306 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893.
dabei ein Gekrach und Getöse verursachten, als ob sie gleich auseinander bersten
wollten. Die grofsen Eisberge zeigten dagegen wenig oder gar keine Bewegung.
Sämmtliches Eis hatte eine blendend weiße Farbe, nur die kleineren, schneelosen
Berge waren ein wenig dunkler. Die See war trotz des bisweilen stürmischen
Windes infolge der dichten Eisbedeckung sehr wenig bewegt. Auffallende Aen-
derungen der Temperatur des Wassers und der Luft wurden nicht wahrgenommen,
auch waren sehr wenige Vögel vorhanden; dagegen bemerkten wir sehr viele
Schaaren von Delphinen. Sobald wir aus der Kisnähe heraus waren, gestatteten
uns frische westliche Winde, unseren nordöstlichen Kurs wieder aufzunehmen, der
uns in wenigen Tagen einem milden Klima zuführte.“
März 10. bis 13. Von 50° 30‘S-Br und 47° 20‘ W-Lg bis 48° S-Br und
39° W-Lg viel Eis. Schiff „City of Quebec“, von Adelaide in Falmouth.
Kapt. G. Schmidt vom Schiffe „Reinbek“, von Iquique in Genua an-
gekommen, schreibt:
„März 11, um 1’/a*g8 auf 51° 18‘S-Br und 51° 01‘ W-Lg sichteten den
ersten Kisberg von ungefähr 100 m Höhe und 900 bis 1000 m Länge. Wind
WNW8—7, Kurs NOzN. Segelten weiter und passirten in 2 Sm Abstand noch
mehrere Berge. Bei Tagwerden erblickten wir von der Bramraa aus, soweit
man sehen konnte, überall Eisberge, die stellenweise so dicht trieben, dafs wir
mit dem Schiffe kaum zwischen denselben hindurch finden konnten. Es waren
Eisinseln darunter von mehreren Kilometern Länge und so hoch wie unsere
Toppen und höher noch. Mittags auf 50° 11’ S-Br und 49° 51‘ W-Lg; Luft von
SW abklarend, Wind westlicher und flauer. Segelten 110 Sm im KEise. Die
einzelnen Berge trieben in kaum 1 bis 2 Sm Entfernung von einander. Um 6*p
auf 49° 42‘ S-Br und 49° 27' W-Lg passirten die letzten Eisberge, konnten von
der Bramraa voraus kein Eis mehr sehen.“
März 11. bis 16. Das Schiff „Marion Iuglis“, von Iquique in Hamburg
angekommen, Sichtete am 11. März um 3"p auf 51° 28‘S-Br und 49° 5‘ W-Lg
einen sehr grofßsen Eisberg in SO, um 4* östlich davon einen sehr niedrigen und
langen, und um 4'/* von der Marsraa 10 Berge zwischen NNO und SO. Um 6*
war der ganze Horizont voraus von NW bis SO mit Eisbergen eingefafst, von
denen 45 gezählt wurden. Am Mittage des 12. März mufste das Schiff nach West
wenden, da vor ihm eine geschlossene Barriere von Eisbergen lag. Einige der
größten hatten einen Flächeninhalt von 2 bis 5 Quadratseemeilen und 90 bis
180 m Höhe. Um 4*p wurde ein grofßser Viermaster bemerkt, welcher NNO der
Eisbarriere zusteuerte. Um 8" p passirte die „Marion Inglis“ in Lee von einem
inselartigem Eisberge durch viel sehr gefährliches loses Eis. Um 6*a am 13. März
wurde in SO ein ungeheurer Berg von 7 Quadratseemeilen Fläche und 180 m
Höhe gesichtet, und den ganzen Tag wurden zahlreiche Eisberge passirt. Von
NzW bis SO dehnte sich eine undurchdringliche Barriere aus, in der sich Eis-
inseln von 10 Quadratseemeilen Fläche und 150 bis 240 m Höhe befanden. Fast
sämmtliche Berge waren oben flach. Auch am 15. und 16. März wurden noch
Eisberge gesehen. Die ungeheure Kismauer dehnt sich etwa 140 Sm von NW
nach SO aus und wird nach Ansicht des Kapitäns wohl noch lange Zeit bestehen
und für die rund Kap Horn kommenden Schiffe. recht in deren Route sie liegt,
gine grofse Gefahr bilden.
März 12. bis 14. Kapt. B. Röttgers von der Bark „Saturnus“ berichtet:
„Nachdem wir am 8. März Kap Horn passirt hatten, hatten wir bis zum 12,
steife Briese aus NW, worauf der Wind abflauend nördlicher holte. Um 3*p
letzteren Tages, in 50° 54‘ S-Br und 50° 41‘ W-Lg sahen wir SO von uns zwei
sehr grofse Kisberge, der eine von reichlich 90 m, der andere von nur etwa 15 m
Höhe, aber 1 bis 1'/, Sm Umfang. Um 8"p kamen wir ganz nahe an einen
grofsen Eisklumpen, der etwa 3 m aus dem Wasser ragte. Wir wendeten darauf
nach Westen und machten die kleinen Segel fest. Während der Nacht passirten
wir verschiedene wäfsig große Eisstücke nahe bei, kleine Stücke streiften das
Schiff. Nachdem wir bei Tagesanbruch am 13. März wieder mehr Segel gesetzt
hatten, passirten wir um 6"a wieder einen sehr grofsen Berg von 90 bis 100 m
Höhe in 3 Sm Abstand. Zeitweilig war es sehr dick von Nebel; die Temperatur
des Wassers betrug 8°, die der Luft 9°C. Das Wasser hatte eine auffallend
grüne Farbe. Vormittags, als es aufklarte, sahen wir von der Marsraa NNO von
dem letzterwähnten eine ganze Menge zum Theil sehr hoher und großer Eis-