accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Häfen uud Fahrten an der Westküste von Süd- und Central-Amerika. 
315 
dem freien Platz vor demselben tfransportirt werden. Der Schienenstrang auf 
der Mole hängt mit der Eisenbahn, welche Arica und Tacna miteinander ver- 
bindet, zusammen. Es besteht zwischen diesen beiden Städten eine einmalige 
tägliche Kisenbahnfahrgelegenheit hin und zurück, mit Ausnahme des Montags, 
an welchem sich dieselbe zwei Mal bietet. 
Ziemlich genau in der Mitte der Mole, bei der Anlegetreppe, steht ein 
Laternenpfahl, von dem in einer Höhe von 6,7 m — 22 Fuß — ein Licht ge- 
zeigt wird, welches zwischen den Peilungen rw. S 12° O durch SW bis N 75°W 
grün und zwischen den Peilungen N 75° W durch NO bis S12° O roth erscheint. 
Die Sichtweite des Feuers beträgt etwa 3 bis 4 Sm. Aufser der von Kapitän 
Ziemann, Führer des Schiffes „General Brialmont“, in diesen Annalen auf 
Seite 440 des Jahrganges 1886 erwähnten Telegraphenboje liegen im Hafen 
mehrere grofse Mooringbojen, welche jedoch nur von Dampfern benutzt werden, 
In unmittelbarer Nähe an der Nordwestseite dieser Bojen beträgt die Wasser- 
tiefe auf dem durchaus sicheren Ankerplatz 9 bis 13m — 5 bis 7 Fad. 
Das Entlöschen der Segelschiffe geht, wenn nicht gerade zu viele Güter 
mit Dampfern eingegangen sind, ziemlich schnell, denn es sind Leichter von 
etwa 15 bis 30 Tonnen Tragfähigkeit genug vorhanden. Wir trafen es in dieser 
Hinsicht jedoch schlecht, da des öfteren gleichzeitig vier Dampfer mit uns an- 
wesend waren. Im Ganzen kamen während unseres 14tägigen Aufenthaltes 
außer den Wasserdampfern, die von hier Trinkwasser nach Pisagua und Iquique 
bringen, nicht weniger als 16 überseeische Dampfer in den Hafen. Unsere 
eigentliche Löschzeit dauerte zwar nur 10 Tage, aber wir hatten noch vier Tage 
zu warten, bevor das Schiff ausklarirt werden konnte. 
Ebbe und Fluth wechseln ziemlich regelmäfsig mit einander ab; der Hub 
des Wassers beträgt von 0,9 bis 1,2 m — 3 bis 4 Fuß. — Der Fluthstrom setzte 
auf unserem Ankerplatz nach NO, die Ebbe nach SW, beide mit einer Geschwin- 
digkeit von !/ bis 5/4 Knoten. 
Die hiesige Zollbehörde macht den Schiffen nur geringe Schwierigkeiten; 
verlangt wird von derselben bei Ankunft ein Manifest, eine Proviantliste und 
die Musterrolle, welche Schriftstücke indefs in jeder beliebigen Sprache abgefalst 
sein können. 
Arica ist durch ein Kabel telegraphisch mit der ganzen Welt verbunden; 
aufserdem sind Telegraphen und Telephone nach dem Inlande angelegt. Vor- 
handen sind hier ein Deutsches, ein Englisches und ein Französisches Konsulat. 
In. Tacna haben zwei Banken ihren Sitz, nämlich die „Banco Nacional de Chile“ 
und die „Banco de Tacna“. Die Ausfuhr von Arica ist gering und besteht aus 
Wolle, Baumwolle, Chinarinde, Bolivianischem Kaffee, Silber- und Zinnerz, sowie 
geläutertem Silber und Zinn. 
Während unseres Hierseins wechselten Land- und Seewind ziemlich 
regelmäfsig mit einander ab. Letzterer setzte gewöhnlich um 11 Uhr vor- 
mittags ganz flau aus West ein, drehte allmählich nach SW und SSW und 
frischte gegen Mittag in der Regel etwas auf, bis er um 3 Uhr nachmittags 
etwa die Stärke 5 erreichte. Nach 5 Uhr nahm die Windstärke dann rasch ab, 
so dafs es meistens schon um 6 Uhr windstill war. Die Windstille dauerte bis 
12 Uhr nachts, dann kam die Landbriese von NE bis N durch, die bis 4 Uhr 
morgens noch des öfteren von Windstillen wieder unterbrochen wurde, dann 
aber beständig wurde und bis Stärke 2 auffrischte. Um 7 bis 8 Uhr morgens 
trat wieder Windstille ein, die bis gegen 11 Uhr vormittags anhielt. 
Mollendo. Am 12. März 1890 lichteten wir des Vormittags um 11 Uhr 
in Arica unsere Anker, gingen unter Segel und traten die Reise nach Mollendo 
an. Als um 4 Uhr nachmittags Arica Head 0S0'20 und Morro de Sama 
NNW'AW peilte, wurde es plötzlich windstill, ein Zustand, der bis 10 Uhr 
abends anhielt, worauf wieder ein leichter Zug von ESE bis SE _durchkam. Am 
Mittag des 13. März befanden wir uns nach astronomischer Beobachtung auf 
17° 50’ S-Br, als gleichzeitig die Stadt Ilo, auf einer Entfernung von etwa 12 Sm, 
N0z0140 peilte, was nach der britischen Admiralitätskarte nicht mit einander in 
Einklang zu bringen ist. Wir segelten mit leichter Briese von E längs der 
Küste weiter, bis wir uns um 5 Uhr nachmittags nach unserer Besteckrechnung 
auf 17° 42'S-Br und 71° 50‘ W-Lg befanden, und dann recht auf dieselbe zu bis 
10 Uhr abends, um welche Zeit wir das Schiff back legten. Früh am Morgen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.