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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, August 1893, 
Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweisungen. 
Von EUGEN GELCICH. 
(Schlufs.) 
Die Routen nach China sind die letzten, die einen hohen Entwickelungs- 
grad nahmen. Noch zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts nahm man nur 
Rücksicht auf die Passage durch die Sunda-Strafßse, obwohl gewiegte Seeleute 
schon andere Wege experimentirt hatten. In dem Anhange zur Forster’schen 
Ausgabe der „Geschichte der Reisen an der Nordwest- und Nordostküste von 
Amerika“ findet man eine im Jahre 1789 von Meares verfafßste Instruktion über 
die Schiffahrt in der China-See. Es heißt in derselben, dafs Schiffe, welche 
„Java head“ nicht vor dem 10, Oktober erreichen, immer besser thun, sich zur 
Fahrt nach Osten zu entschliefsen. Diese bestand darin, dafs man die Passage 
durch die Strafsen Bali oder Allas wählte und von da weiter durch die Stralse 
von Makassar. Für den weiteren Verlauf der Reise sind sogar mehrere Routen 
anempfohlen, Man kann nämlich ostwärts von Magindanao segeln, eine mit 
grofsen Schwierigkeiten verbundene Passage, oder besser über Samboanghan. 
Auf ersterem Wege darf man nicht eher umlegen, als bis man Neu-Guinea pas- 
sirt. Wählt man die Fahrt auf der Westseite von Magindanao, so hat man keine 
Gefahr zu befürchten, um in den Kanal von Bassilan zu kommen. Von Sam- 
boanghan soll man sich so nahe als möglich an das Ufer von Magindanao halten, 
wo man Landwinde vorfindet. In der Folge führt die Route über die Insel 
Panay bis zur Westspitze von Mindoro. Dann richtet man den Lauf nach der 
Küste von Luzon. Sollte man Samboanghan zur Zeit der gröfsten Stärke des 
Nordostmonsuns erreichen, so soll ınan auf letzterem Ankerplatz verweilen. Nach 
dem Oktober ist die Ueberfahrt von der Küste Luzon’s nach China immer ge- 
sichert. Endlich erwähnt Meares noch die Fahrt durch das Stille Meer, in dem 
man nach Durchsegelung der Makassarstraße den Weg nach Osten in den genannten 
Ocean zurücklegt, hierauf nach Norden und schliefslich nach Westen umlegt, um 
die China-See nördlich von Luzon zu erreichen; die Wendung nach Norden soll 
150” O0. v. G., die nach Westen erst dann erfolgen, wenn ınan sich frei von 
allen jenen Inselgruppen fühlt, welche zwischen Magindanao und Neu-Guinea 
liegen. Es ist wunderbar, zu sehen, wie englische Seeleute gerade diese schwie- 
rigsten Routen nach wenigen Fahrten in der China-See so ausführlich kennen 
iernten, und es darf doch befremden, wenn die Spanier, die mit ihren Kolonien 
auf den Philippinen lebhaften Verkehr unterhielten, von allen diesen schönen 
Sachen nichts wußten. Wir finden Besseres, als die Regeln von Meares sind, 
nirgends, selbst nicht in Mannevillettes’ berühmtem Routier, welcher gar nichts 
Neues enthält. Das Einzige, was uns im letzteren Werke beachtenswerth schien, 
war die große Ausführlichkeit über die Vertheilung der Winde, sodann die That- 
sache, dafs die Fahrten von der Koromandel-Küste nach dem Golfe von Bengalen 
auch für die ersten und letzten Wochen des Gegenmonsuns, unter Benutzung 
der zu jenen Zeiten vorherrschenden veränderlichen Winde angegeben sind; 
schließlich eine etwas genauere Angabe der Route vom Kap der guten Hoffnung 
nach der Sunda-Strafßse. Auf der Letzteren soll man im Parallel von 37° S-Br 
70 Grad in der Länge zurücklegen und hierauf nach und nach gegen Nordost 
wenden, um den Wendekreis des Krebses 83° östlich vom Kap zu schneiden; 
von diesem Punkt an führt ein nordnordöstlicher Kurs gegen die Sunda-Strafse. 
Die physische Geographie des Grofsen Oceans war zu jeder Zeit weniger 
bekannt; dementsprechend entwickelten sich auch die Schiffahrtsregeln für jene 
riesige Wasserfläche bedeutend später. Zwar versprachen sich die Spanier von 
der Entdeckung der Magellan-Straßse ungeheuer viel, allein die traurigen auf 
jenem Wege gemachten Erfahrungen, die vielen erlittenen Schiffbrüche, brachten 
bittere Enttäuschungen mit sich. Die Fahrt bis zu den Molukken über die Meer- 
enge stellte sich als äußerst lang und voll Beschwerden jeder Art heraus, und
	        
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