Häfen uud Fahrten an der Westküste von Süd- und Central-Amerika.
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dem freien Platz vor demselben tfransportirt werden. Der Schienenstrang auf
der Mole hängt mit der Eisenbahn, welche Arica und Tacna miteinander ver-
bindet, zusammen. Es besteht zwischen diesen beiden Städten eine einmalige
tägliche Kisenbahnfahrgelegenheit hin und zurück, mit Ausnahme des Montags,
an welchem sich dieselbe zwei Mal bietet.
Ziemlich genau in der Mitte der Mole, bei der Anlegetreppe, steht ein
Laternenpfahl, von dem in einer Höhe von 6,7 m — 22 Fuß — ein Licht ge-
zeigt wird, welches zwischen den Peilungen rw. S 12° O durch SW bis N 75°W
grün und zwischen den Peilungen N 75° W durch NO bis S12° O roth erscheint.
Die Sichtweite des Feuers beträgt etwa 3 bis 4 Sm. Aufser der von Kapitän
Ziemann, Führer des Schiffes „General Brialmont“, in diesen Annalen auf
Seite 440 des Jahrganges 1886 erwähnten Telegraphenboje liegen im Hafen
mehrere grofse Mooringbojen, welche jedoch nur von Dampfern benutzt werden,
In unmittelbarer Nähe an der Nordwestseite dieser Bojen beträgt die Wasser-
tiefe auf dem durchaus sicheren Ankerplatz 9 bis 13m — 5 bis 7 Fad.
Das Entlöschen der Segelschiffe geht, wenn nicht gerade zu viele Güter
mit Dampfern eingegangen sind, ziemlich schnell, denn es sind Leichter von
etwa 15 bis 30 Tonnen Tragfähigkeit genug vorhanden. Wir trafen es in dieser
Hinsicht jedoch schlecht, da des öfteren gleichzeitig vier Dampfer mit uns an-
wesend waren. Im Ganzen kamen während unseres 14tägigen Aufenthaltes
außer den Wasserdampfern, die von hier Trinkwasser nach Pisagua und Iquique
bringen, nicht weniger als 16 überseeische Dampfer in den Hafen. Unsere
eigentliche Löschzeit dauerte zwar nur 10 Tage, aber wir hatten noch vier Tage
zu warten, bevor das Schiff ausklarirt werden konnte.
Ebbe und Fluth wechseln ziemlich regelmäfsig mit einander ab; der Hub
des Wassers beträgt von 0,9 bis 1,2 m — 3 bis 4 Fuß. — Der Fluthstrom setzte
auf unserem Ankerplatz nach NO, die Ebbe nach SW, beide mit einer Geschwin-
digkeit von !/ bis 5/4 Knoten.
Die hiesige Zollbehörde macht den Schiffen nur geringe Schwierigkeiten;
verlangt wird von derselben bei Ankunft ein Manifest, eine Proviantliste und
die Musterrolle, welche Schriftstücke indefs in jeder beliebigen Sprache abgefalst
sein können.
Arica ist durch ein Kabel telegraphisch mit der ganzen Welt verbunden;
aufserdem sind Telegraphen und Telephone nach dem Inlande angelegt. Vor-
handen sind hier ein Deutsches, ein Englisches und ein Französisches Konsulat.
In. Tacna haben zwei Banken ihren Sitz, nämlich die „Banco Nacional de Chile“
und die „Banco de Tacna“. Die Ausfuhr von Arica ist gering und besteht aus
Wolle, Baumwolle, Chinarinde, Bolivianischem Kaffee, Silber- und Zinnerz, sowie
geläutertem Silber und Zinn.
Während unseres Hierseins wechselten Land- und Seewind ziemlich
regelmäfsig mit einander ab. Letzterer setzte gewöhnlich um 11 Uhr vor-
mittags ganz flau aus West ein, drehte allmählich nach SW und SSW und
frischte gegen Mittag in der Regel etwas auf, bis er um 3 Uhr nachmittags
etwa die Stärke 5 erreichte. Nach 5 Uhr nahm die Windstärke dann rasch ab,
so dafs es meistens schon um 6 Uhr windstill war. Die Windstille dauerte bis
12 Uhr nachts, dann kam die Landbriese von NE bis N durch, die bis 4 Uhr
morgens noch des öfteren von Windstillen wieder unterbrochen wurde, dann
aber beständig wurde und bis Stärke 2 auffrischte. Um 7 bis 8 Uhr morgens
trat wieder Windstille ein, die bis gegen 11 Uhr vormittags anhielt.
Mollendo. Am 12. März 1890 lichteten wir des Vormittags um 11 Uhr
in Arica unsere Anker, gingen unter Segel und traten die Reise nach Mollendo
an. Als um 4 Uhr nachmittags Arica Head 0S0'20 und Morro de Sama
NNW'AW peilte, wurde es plötzlich windstill, ein Zustand, der bis 10 Uhr
abends anhielt, worauf wieder ein leichter Zug von ESE bis SE _durchkam. Am
Mittag des 13. März befanden wir uns nach astronomischer Beobachtung auf
17° 50’ S-Br, als gleichzeitig die Stadt Ilo, auf einer Entfernung von etwa 12 Sm,
N0z0140 peilte, was nach der britischen Admiralitätskarte nicht mit einander in
Einklang zu bringen ist. Wir segelten mit leichter Briese von E längs der
Küste weiter, bis wir uns um 5 Uhr nachmittags nach unserer Besteckrechnung
auf 17° 42'S-Br und 71° 50‘ W-Lg befanden, und dann recht auf dieselbe zu bis
10 Uhr abends, um welche Zeit wir das Schiff back legten. Früh am Morgen