Konkurrenz-Prüfung von Marine-Chronometern im Winter 1892—93, 293.
abschnitte und T die Differenz der höchsten und niedrigsten überhaupt während
der Prüfung vorgekommenen Temperatur, so ist B.=B'— TA wobei auf eine
etwaige Verschiedenheit in den Vorzeichen von A und B‘ keine Rücksicht ge-
nommen wird.
C oder die mittlere tägliche Acceleration erhält man, indem man die
Gangdifferenzen von je zwei zur Mitte der Untersuchungszeit symmetrisch ge-
legenen Dekaden gleicher Temperatur bildet, dieselben durch die Anzahl der
zwischen der Mitte beider Zeitabschnitte liegenden Tage dividirt und aus den so
erhaltenen Zahlen das Mittel nimmt. Zur Erreichung einer gröfßseren Genauig-
keit von C sind hier nur die aus den zwei äufseren Paaren von Zeitabschnitten
abgeleiteten Werthe benutzt worden. — In den einzelnen Klassen werden die
Chronometer nach der Summe A -+ 2B -+ C geordnet, d. h. dasjenige Chronometer,
bei welchem diese Summe den geringsten Werth erreicht, nimmt den der Güte
nach ersten Rang ein.
Bei genauer Durchsicht der Gangtabelle zeigt sich gegenüber den Resul-
taten der beiden letzten Prüfungen, insbesondere der vierzehnten Prüfung, ein
kleiner Rückschritt in den Gesammtleistungen der Fabrikanten. Während bei
der vierzehnten Prüfung nicht weniger als 6 Chronometer in die erste Klasse
eingereiht wurden und das Prädikat „vorzüglich“ erhalten konnten, gehören
dieses Mal nur 3 Chronometer der ersten Klasse an. Dagegen ist die zweite
Klasse ziemlich stark, mit 11 Chronometern, vertreten, denen allen das Prädikat
„sehr gut“ gebührt. Augenscheinlich sind einige dieser Instrumente noch mit
den Einflüssen der Acceleration behaftet, so die Chronometer Ehrlich 601 und
Bröcking 1215 und 1209, welche voraussichtlich, sobald diese‘ nachgelassen
hat, noch bessere Resultate liefern werden, als dieses bei der Konkurrenz-
Prüfung der Fall gewesen ist. Der Umstand, dafs das Chronometer A. Mager
No. 90, dessen Leistungen sonst durchaus befriedigend wären, keiner der vier
Klassen eingereiht werden konnte, ist ebenfalls auf den ungewöhnlich hohen
Betrag der Acceleration, mit dem es noch bebaftet war, zurückzuführen.
Unmittelbar nach Schlufs der Prüfung wurden die Chronometer durch
eine Kommission in Hamburg-Altona etablirter Chronometer-Fabrikanten, im Bei-
sein der Beamten des Instituts, einer Untersuchung auf ihren gegenwärtigen Zu-
stand unterzogen. Diese Untersuchung sollte insbesondere feststellen, ob die
auch im neuen Institutsgebäude angewendete Herstellung der höheren Tempe-
raturen durch kleine Gasbrenner irgend welchen nachtheiligen Einflufs auf die
Instrumente, namentlich auf die Spiralen und Balancen, ausgeübt habe und Letztere
Ansatzstellen von Rost zeigten. Die Sachverständigen sprachen ihre Ansicht
dahin aus, dafs an sämmtlichen Chronometern, bis auf eines, keinerlei Oxydations-
flecken zu bemerken seien, und dafs die Rostspuren, die dieses eine Chrono-
meter zeige, wahrscheinlich auf eine bei der Zusammensetzung des Werkes
begangene Unvorsichtigkeit zurückzuführen seien.
Die ausgesetzten Prämien wurden zuerkannt:
Chronometer W. Bröcking No. 1179 die erste Prämie von 700 Mk,
Chronometer W. Bröcking No. 973 die zweite Prämie von 600 Mk.
Chronometer W,G. Ehrlich No. 614 die dritte Prämie von 500 Mk.
Die übrigen in dem Ausschreiben der Direktion der Seewafte in Aussicht
gestellten Prämien konnten nicht zur Vertheilung gelangen, weil die Bedingung
der Zugehörigkeit zur Klasse 1 von keinem der übrigen Instrumente erfüllt war.
Hamburg, den 10. Juni 1893.
Prof. Georg Rümker,
Direktor der Sternwarte, als Vorstand
der Abtheilung IV der Seewarte.,