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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Häfen und Fahrten an der Westküste von Süd- und Central-Amerika. 317 
passirten. Nachdem wir dann in einem Abstande von ungefähr */4 Sm der Nord- 
küste der Halbinsel Paraca entlang gesegelt waren und das Kap gleichen Namens 
passirt hatten, verfolgten wir einen Kurs gut südlich frei von der Insel Blanca 
und erreichten um 5 Uhr 30 Min. abends unseren Ankerplatz auf einer Wasser- 
tiefe von 10 m — 5'/2 Fad, —, den Leuchtthurm von Pisco, ungefähr %/4 Sm 
entfernt, N0z0’'4A0 peilend. Während des Nachmittags war die Briese all- 
mählich bis zur Stärke 5 aufgefrischt und nur beim Passiren der Boqueron un- 
beständig in seiner Richtung. 
Die Abfertigung eines Schiffes in Pisco lälst viel zu wünschen übrig, da 
das Entlöschen der Leichter an der Mole aufserordentlich langsam geht. In 
früheren Zeiten, als den Arbeitern ihr Lohn nach der Menge der im Zollhause 
eingebrachten Güter berechnet wurde, war dieses besser; nachdem aber seit 
einigen Jahren eine Aenderung dahin vorgenommen ist, dafs den Arbeitern ein 
bestimmter Tagelohn ausgezahlt wird, hat sich das Interesse derselben daran, 
ob viel oder wenig gelöscht wird, verringert. Dazu ist die Arbeitszeit eines 
Tages sehr kurz, nämlich von 7 bis 11 Uhr vormittags und von 2 bis 5 Uhr 
nachmittags. Der Tagelohn eines Arbeiters beträgt 1 Sol. 
Die Zollvorschriften werden ziemlich scharf ausgeführt. Für die Ueber- 
nahme des Ballastes, dessen ich 80 bis 90 Tonnen benöthigte, hatte ich zuvor 
einen Erlaubnifsschein des Hafenmeisters einzuholen, auf dem sich auch die Be- 
merkung vorfand, dafs ich für jede Tonne 40 Centados Zoll zu entrichten hätte. 
Der Ballastplatz befindet sich an der Nordostecke der Halbinsel Paraca, in einer 
kleinen Bai nordwestlich der Spitze Shingle, die auf einer Wassertiefe von 5,5 
bis 22,0 m — 3 bis 12 Fad. — einen aus Kieselsteinen bestehenden Ankergrund 
hat. Die Spitze Shingle ist sehr niedrig, vielleicht 3 bis 3,6 m — 10 bis 12 Fuß — 
über dem Meeresspiegel, und besteht ebenfalls aus kleinen Kieselsteinen. Bei 
der Ansegelung des Ankerplatzes ist besondere Vorsicht geboten, da die Wasser- 
tiefe sehr schnell abnimmt. Obwohl wir das Loth ununterbrochen im Gange 
hielten, so nahm doch die Wassertiefe während der drei letzten Lothwürfe, 
trotzdem das Schiff nur einen geringen Fortgang machte, von 12 auf 7 und 
31/2 Fad. ab. Nach dem letzten Lothwurf liefsen wir sofort den Anker fallen 
aber bevor dieser den Boden erreichte, war die Wassertiefe bereits auf 21% Fad 
gesunken. Wir brachten daher einen Wurfanker mit 100 Fad, Leine aus und 
hievten das Schiff bis auf eine Tiefe von 7 Fad. zurück, woselbst es immerhin 
dem Lande noch recht nahe lag, 
Als Ballast dienen die hier reichlich vorhandenen Kieselsteine, die zwar 
ziemlich schwer sind, aber beim Ueberholen des Schiffes wahrscheinlich leicht 
übergehen. Für das Anbordbringen desselben hatte ich zwei Leichter und sechs 
Arbeiter von Pisco mitgenommen. Die Bestimmung der Menge des eingenomme- 
nen Ballastes ist ganz dem Ermessen des Kapitäns überlassen, der es demnach 
in der Hand hat, sich für das gezahlte Geld ein reichliches Mafs zu verschaffen. 
Um etwa 90 Tonnen von demselben überzunehmen, benöthigten wir 2!/2 Tage, 
da die Arbeit an den Nachmittagen wegen des starken südlichen Windes unter- 
brochen werden mulfste. 
Nach Pisco zurückgekehrt — was nachmittags geschah — ankerten wir 
auf einer Wassertiefe von 7,3 m — 4 Faden — SWzW vom Leuchtthurm, 150 m 
von der Mole. Letztere ruht auf eisernen Schraubenpfeilern, ist etwa 700 m 
lang und trägt auf ihrem Ende den erwähnten Leuchtthurm, der einen weißen 
Anstrich hat. Bei unserer ersten Ankunft in Pisco war der Leuchtapparat des 
Thurmes in Unordnung, seitdem aber ist er reparirt worden. Das Feuer ist bei 
klarem Wetter, wie wir solches bei unserem Abgange beobachteten, aus einer 
Augeshöhe von 5,2 m — 17 Fuls — 12 Sm weit zu sehen. 
Die Strömung lief auf der Rhede von Pisco während unseres Dortseins 
sehr unregelmäßig, hatte jedoch vorwiegend eine südliche Richtung. Das Wetter 
war ebenfalls von einer geringen Beständigkeit. An drei Tagen hatten wir bei 
flauer nördlicher Briese dichten Nebel, der hier in dieser Jahreszeit (südlicher 
Herbst) überhaupt nicht selten sein soll. Am Nachmittage wehte gewöhnlich 
ein frischer Südwind; in der Nacht war es meistens windstill, doch traten dann 
auch nicht selten Winde aus NE bis NW auf, die bald frisch, bald flau waren. 
Zuweilen herrschte ebenfalls während eines ganzen Tages eine oftmals von einem 
leichten Zuge aus der einen oder anderen Richtung unterbrochene Windstille.
	        
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