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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1893,
von Land entfernte. Ebenso änderte sich das Wetter wieder ungünstig, als am
nächsten Tage Land angesteuert wurde. Aus diesem Grunde wurde auch die
zweite Nacht abgelegen.
Am 8. hatte sich das Weiter wesentlich gebessert; es wurde Apia an-
gesteuert und um 8 Uhr morgens daselbst geankert. Hier hatten während der
Abwesenheit des Kreuzers nordwestliche Böen von aufßerordentlicher Stärke bei
hohem Barometerstande geweht, so dafs die im Hafen liegenden Segelschiffe sich
in grofser Gefahr befunden hatten. Ein Schoner der deutschen Firma wurde auf
das Riff gesetzt und nur durch rechtzeitiges Schlippen der Ketten vor gänzlichem
Untergange — Untersegeln unter das Riff — bewahrt.
Die Eingangs erwähnte Annahme einer südlich von Upolu entstandenen
atmosphärischen Störung wurde durch den Bericht des von Auckland mit 24stün-
diger Verspätung angekommenen Postdampfers „Alameda“ bestätigt, welcher süd-
lich von Tonga einen schweren Orkan angetroffen hatte. Die Stärke des Sturmes
läfst sich danach bemessen, dafs der grofse Dampfer drei schwere Seen übernahm,
welche bedeutende Havarien an Bord anrichteten. Unter Anderem wurde die
Kommandobrücke eingeschlagen und das Kartenhaus weggeschwemmt. Der wacht-
habende Offizier wurde von der hohen Brücke auf das Achterdeck geschleudert,
wobei ihm beide Beine zerschmettert wurden. Kin auf dem Vordeck liegender
schwerer Anker wurde von der See bis auf däs Achterdeck geschwemmt.
Nach den in Apia und an Bord angestellten Wetterbeobachtungen kann
das Minimum, welches südlich von Upolu lag, nur eine ganz langsam fortschrei-
tende Bewegung gehabt haben; denn in Apia blieb die ganze Zeit über bei
häufig umspringenden Böen der Charakter des Wetters und die durchschnittliche
Richtung des Windes unverändert. An Bord wurde beim Abliegen von Land und
beim Anliegen an denselben Stellen derselbe Wind wieder angetroffen,
Die schlechte Jahreszeit war somit hereingebrochen, und da das Wetter
in Apia immer noch häfslich aussah, beschlofs ich, bis zum Eintreffen der Post
nach Pango-Pango zu gehen, und verliefs noch am Abend desselben Tages die
Rhede von Apia. Am nächsten Morgen um 8% wurde in Pango-Pango geankert.
Im Hafen befand sich der englische Kreuzer „Ringarooma“.
Während des Aufenthaltes hierselbst regnete es in den ersten Tagen un-
unterbrochen, auch wehten häufig heftige Böen von den hohen Bergen bis zur
Windstärke 4—6. Am 15. 12* mittags trieb der Kreuzer bei einer solchen plötz-
lich einsetzenden Böe in ONO-Richtung 1'/2 Kabellängen. Es gelang erst dicht
am Riff, das Schiff zum Stehen zu bringen. Der Kreuzer war im inneren Hafen
auf 39 m Wassertiefe mit 125 m Kette St.-B.-Anker verankert gewesen. Da das
Wetter bedrohlich aussah, wurde sofort unter zwei Kesseln Feuer angezündet und
das Dampfaufmachen im St.-B.-Kessel forcirt. Nachdem die Stromanker aus-
gefahren, wurde mit dem Zurückwarpen nach dem alten Ankerplatze begonnen,
wobei „Ringarooma“ in bereitwilligster Weise einen zweiten Stromanker nebst
Stahlreep zur Benutzung überliefs, da unsere Trosse nicht die ausreichende Länge
besaß, Leider wurde der englische Warpanker durch den Grund gezogen und,
da bei einer einsetzenden Böe das Schiff von Neuem trieb, wurde ich gezwungen,
mit B.-B.-Buganker zu ankern. Um 5* 15” abends hatte der Kreuzer Dampf auf,
und es wurde nach dem alten Ankerplatz zurückgedampft.
Am 20, abends verliefs ich Pango-Pango und traf am nächsten Morgen in
Apia ein, um Kohlen und Proviant aufzufüllen und die Post abzuwarten.
Auf der Mittelwache am 28. d. Mis. setzte eine heftige Regenböe mit
Stärke 7 ein, die mich veranlafste, die Maschinen zum sofortigen Gebrauch klar
machen zu lassen. Der auf der Aufsenrhede liegende amerikanische Kreuzer
„Alliance“ trieb in dieser Böe; da das Schiff nicht zum Stehen kam und seine
Steuerbordseite das Riff berührte, wurden beide Anker geschlippt, und dampfte
die „Alliance“ seewärts.
Ich bot der „Alliance“ durch einen Offizier sofortige Hülfe an. Dieselbe
blieb während des Tages vor der Einfahrt beigedreht liegen und liefs durch die
Taucher der American Wrecking Company nach ihren Ankern suchen. Als bis
zum Nachmittage vergeblich getaucht war, ging „Alliance“ nach Pango-Pango in
See. Nachdem die Taucher ihre Arbeit noch an den beiden folgenden Tagen