312 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893.
wir die Strecke von Kap Rivers nach Menado Tua, ein recht vor der Bai von
Menado liegendes Eiland, in der verhältnifsmäfsig kurzen Zeit von zwei Tagen
zurücklegen konnten. Das eben genannte Eiland, welches in einem Abstande von
40 Sm zu sehen ist, ist eine gute Segelmarke für die Bai von Menado. So weit
gelangt, wurden wir abermals durch Windstille aufgehalten, und zwar für
fünf Tage, während welcher kein Steuer im Schiffe war. Erst am 9. Oktober
kamen wir auf der Rhede von Menado, nur 2 bis 3 Schiffslängen vom Strande,
auf einer Wassertiefe von 82m — 45 Faden — zu Anker. Die Schiffe liegen
auf der Rhede von Menado in der Regel auf einer Wassertiefe von 82 bis 92 m
45 bis 50 Faden) mit 100 bis 110 Faden Kette aus hinter beiden Ankern und
werden aufserdem vom Heck aus mit zwei Kabeltrossen am Lande befestigt,
Der Meeresboden steigt rasch an; auf dem äufseren Ende der Rhede beträgt die
Wassertiefe 274 m — 150 Faden —. Der Ankergrund hält derart gut, dafs man
in den meisten Fällen den Anker nicht zu lichten vermag, selbst nicht mit Hülfe
von Leuten vom Lande, sondern schlippen muß. Uns gelang es nach einer
angestrengten Arbeit von 6 Uhr abends bis 3 Uhr morgens, unsern Anker mit
100 Faden herauszubekommen, während das holländische Schiff „Thorbecke Nr. 6“
seinen Anker liegen lassen mufste. Das Verankermn und Festmachen eines Schiffes
hat vor 4 Uhr nachmittags zu geschehen, weil um diese Zeit die Landbriese
einsetzt und, wenn nicht vorher die am Lande festgemachten Trossen eingeholt
und belegt sind, das Schiff herumschlägt und auf tiefes Wasser zurücktreibt. Bei
den in den Monaten November bis März nicht selten stürmischen westlichen
Winden ist die Lage eines Schiffes auf dieser Rhede eine gefährliche. Heftige
Erdbeben sind hier gewöhnliche Erscheinungen.
Es ist nicht rathsam, während der Nacht das Schiff unter Segel in der Bai von
Menado gehend zu halten; da es dann meistens windstill ist, und da man wegen
der grofsen Wassertiefen nicht ankern kann, ist man der unregelmäßigen Strömung
völlig preisgegeben. Nicht lange vor meiner Ankunft strandete hier eine Bark
infolge der eben erwähnten Verhältnisse.
Anfang Dezember, als „Coquette“ bereits in Taruna lag, woselbst es eben-
falls schwer wehte, wurde in Menado das Schiff „Thorbecke Nr. 5“ durch einen
Sturm von seinen Ankern losgerissen und unterhalb des Forts hoch und trocken
auf den Strand geworfen. Selbst die sonst in Menado verkehrenden Dampfer
vermeiden zur Zeit der herrschenden westlichen Winde diesen Platz und laufen
bei drohender Witterung den Hafen von Kema an der Ostküste von Celebes an,
von welchem her die Ladung über Land nach Menado transportirt wird.
Die Stadt Menado ist sehr nett und reinlieh; einige holländische Handlungs-
häuser sind vorhanden, und der Resident der holländischen Regierung hat hier
seinen Sitz. Die Zahl der hier ansässigen Europäer beträgt 30 bis 40: aufserdem
ist das Fort mit 30 Soldaten und 2 Offizieren besetzt.
Frischen Proviant und Früchte in allen Sorten kann man erhalten, aber
keinen Dauerproviant für die Reise. Das Trinkwasser hier am Ort ist sehr gut.
Talisse. Nachdem wir in Menado fünf Tage mit der Uebernahme von
Reis, Kalk und Bauholz verbracht hatten, segelien wir nach Talisse, einer Insel
an dem Nordostende von Celebes, welche das Eigenthum der „Molukschen
Handels-Genootschap in Amsterdam‘ ist. Bei flanem, durch Windstillen unter-
brochenem Nordwinde wurde die Reise dorthin in zwei Tagen ausgeführt. Die
Rhede von Talisse ist sehr gut und eine der besten im ganzen Indischen Archipel,
denn sie ist ringsum durch Land und Inseln derartig geschützt, dafs kein Seegang
auf derselben entstehen kann. Wir lagen auf einer Wassertiefe von 16,55 m —
9 Faden — über Korallengrund, zwei Schiffslängen vom Strande vor Anker.
Der Ankergrund hält sehr gut, und man braucht nicht zu befürchten, daß das
Schiff ins Treiben geräth. Während unseres 14tägigen Aufenthaltes in Talisse,
vom 25. Oktober bis zum 8, November 1889, hatten wir vorwiegend umlaufende,
meistens westliche Winde mit Böen und Regen.
An Erfrischungen ist in Talisse nichts zu haben, aber auf den umliegenden
Inseln Ganga, Liaga und Kinabukutan sind Hühner und Früchte käuflich. Aus-
gezeichnetes Trinkwasser ist aus einer dem Strande nahen Quelle zu schöpfen
und mit wenig Mühe an Bord zu bringen. Wir füllten daher hier auch unsere
sämmtlichen Tanks und Fässer.