Reisebericht des Kapt, C. Grünewald vom Dreimastschoner „Coquette“. 311
in sich zusammen und gingen in eine hohe Dünung über. Von diesem Augen-
blick an kam keine einzige See mehr über. Durch einige Liter Oel waren wir
so im Stande, uns gegen die hohe See, die Alles an Deck zu zertrümmern drohte,
zu schützen, und konnten unsere Reise ungefährdet fortsetzen. Wir konnten
bequem weiter lenzen, während wir. ohne das Oelen der See zum Beidrehen
gezwungen gewesen wären.“
I. Einige Bemerkungen über Lorenco Marquez (Delagoa-Bai).
Nach einer 95tägigen Reise von Cuxhaven ankerte „Coquette‘“ am 1. Juli 1889
um 5 Uhr nachmittags im Hafen von Lorenco Marquez auf einer Wassertiefe von
15m — 8 Faden —.
Während der Dauer unseres Aufenthaltes hierselbst von sechs Wochen
war der Wind vorherrschend zwischen NW und NE, am Morgen gewöhnlich flau
und leicht aus nördlicher Richtung. Alle 6 bis 7 Tage setzte ein südlicher Wind
ein, der mitunter nur einen Bestand von wenigen Stunden, zuweilen aber auch
einen solchen von einem bis zu zwei Tagen hatte und meistens stürmisch war,
Am Tage war es sehr heifßs, während der Nacht fand eine bedeutende Abkühlung
der Luft und eine sehr starke Thaubildung statt. Regen fiel während der ganzen
Zeit kein Tropfen. Das Fieber, von dem auch einer unserer Leute auf die Dauer
einiger Tage befallen wurde, herrschte hier ziemlich stark.
Der oben erwähnte stürmische südliche Wind ruft auf der Rhede ‚von
Lorenco Marquez eine sehr grobe See hervor, die während seiner Dauer das
Entlöschen und Beladen der Schiffe verhindert. Diese Arbeiten gehen auch
außerdem wegen des Mangels an Leichtern nur langsam von statten, besonders
nach der Ankunft von Dampfern.
Lootsen giebt es in Lorenco Marquez nicht. Die einzigen für die Schiff-
fahrt hergerichteten Zeichen bestehen in einer Tonne bei der Spitze Reuben und
einem Leuchtfeuer auf dieser Spitze. Das Feuer ist aber unter den günstigsten
Verhältnissen nur 3 Sm weit zu sehen; außerdem wird sehr häufig vergessen,
dasselbe anzuzünden. Dennoch ist die Ein- und Aussegelung von Delagoa-Bal
sehr leicht, weil man meist überall passende Wassertiefen und einen gut haltenden
Grund zum Ankern findet. Nur ist zu bedenken, daß das Wasser 3,7 bis 4,3m
— 12 bis 14 Fuß — steigt und fällt.
Kartoffeln und Gemüse sind in den meisten Fällen nicht, wenn aber, nur
zu hohen Preisen zu bekommen; frisches Fleisch kostet 1 sh. 6 d. das Kilogramm,
den Ballast erhält man für 5 sh. die Tonne geliefert; wir haben denselben aber
mit unseren Booten und der eigenen Mannschaft geholt. Das Trinkwasser hat
man mit seinen eigenen Booten und Leuten an Bord zu holen. Dasselbe wird
einer Quelle etwa in der Mitte zwischen Lorenco Marquez und der Spitze Reuben
entnommen und ist von guter Beschaffenheit. Das Anbordholen sowohl von
Ballast als Trinkwasser ist zeitraubend und schwierig. Ladung ist für ein Schiff
nur selten in Lorengo Marquez zu erbalten; wenn dieses vereinzelt einmal
vorkommt. so ist sie meistens für einen Platz an dieser Küste bestimmt.
JII. Reisen und Häfen im Indischen Archipel.
Am 10. August 1889 verliefsen wir in Ballast Lorengo Marquez, um nach
Menado auf der Insel Celebes zu segeln, und 37 Tage später, nämlich am
16. September, standen wir vor dem südlichen Eingange zur Lombok-Strafse.
Letztere wurde am 17. September bei einer steifen südöstlichen Briese rasch
durchsegelt; bereits um 12 Uhr mittags befanden wir uns in der Java-See. Hier
herrschten sehr leichte südöstliche bis südwestliche Winde vor, weshalb die
Durchsegelung derselben 3'/2 Tage in Anspruch nahm. Unterwegs begegneten
wir sehr vielem Treibholz, darunter grofsen Baumstämmen, und sogenannten
schwimmenden Eilanden. In der Makassar-Strafse trafen wir derart ungünstige
Verhältnisse, Windstillen und leichte nördliche Winde an, dafs, um durch dieselbe
zu gelangen, volle 13 Tage erforderlich waren. In der südlichen Hälfte der
Straße wurde ein 2 bis 3 Sm die Stunde nach Süd setzender Strom beobachtet,
während im nördlichen Theil der Strom mit einer mäfsigen Geschwindigkeit nach
West setzte. In der Celebes-See hatten wir mäßigen Nordwestwind, mit dem