Treibeis in südlichen Breiten,
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hoben und die sich ungefähr 50 Sm weit ausdehnte. Vor derselben trieben viele
einzelne Berge. Das Schiff konnte deshalb seinen Kurs nicht weiter verfolgen
und mufßte wieder auf die anderen Halsen gelegt werden. Bald darauf wurde
es dick von Nebel und Regen. Bei solchem Wetter segelte und trieb das Schiff
unter kleinen Segeln westwärts bis zum Nachmittage des 3., als der Wind in
51° S-Br und 52° 30’ W-Lg. etwas westlicher holte, worauf der nordöstliche Kurs
wieder aufgenommen wurde.
März 3. Das Schiff „Anglesey“ passirte am 3. März auf 52° S-Br und
46° W-Lg Eisberge und segelte eine Strecke von 300 Sm zwischen denselben.
Das Wetter war während der ganzen Zeit neblig, und es wehte stürmisch aus NW.
Wenn der Nebel sich zeitweise lichtete, schien die See, soweit das Auge reichte,
mit Eisbergen bedeckt zu sein. Die meisten derselben hatten etwa die Größe
eines grofsen Schiffes, doch befanden sich auch einige sehr grofse dazwischen.
März 3. Das von Caleta Buena in Queenstown angekommene Schiff
„Wychwood‘“ bekam am 3. März auf 51° 11‘ S-Br und 51° 10‘ W-Lg recht voraus
einen riesigen Eisberg in Sicht sowie eine Menge losen Eises. In den nächsten
6 Stunden passirte das Schiff dann noch 23 weitere Eisberge von ungeheurer
Gröfse, von vielen grofsen Bruchstücken umgeben. Kurz nach Sonnenaufgang
trat Nebel ein, weshalb das Schiff längere Zeit beigedreht lag. Als das Wetter
mittags aufklarte und die Sonne durchkam, befand man sich auf 49° 56’ S-Br und
49° 29‘ W-Lg. Das Schiff war dann ringsumher von einer Barriere von Eisbergen
eingeschlossen, doch fand man noch einen Ausweg. In der nächsten Nacht wur-
den noch mehrere Eisberge passirt.
Das von Tacoma .angekommene Schiff „Persian Empire“ traf zwischen
50° S-Br und 49° W-Lg und 49° S-Br und 48° W-Lg ebenfalls eine Menge Kisberge
und loses Eis, sowie eine Eisinsel von 16 Sm im Quadrat, die nur 9 m aus dem
Wasser ragte und für die Schiffahrt eine grofse Gefahr bildete.
März 8. bis 11. Das Schiff „Crocodile“, von Sydney nach London, pas-
sirte vom 8. März, auf 51° S-Br und 51° W-Lg, bis zum 11., auf 49° S-Br und
47° W-Lg, 200 Sm weit durch eine Menge Eisinseln und Berge. Am Mittage
des 10. März segelte das Schiff an der Ostseite einer grofsen Eisinsel entlang,
die sich so weit ausdehnte, als das Auge reichte. Viele Inseln waren durch
loses Treibeis miteinander verbunden, und das Meer war so voll davon, dafs nur
schwer eine Durchfahrt zu finden war. Die Inseln waren 60 bis 100 m hoch,
oben platt und an den Seiten klippenartig steil. Nachmittags am 10. überstürzte
sich luvwärts vom Schiffe ein Berg mit donnerähnlichem Getöse, wobei der
Schaum mehrere Hundert Fuß in die Höhe spritzte. Der Wind war zur Zeit NW,
das Wetter schön.
März 9. Kapt. O0. Schmidt von der Bark „Potrimpos‘“ berichtet: „Von
Diego Ramirez ab hatten wir stetige Briese aus Nord bis NE, gegen welche wir
nordostwärts kreuzten, mit anhaltendem Nebel und Regen. In der Nacht vom
8. zum 9. März, um 3a, als der Wind etwas westlicher ging und es aufklarte,
sahen wir uns plötzlich nur eine. halbe Seemeile entfernt von mehreren hohen
und grofsen Eisbergen, welche den Raum von West durch Nord nach 0SO einnahmen.,
Wir kürzten sofort Segel und legten das Schiff auf Steuerbordhalsen südwest-
wärts, um den Tag abzuwarten. Gleich darauf zeigten sich jedoch auch in dieser
Richtung Eisberge, weshalb wir backbrassen mufsten. Als "es gegen 5" Tag
wurde, fanden wir, dafs wir in einen förmlichen Kessel von Eisbergen hinein-
gerathen waren. Wir zählten. derselben 85, ungerechnet die vielen kleinen KEis-
schollen. Die Berge hatten eine Höhe von 3 bis 100m und eine Länge
von *!/a bis 214 Sm. Sie bildeten ringsum einen dichten Wall; nur zwischen
West und WSW zeigte eich eine Oeffnung, : durch welche wir hinein-
gelaufen waren. Zurück durch dieselbe konnten wir aber nicht, da
sich der Wind nach WNW gedreht hatte. Also vorwärts! Ein Glück, dafs
das Wetter abklarte und der Wind mäfsig blieb. Wir behielten beide Wachen
an Deck, setzten alle Raasegel und Klüver und steuerten, bald anluvend, bald
abhaltend, auf Kursen zwischen NNO und Ost zwischen den Eisbergen hindurch.
Von allen drei Toppen hielten wir scharfen Ausguck nach verunglückten Schiffen
and Mannschaften, sowie den gefährlichen, 6 bis 10 m tief eintäuchenden und
nur wenig aus dem Wasser hervorragenden KEisschollen, die massenhaft umher-
trieben. Um &8&a zeigten sich, soweit man sehen konnte, nur Eisberge, und