bei meinen Fahrten gemacht, und hiernach scheint mir von der Küste bis 
Ann. a. Hyar. etc., 1893. Haft I.
	        
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