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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Treibeis in südlichen Breiten. 
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oerge. Jetzt trat Mallung und Windstille ein, und nachmittags hatten wir ein 
starkes Gewitter mit Platzregen. Abends ging der Wind auf SW und wehte 
aus dieser Richtung, aber nur für einige Stunden, sehr stürmisch. Während der 
Nacht lagen wir beigedreht, des Eises wegen. Am 14, März herrschte schönes 
Wetter bei steifer Briese aus West und NW. Mittags standen wir in 49° 36‘ S-Br 
und 51° 5 W-Lg. Um 2" p erblickten wir in östlicher und südöstlicher Richtung, 
etwa 15 Sm entfernt, noch wieder sehr viele grofse Eisberge. Weiterhin wurde 
kein Eis mehr gesehen.“ 
März 12. bis 14. Die von Victoria, British Columbia, in Liverpool an- 
gekommene Bark „Chili“ passirte am 12. März auf 51° S-Br und 50° W-Lg einen 
170 m (565 engl. Fuß) hohen Eisberg und später einen zweiten, welcher sogar 
200 m (670 engl. Fuß) hoch war. Am 14. März wurden wieder 16 ungeheure 
tafelförmige Eisinseln von 60 bis 90 m Höhe passirt, von denen eine etwa 5 Sm 
lang zu sein schien. Später passirte das Schiff dann noch eine ganze Reihe von 
Eisbergen, von denen der westlichste auf 49° S-Br und 50° W-Lg trieb. ; 
März 13. bis 18. Das Schiff „British Isles“ gerieth am 13. März auf 
51° S-Br und 48° W-Lg bei dichtem Nebel zwischen eine Menge HEisberge. 
Später fing es an zu wehen, und das Schiff mufste die ganze Nacht kreuzen, um 
vom KEise frei zu bleiben. Letzteres schien eine zusammenhängende Masse zu 
bilden und dehnte sich etwa 40 Sm aus, soweit bei Tage und hellem Wetter 
vom Schiffe aus zu sehen war. Am Abend des 16. März war das Schiff voll- 
ständig vom KHise umgeben. Am 18. waren auf 49° S-Br und 46° W-Lg nur 
noch 4 Berge zu sehen. Die ganze Mannschaft mufste 72 Stunden ununterbrochen 
auf Deck sein, während das Schiff 200 Sm durch das Eis segelte. . 
März ?. Das Schiff „Stronsa“ passirte in 51° S-Br und 50° W-Lg ein 
grofses, anscheinend durch Kollision mit einem KEisberge schwer beschädigtes 
Schiff. Dasselbe hatte das ganze Vorgeschirr verloren und befand sich in ge- 
fährlicher Nähe von Eisflächen. Die „Stronsa“ wollte dem Schiff Hülfe leisten, 
doch kam gerade eine englische Bark hinter einigen Eisbergen hervor, welche 
auf das havarirte Schiff zusteuerte. Die „Stronsa‘“ setzte, als man sah, dafs 
Hülfe zur Stelle war, die Reise fort. 
März ?. Die deutsche Bark „Flotow“ kollidirte auf 50° S-Br und 49° W-Lg 
mit einem hohen Eisberg. Sie wurde am 26. März von dem Schiffe „Cynisca‘“ 
mit schweren Schäden am Vorderschiff angesprochen. Bevor „Cynisca‘“ die Bark 
verließ, wurden die Schäden reparirt. 
März 14. bis 16. Bericht des Kapitäns C. Schnieders von der Bark 
„Freya“, von Corinto nach Havre: „Am 14, März um 1'/2" morgens auf 52° 13‘ S-Br 
and 49° 44' W-Lg sichteten einen groflsen Eisberg. Als wir uns demselben 
näherten, kam immer mehr Eis in Sicht. Um 3"a sahen 9 Berge von kolossaler 
Höhe und grofsem Umfange. Passirten den ersten an seiner Leeseite in 1,5 Sm 
Abstand und fanden selbst in der nächsten Nähe desselben und während wir 
ans zwischen Treibeisstücken befanden, keine Aenderung der Luft- und der 
Wassertemperatur, Wind W bis NW 7. Mittags auf 51° 26‘ S-Br und 48° 47‘ W-Lg. 
Steuerten NO und ONO, um leewärts aus dem HEise heraus zu kommen. 
Sichteten immer mehr, aber fast alles an der Luvseite. Nachdem wir abends 
das letzte in Lee befindliche Eis passirt hatten, machten wir kleine Segel und 
drehten bei. Stürmisches Wetter. Wind WNW 9—10. Bei Tagesanbruch am 
15, März sahen uns von Eisbergen umgeben. Setzten Segel und steuerten den 
Umständen gemälß, um freizukommen. Stürmischer Wind, wilde See. Es kamen 
\mmer mehr Eisberge in Sicht. Um 2 Uhr nachmittags, auf 49° 58‘ S-Br und 
47° 54‘ W-Lg zählten wir über 70 Berge. Von West durch Nord bis NO war keine 
offene Stelle zu sehen. Mufsten Ost steuern, um in einigermafsen freies Wasser 
zu gelangen. Gegen Abend heftige Regen- und Hagelböen. Um 7*p drehten 
vor den Untermarssegeln bei. Sturm aus WNW. Während der Nacht trieben 
wir dicht mit einigen Bergen zusammen; mufsten mit beiden Wachen Ausguck 
halten und das Schiff manövriren, um frei zu bleiben. Trotz des Sturmes, welcher 
wehte, kamen wir zuweilen in Lee der Eisberge in plötzliche Windstille; bald 
Jarauf setzte der Wind über die Berge hinweg mit der Stärke 10 wieder ein. 
Am 16. März um 4 Uhr morgens ging der Wind mit schweren Hagel- und Schnee- 
böen auf WSW. Bei Tagesanbruch, auf 49° 39‘ S-Br und 46° 54' W-Lg sahen 
im Nordwesten noch verschiedene eroße Berge,. in der Nähe jedoch nur noch
	        
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