Reise von Kapstadt bis Kamerun,
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einer sehr leichten Landbriese oder Stille Platz machte. Vom 9. zum 10. April
wehte der Seewind ohne Unterbrechung, theilweise mit Stärke 7 bis 8. Das
Wetter war während der ganzen Zeit diesig bei klarem Himmel.
Es wurde unter Führung eines dort lebenden portugiesischen Fischers mit
dem Dampfkutter die Westseite abgefahren. Die Grenze des flachen Wassers
(1 bis 2m) zieht sich nicht an der ganzen Küste in einem Abstande von 1a Sm
entlang, sondern tritt in den Buchten, an denen die Fischer-Ansiedelungen liegen,
bedeutend zurück. Es wurde sogar bei der südlichsten Ansiedelung noch 10 m
von Land eine Tiefe von 12m gefunden. Ueberall, wo gelothet wurde, waren
wenige Meter von der sich deutlich markirenden Grenze des flachen Wassers
noch über 10 m vorhanden.
Am 13. April 2* p wurde dieser Ort wieder verlassen und am nächsten
Tage 11*a im Hafen von Mossamedes geankert. ;
Auf der Noronha-Spitze im Hafen von Mossamedes befindet sich kein Feuer,
ist auch nicht beabsichtigt.
Am 18. April 7° 45” a wurde von Mossamedes nach Loanda in See
gegangen und am 20. April 4"p daselbst geankert, .
Der Kreuzer verließ Loanda am 25. April 5* 45" a und traf am 29. April
5° p vor Kamerun ein.
Die Barre von Kamerun hat sich zum Guten geändert; die tiefste Stelle
liegt südlich der früheren Passagestelle. Die augenblickliche Rinne hat an der
schlechtesten Stelle 4 m Wasser bei Niedrigwasser; beim Passiren während Hoch-
wassers wurde nicht unter 6m gelothet.
Von Tientsin nach Tshifu—Tshimulpo—Shanghai.
Aus dem Reisebericht S. M. Knbt. „Iltis“, Kommandant Kapt.-Lieut. Graf BAUDISSIN.
1. Von Tshifu nach Tshimulpo. S. M. Knbt. „Iltis“ setzte am
9. März 5* 32”p die Reise von Tshifu nach Tshimulpo fort. Am 11. März 6*a
erreichte es die Mündung des Seoul-Flusses. Das Navigiren flußsaufwärts durch
den Flying Fish Channel geschah nach den Anweisungen, welche in den
„Annalen der Hydrographie“ von 1886, Seite 208 gegeben sind, ohne jede
Schwierigkeit, Diese Segelanweisung ist gut und ausreichend für Schiffe aller
Gröfsen, welche auf die Rhede von Tshimulpo gelangen wollen. An einigen
Stellen im Fluß wurden bei gestoppter Maschine Lothungen vorgenommen; die-
selben ließen auf die Richtigkeit der in der Britischen Admiralitäts-Karte
No. 1258 angegebenen Tiefen schliefsen. Um 2" 55” p ankerte das Kanonen-
boot auf Tshimulpo-Rhede südöstlich von Roze-Insel.
2. Stromverhältnisse auf Tshimulpo-Rhede. Während des Auf-
enthaltes auf der Rhede wurde festgestellt, dafs der Ebbestrom durchschnittlich
51% Stunden und der Fluthstrom 7 Stunden lief. Der Unterschied zwischen Hoch-
und Niedrigwasser betrug vier Tage vor Neumond im Durchschnitt 3,7 m und
erreichte einen Tag nach Neumond (19. März) einen höchsten Unterschied
von 10,3 m. Der Ebbestrom hatte zur Zeit des Neumondes eine Stärke von
3,4 Sm und der Fluthstrom eine solche von 2,05 Sm erreicht. Zur Zeit des
niedrigsten. Wasserstandes (etwa von zwei Tage vor bis zwei Tage nach Neumond)
war das Landen mit Schiffsbooten bei der Stadt nicht möglich.
3. Von Tshimulpo nach Shanghai. Am 30. März um 8 11”a ver-
ließ S. M, Knbt. „Iltis‘“ flußsabwärts steuernd die Rhede von Tshimulpo und
zwar durch den East Channel. Die Navigirung durch diesen ist einfacher und
erfordert dort weniger Kursänderungen als durch den Flying Fish Channel und
wurde nach der vorhandenen Karte ohne Schwierigkeit ausgeführt. — Nachdem
Clifford-Insel passirt war, wurde Kurs auf die Insel Mackau abgesetzt.
Am 21. März um 8° 55" a ankerte das Kanonenboot dortselbst im
St. Johns-Hafen, Derselbe wurde, soweit es die Umstände gestatteten, ausgelothet.