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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893,
[6° steuern, wo Südost- und Ostsüdostwinde vorherrschen. Letztere gestatteten,
einen südlicheren Kurs einzunehmen. Nach Verlassen der Passatregion hatte
man günstigen Wind. Vom Parallel der nördlichsten der Chiloe-Inseln hatte
man SzW bis 50°, hierauf SSE bis 58° zu segeln und schliefslich gegen
Osten, immer im selben Parallel sich haltend. Hatte man die Länge des östlichsten
Landes von Staatenland erreicht, so war gegen NO zu biegen.
Wir wollen den Gegenstand nicht verlassen, ohne mit wenigen Worten jener
jüngsten Faktoren zu gedenken, welche die oceanischen Schiffahrtsregeln auf
ihren heutigen hohen Standpunkt brachten.
Dafs nur reiche statistische Angaben zur genauen Kenntnifs der physikalischen
Geographie der Oceane führen können, hob besonders Humboldt hervor, der
selbst ‚viele Schiffstagebücher prüfte, um die Gesetze des Kreislaufs der Gewässer
zu erforschen. Die astronomischen Ortsbestimmungsmethoden, die hierbei eine
grofse Rolle spielen, waren vervollkommnet worden, und durch die Einführung
des Seethermometers (1768—1769) gewann man ein weiteres Mittel, um die
Meeresströmungen genauer kennen zu lernen. Die Kriegsschiffe verschiedener
Nationen sammelten von nun an ein werthvolles Material, das aber für den Augen-
blick unverarbeitet blieb; der Erste, der daraus Nutzen zu ziehen versuchte,
war Rennell, indem er auf Grund desselben ein kartographisches Bild der
Strömungen im Atlantischen Ocean herstellte. Von bedeutendem Einflusse waren
Dove’s bahnbrechende, auf die Navigation einen tiefgreifenden Einfluß ausübende
meteorologische Arbeiten, welche 1833 die Aufmerksamkeit auf die Bedeutung
meteorologischer Forschung lenkten. Auf Beuth’s Veranlassung begann man
in Preufsen Schiffe durch Ausrüstung mit Instrumenten und Beobachtungsjournalen
als schwimmende meteorologische Observatorien einzurichten, und im Jahre 1842
veröffentlichte Heinrich Berghaus in dem wenig bekannten Werke: „Sechs
Reisen um die Erde der Königlich Preufsischen Seehandlungsschiffe „Meteor“
and „Prinzessin Louise“ (Breslau 1842)“ zum ersten Male eine Reihe von
meteorologischen Schiffsbeobachtungen, welche zur See angestellt und von Berg-
haus systematisch bearbeitet worden waren.!) Neben Berghaus ist noch
ein weiterer deutscher Gelehrter zu den Vorläufern Maury’s zu rechnen,
Dr. A. Erman, der 1829 bis 1830 auf der russischen Korvette „Krotkoi“ eine
Weltumsegelung zu wissenschaftlichen Zwecken machte. Die Resultate seiner
nautisch-meteorologischen und hydrographischen Arbeiten veröffentlichte Erman
in dem von ihm selbst herausgegebenen Archiv für wissenschaftliche Kunde
von Russland 1843.
Einen neuen Impuls erhielt das statistische Moment durch die vom Nau-
tical Magazine eingeführte Sitte, periodische Berichte über „Flaschenposten“
zu veröffentlichen. Kurz nachher sammelte Daussy zum ersten Male eine gröfsere
Reihe von Flaschenpostresultaten in einer synoptischen Karte. 1843 erschien die
Flaschenpostkarte von A. B. Belcher, die 1852 ergänzt und neu aufgelegt
wurde. In diese Zeit ungefähr greift die Thätigkeit Maury’s ein.
M. J. Maury, Chef des nordamerikanischen Observatoriums und des
hydrographischen Amtes zu Washington, verfolgte während der Jahre 1840 bis
{850 den Plan, alle zuverlässigen meteorologischen Beobachtungen, welche von
amerikanischen Seefahrern gemacht worden waren, zu sammeln und diese An-
gaben auf Karten und in einem grofsen Werke niederzulegen; ferner wollte er
die Schiffsrouten prüfen und die kürzesten derselben bekannt machen. Bald
bemerkte er aber, dafs das vorhandene Material viel zu gering war; es standen
ihm nur Tagebücher von Kriegsschiffen zur Verfügung; er forderte daher auf, die
Schiffsjournale der Handelsmarine so gut wie die der Kriegsmarine zu bearbeiten
and künftig häufiger und regelmäfsiger Beobachtungen auf See anzustellen und
deren Resultate nach einem einheitlichen Schema zu verzeichnen. Um den
Schiffen diese Aufgabe zu erleichtern, erwirkte er die Zustimmung seiner Re-
1) Vgl. auch Dr. F. J. F. Meyen: Reise um die Erde auf dem Königl. Preufs. See-
handlungsschiffe „Prinzefs Louise“, Kapt. Wendt i. d. J. 1830, 31 u. 32. — Die handschriftlichen
Journale der Schiffe „Prinzefs Louise“ 1830—32, „Elisabeth Louise“ 1848—49 und „Danzig“
1849-— 592 befinden sich in der Bibliothek der Seewarte.