Gelcich: Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweisungen; 9295
selbst für den Verkehr mit Chili und Peru war die Verbindung über die Land-
enge von Panama vorzuziehen. Durch die Fahrt Drake’s gelangte die Magellan-
Strafse gewissermafsen für den Augenblick wieder zur Bedeutung (1577-1579),
nicht aber die Route über dieselbe, da sie ein für alle Mal für Segelschiffe un-
geeignet ist.
Von Wichtigkeit für die oceanischen Schiffahrtsrouten war erst die Entdeckung
Lemaire’s (1615—17) und die spätere Hendrick Brouwer’s, welcher die In-
sularität des Staatenlandes erkannte, womit die Möglichkeit geboten worden war,
frei von allen Gefahren das Kap Horn zu umsegeln. In der Folge segelten die
Seefahrer abwechselnd entweder durch die eine oder durch die andere jener
Meeresstrafsen, bis durch Anson’s Weltumsegelung die Passage um das Kap
Horn wieder in Verruf gerieth. Anson hatte durch vierzig Tage mit den be-
rüchtigten Weststürmen des Kaps zu kämpfen, während gleichzeitig die Kap
Horn-Strömung jeden Versuch, gegen Westen vorzudringen, scheitern machte,
Der Schiffskapitän Anson’s, Richard Waltern, schilderte die Straße yon
Le Maire als besonders gefahrvoll und rieth für die Umschiffung des Kaps an,
Staatenland im Westen zu lassen und mit unverändertem Südkurse bis 61—62°
Südbreite zu segeln, um sodann gegen Westen zu steuern, und zwar ziemlich
lange, ehe man daran dächte, gegen Norden zu wenden. Begründet wird diese
Route durch den Nachweis der Existenz .der Kap Horn - Strömung und durch
die Erfahrung, dafs in höheren Breiten das Wetter ruhiger und günstige Winde
beständiger sind. .
Erst Cook brach wieder das Vorurtheil gegen die Kap Horn-Route,
Sicher und ohne widrige Zwischenfälle fuhr er um das Kap. . „Zufrieden also“ —
sagen die Herausgeber seiner dritten Reise — „gezeigt zu haben, wie leer die
Furcht vor jenen antarktischen Wogen und jenen mehr als kimmerischen Finster-
nissen sei, die Anson’s Historiograph so sehr in’s Schwarze malt, hielt er von
dem Punkte, wo er den 60. Grad der Breite durchschnitt, einen Lauf, der gerade-
wegs nach O-Taheiti führte.“
Alle Weltumsegler vor Cook, so Byron, Wallis, Carteret und
Bougainville, pflegten, wenn sie die Magellan-Strafse passirt hatten, sich dicht
an der Küste zu halten, darauf an der Insel Juan Fernandez vorbei das friedliche
Meer zwischen den Wendekreisen zu durchschiffen und endlich durch die Insel-
gruppe Indiens nach Hause zu kommen. Wohl war dies eine . sehr bequeme
Route, allein durch die stete Befolgung derselben blieben die physikalischen
Verhältnisse des Oceans unbekannt. Auch im nördlichen Theil des Stillen
Oceans kam man mit den Schiffahrtsregeln nicht weiter, wenn man einige kleine
unbedeutende Aenderungen ausnimmt, welche wir in der „Noticia de la Cali-
fornia“ (1757) an der Manila-Route vorfanden und in unserer Karte verzeich-
neten, Dafs diese Route noch bedeutend abgekürzt werden, könnte, erkannten
Anson’s Gefährten, deren Vorschrift lautete, NO bis in 40 oder 45° N-Br zu
segeln. Ueber den Verlauf der Fahrt der spanischen Manila-Gallione berichtet
Anson’s Historiograph, dafs dieselbe oft über 6 Wochen brauchte, um die Breite
von 30° zu erreichen. Dieselbe Quelle erzählt ferner, dafs ein französisches
Schiff im Jahre 1721 auf der Reise von China nach Mexiko den Grofsen Ocean
in 50 Tagen traversirte; wir vermuthen, es handle sich um das Schiff St. Antoine
de Padoue, dessen Route wir in der Karte zur „Noticia de la California“ ein-
getragen fanden.
Die Frage über den günstigsten Punkt für den Durchschnitt des Aequators
im Stillen Ocean wurde erst durch die Pelzhändler in Anregung gebracht,
die nach der dritten Cook’schen Entdeckungsreise einen regen Verkehr mit den
Nordwest-Küsten Amerikas einleiteten. Ohne den Ursprung der Regel feststellen
zu können, entnehmen wir der Reisebeschreibung Portlock’s und Dixon’s
(1785—1787), dafs die nach Nordwestamerika vom Kap Horn kommenden Schiffe
den Aequator in 116° W-Lg passirten, wodurch die Reisedauer beträchtliche Ver-
zögerungen erlitt. Deshalb stellte schon Dixon die Regel auf, dafs es für alle
nach Nordwestamerika bestimmten Schiffe am besten wäre, nach Umschiffung des
Kap Horn gerade auf die Marquesas loszusteuern. Er meinte nämlich, dort könnten
sie Erfrischungen bekommen und zugleich so gut nach Westen hinfahren, dafs
er alle Ursache zu glauben hätte, sie würden bei dem Verfolg ihrer Reise den
ungesunden Himmelsstrichen entgehen. Gegenüber der jetzigen Route vom Kap