Geleich: Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweisungen. 299.
gierung zu einem von ihm entworfenen Schema und Karte, die auf Staatskosten
gedruckt und allen amerikanischen Schiffen mitgegeben wurden. Die ausgefüllten
Journale strömten wieder in Washington ein, wo Maury mit Bienenfleifßs sammelte.
Als erste Frucht davon erschien‘ das epochemachende Werk „Explanation and
Sailing Direction, to accompany the Wind’and Current Charts“. Nun galt es, der
in Amerika eingeführten Beobachtungsmethode allgemeinen Eingang zu ver-
schaffen. Die Regierung der Vereinigten Staaten lud zu diesem Zwecke und
auf Vorschlag Maury’s die seefahrenden Nationen ein, in gemeinsamer Konferenz
ein gleiches Vorgehen bei den oceanischen Beobachtungen festzustellen und alle
Seefahrer zur Betheiligung an den letzteren aufzufordern,
Die beabsichtigte Konferenz trat 1853 in Brüssel zusammen, wo man sich
hauptsächlich über die Formen der zu führenden Beobachtungsjournale einigte;
3ämmtliche vertretenen Nationen erklärten sich bereit, die von den Seefahrern
ausgefüllten Tagebücher dem Observatorium in Washington, als Centralstelle für
oceanographische Forschungen, einzusenden.
Im Jahre 1855 veröffentlichte Maury sein bedeutendes, so Oft neu auf-
gelegtes und in alle Sprachen übersetztes Werk: „The Physical Geography of
the Sea“ und eine Abhandlung „Letter concerning lanes for the steamers crofsing
the Atlantic“. Die Wind- und Strömungskarten, welche der XIV. Auflage des
ersteren Werkes beilagen, sind auf Grund von 1159533 Beobachtungen, die Karten
der Isobaren auf Grund von 100000 Beobachtungen ausgeführt. Die wissen-
schaftlichen Anhaltspunkte, auf welche Maury die-besten Routen gründete, sind
folgende:
1. Man hat sich stets gegenwärtig zu halten, dafs in den gemäfsigten
Zonen veränderliche Westwinde vorherrschen, und dafs die Längengrade in diesen
Zonen kürzer sind als im Passatgebiete, so dafs sich dieselben zur Gewinnung
von geographischer Länge eignen.
2. Will man aus den Gegenden der veränderlichen Winde zur Linie oder
umgekehrt, so hat man die Uebergangsgegenden, wo Windstillen und schlechtes
veränderliches Wetter häufig sind, an der schmalsten Stelle zu erreichen und,
ohne nach günstigem Wind zu suchen, sie möglichst in meridionaler Richtung zu
durchschneiden, ;
3. Günstiger Wind, der direkt und rasch zum Ziel führt, ist so lange, als
er anhält, zu benutzen, unbekümmert, ob dies mit der empfohlenen Route har-
monirt oder nicht.
Fast gleichzeitig mit Maury’s Arbeiten erschienen die Werke von Kerhallet,
die seiner Zeit ebenfalls grofses Ansehen gewannen. Die Grundprincipien der
oceanischen Schiffahrt formulirte Letzterer wie folgt:
„Hat man von Ost nach West zu reisen, so wähle man die Passatzone
and suche sobald als möglich dieselbe zu erreichen. Hat man von West nach Ost
zu segeln, so halte man sich aufserhalb der Passatzone, und befindet man sich in
derselben, so trachte man, so rasch als möglich hinauszukommen,
Hat man die Region der Kalmen zu durchschneiden, so thue man dies
in meridionaler Richtung, mufßs man laviren, so wähle man jenen Bord, mit
welchem man am meisten an Breite gewinnt. | |
Sind die Passate zu durchschneiden, so halte man sich ebenfalls so. nahe
als möglich an jene Kurse, welche gegen Norden oder gegen. Süden führen, und
halte die Segel voll, um gut zu laufen. ‚,, 4.40.
Ist ein Ocean schief von Westen nach Osten zu durchkreuzen (Australien—
Kalifornien, Kap Horn—KEuropa) so wird man sich nach Osten erheben, entweder
in der Region der vorherrschenden Westwinde der Südhalbkugel südlich ‚von
40° S-Br oder in jener der Nord-Hemisphäre nördlich von 40° N-Br, da man im
Bereiche der Passate nicht so weit nach Osten gelangen kann, um den Bestim-
mungspunkt zu erreichen. Man wird daher Ostweg zu gewinnen suchen, ent-
weder südwärts der Kalmen des Steinbocks oder nordwärts jener des Krebses,
je nachdem welcher Weg näher oder bei den bestehenden Windverhältnissen
günstiger erscheint.“
Die praktischen Erfolge der Maury’schen Leistungen wurden bald hand-
yreiflich; die Reisen von Europa oder von den Vereinigten Staaten Nordamerikas