288 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1893,
sionsgebiet nach SW und West gegen den hohen Druck ausbreitete, frischten jene
abkühlenden Winde auf, und wehten, wie schon am 17, vereinzelt, am 18. bis 20.
von Rügen ostwärts an exponirten Stationen stürmische Winde aus NW bis West
son der Stärke 8. Am 22. lag ein Theilminimum über Südschweden, während
ein tiefes Minimum, an Intensität zunehmend, von Irland nach der Nordsee
schritt, wo es bis zum Abend des 24. mit einer Tiefe unter 745 mm liegen blieb
und längere Zeit nahe den ganzen Erdtheil beherrschte; in seinem Gefolge traten
stürmische Winde nur mehrfach an der westlichen Ostsee von der Stärke 8 auf.
Am 25. wanderte dieses Minimum nach Norden, und bereits am 26. wurde die
Küste seiner Einwirkung entzogen. Während dieser Zeit fielen vom 19. bis 22.
vereinzelt geringfügige, vom 23. bis 25. fast an der ganzen Küste, sowie am 26,
an den mittleren Küstentheilen ergiebigere Niederschläge, in Norderney am 24.
sehr ergiebiger Niederschlag (36 mm); Gewitter traten auf in der Nacht vom
19. zum 20. zumal an der Ostsee, sowie am 24. bis 26., besonders aus-
gebreitet am 24.
Am 26. erschien ein neues tiefes Minimum unter 745 mm, nordostwärts
wandernd, im Westen Grofsbritanniens, dessen Depressionsgebief am 27. nach
der südlichen Nordsee ausbuchtete und bis zum 29, zunächst bald die West-
hälfte, dann den Nordwesten des Erdtheils umfafste. Am 27. und 28. herrschte
an der östlichen Ostsee heiteres Wetter, an den übrigen Küstentheilen
regnerische Witterung, wie am 29. an der ganzen Küste. Sehr ergiebige
Niederschläge fielen am 28. in Swinemünde (21 mm), Greifswalder Oie (33),
Thiessow (21), Wittower Posthaus (21) und Travemünde (22), am 29. in Pillau
(24) und Swinemünde (21). Am 28. dehnten sich Gewitter über die ganze Küste,
mit Ausnahme der östlichsten Theile, am 29. von Rügen bis Hela aus, wie auch
in Wismar und Glückstadt Gewitter beobachtet wurden.
Indem jenes Minimum im Nordwesten in Verbindung mit dem über dem
Osten des Kontinents lagernden hohen Druck am 28, südwestliche bis südöstliche
Winde bedingte, trat an diesem Tage meist eine erhebliche Erwärmung ein,
welche die höchsten Temperaturen dieses Monats herbeiführte, worauf wieder ein
Sinken der Temperatur eintrat, als aın Monatsschluß die Entwickelung hohen
Drucks über den Westen des Kontinents westliche oceanische Luft herbeiführte;
die am 28. und 29. über der Normale liegenden Morgentemperaturen sanken
am 30. wieder meist unter ihre vieljährigen Mittelwerthe.
In den Monatsmitteln lag der Luftdruck im Westen über, im Osten unter
den Normalwerthen, während die Temperatur nahe den normalen Werthen ent-
sprach. Niederschlag und registrirte Windgeschwindigkeit waren durchweg zu
gering, die Bewölkung im Westen nahe normal, im Osten geringer als die viel-
Jährigen Werthe.
Von den Windrichtungen herrschten an der Nordsee die Richtungen aus
West bis Nord, an der westlichen Ostsee die Richtungen aus West und NE, von
Swinemünde bis Neufahrwasser die Richtungen aus Nord bis NE vor, während
a, Memel neben den Richtungen aus NW bis NE auch SW relativ häufig
auftrat.
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