Guayaquil und Manta, Ecuador; Flores, Azoren.
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Guayaquil und Manta, Ecuador; Flores, Azoren.
Nach einem Bericht des Kapt. H. OTTOo, Führer der Bark „Thalassa“
Guayaquil. Am 19. Februar 1890 um 2 Uhr morgens ankerten wir nach
einer Reise von 98 Tagen ab Lizard im Golf von Guayaquil bei der Spitze Arena,
Insel Puna. Den ganzen folgenden Tag herrschte eine: von Böen aus NE mit
Regen unterbrochene Windstille, während wir mit der Fluth bis 6 Sm oberhalb
der genannten Spitze hinauftrieben. Auch am Morgen des 20. war es vollständig wind-
still; erst gegen 4 Uhr nachmittags kam eine leichte westliche Briese durch, mit der
wir abends 6 Uhr den Ort Puna erreichten, woselbst wir einen Lootsen erhielten
und die Nacht über, bei Regen und Windstille, vor Anker lagen. Wir fanden
die Bojen an der Mala-Bank, mit Ausnahme der nördlichen, die nicht von uns
entdeckt werden konnte, an ihren richtigen Plätzen. In einem Abstande von
13/4 Sm nach mw. ONO von der Spitze Arena ist dicht an der Bank, auf einer
Wassertiefe von 11m — 6 Fad. — eine neue Boje ausgelegt, ebenfalls eine an
der Nordwestspitze der Payana-Untiefen, Die Eindreiviertel-Faden-Stelle bei der
Spitze Espanola ist nicht richtig in der Karte verzeichnet, denn dieselbe liegt
höchstens eine Kabellänge südlich der genannten Spitze. Die ungefähr querab
von dem Flusse Hondo in der Karte angegebenen flachen Stellen mit 21/2 ‚bezw.
2°/4 Fad. Wasser sind nicht mehr vorhanden. Die Passage zwischen der Insel
Puna und der Bank Mala ist demnach frei von Untiefen und wird nur durch
die vom Lande sich erstreckenden Bänke eingeengt. Der Strom setzt genau in
der Richtung des Fahrwassers.
Der Lootse kommt nur an Bord, wenn er mit dem Schiffsboot vom Lande
abgeholt wird. ;
Am 21. Februar gingen wir mit Tagesanbruch ankerauf und segelten bei
einer flauen Briese von ENE mit Regen bis zur Barre vor der Mündung des
GQuayaquil-Flusses, wo wir um 9 Uhr vor Anker gingen. Bald nachher Kklarte
das Wetter etwas auf, aber erst am folgenden Nachmittage war es möglich, mit
dem durchkommenden günstigen Winde die Barre zu passiren. Mit dem Fluth-
strome allein ist das Passiren der Barre nicht zu ermöglichen, denn dieser setzt
stark auf den Estero Chupadores zu. Nachdem wir an diesem Abend um 8 Uhr
Piedras erreicht hatten, kamen wir am 23, Februar um 9 Uhr abends unter der
Stadt zu Anker. Die Strecke von Piedras bis Guayaquil wurde gegen nördliche,
von Regen begleitete Winde mit der Fluth treibend zurückgelegt.
Bei der Einsegelung in den Golf von Guayaquil hat man darauf zu achten,
dafs die Fluth mit einer bedeutenden Geschwindigkeit auf die Payana-Uuntiefen
und die Boca Jambeli zusetzt. Man mufs daher in der Nacht stets das Loth
gebrauchen, bis das Feuer von der Spitze Arena in Sicht gekommen ist. Der
Einfluß der Fluth ist besonders südlich von Santa Clara grofs, und es ist schon
öfters vorgekommen, dafs sowohl bei der Einsegelung als auch bei der Aus-
segelung Schiffe auf den Payana-Untiefen an Grund gerathen sind. Auch wir
hatten Gelegenheit, diese Versetzung zu beobachten, als wir beim Ausgehen
abends von der Spitze Arena aus unter Segel gingen. Für in der Nacht ein-
kommende Schiffe empfehle ich noch, nicht weiter als bis zu der ebengenannten
Spitze zu gehen und erst am Tage, das Fahrwasser zwischen der Mala-Bank und
der Insel Puna benutzend, die Reise fortzusetzen. Selbst die hier regelmälfig
verkehrenden Dampfer kommen gelegentlich in der Nacht an den Grund.
Das Feuer von Puna ist fÖulsabwärts für ein einkommendes Schiff durch
Bäume verdeckt und kommt nicht früher als die Lichter des Ortes in Sicht.
Aufserdem ist es sehr schwach. Die übrigen Feuer, besonders dasjenige von
Santa Clara, werden manchmal gar nicht angezündet oder verlöschen auf
mehrere Stunden. Namentlich ist dieses der Fall, wenn keine Postdampfer fällig
3zind. Der Kapitän eines deutschen Postdampfers theilte mir mit, dafs auch er
vei einer Einsegelung das Feuer von Santa Clara während 1’/2 Stunden nicht
brennend gefunden habe. Uebrigens hat dieses Feuer, sowie auch dasjenige der
Spitze Arena eine bedeutende Lichtstärke; wohingegen das Feuer der Spitze
Kspanola und, wie schon bemerkt, dasjenige von Puna schlecht ist.