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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Gelcich: Beiträge zur Geschichte der oceanischen Segelanweilsungen, 955 
Wahrscheinlich war dabei beabsichtigt, den nordafrikanischen Küstenstrom mög- 
lichst auszunützen. Vom Parallel des Kaps Guardafui, welcher 5'/2° östlich davon 
geschnitten wird, setzt sich der Nordostkurs noch bis 18%4° N-Br fort, und endlich 
biegt er gegen 0zS und OSO nach Goa. Der rückführende Kurs stimmt bis 
zum Breitenparallel des Kaps Guardafui ganz mit der Route gegen Goa hin über- 
ein und führt dann, näher an der Küste gelegen, nach Mozambique, Die so- 
genannte äufsere Route vom Kap nach Indien zieht über Bourbon und Mauritius, 
dann entweder östlich oder westlich der Saya de Malha-Bank zur Linie, die in 
70° O-Lg v. Gr. geschnitten wird. 
Ein direkter Weg vom Kap nach Hinterindien und den Sunda-Inseln ist 
nicht verzeichnet, wohl aber die Rückfahrt von Malakka nach dem Kap. Letztere 
führt durch die Malakka-Strafse gegen Norden, dann von Kap Atshin gegen SW, 
durchkreuzt den Aequator in 106!/,° O-Lg v. Gr., führt zwischen den Inseln Ada 
und Gama und endlich über Mauritius und Bourbon zum Kap. 
Interessant ist die Route von Cochin nach Canton. Dieselbe geht südlich 
von Ceylon, dann gegen OSO und OzS etwa 350 Sm, hiegt hierauf gegen SO, 
durchschneidet den Gleicher in 90° O-Lg v. Gr. und fährt so fort bis ungefähr 
zum Meridian der Princes-Inseln an der südlichen Ausmündung der Sunda-Strakße, 
der in ca 8'/2° S-Br passirt wird. Nun läuft der Kurs parallel zur Südküste 
Javas und biegt im Meridian der Insel Bali gegen Norden. Der Rest der Reise 
führt gerade aus gegen Norden, und zwar zwischen Lombok und Sumbawa, 
östlich der Insel Borneo, dann im Süden von Palawan in die China-See. 
Im Grofsen Ocean kommt die gewöhnliche Manila-Route vor, die auf der 
Hinfahrt nichts Neues enthält. Als Ankunfts- oder Abfahrtspunkt wird die Ost- 
küste Luzons angesehen. 
Sonderbarerweise enthält die Karte keine einzige Angabe über die Route 
von Europa nach den atlantischen Küsten der Vereinigten Staaten, dagegen die 
alte südliche Fahrlinie von Nantes über die Kanarien nach Westindien und dem 
Karaibischen Meere. Die Einfahrt in das Karaibische Meer erfolgt zwischen 
Martinique und Guadeloupe. 
Die Rückfahrt aus dem Golf von Mexico und der westlichsten Ecke des 
Karaibischen Golfes soll nach Du Val, wie man aus unserer Karte ersieht, über 
den Florida-Kanal erfolgen. War jedoch der Abfahrtspunkt im Osten des 
Magdalenen-Flusses gelegen, so lag der Ausgang nach ältester Manier zwischen 
Cuba und Haiti. Beide Wege vereinigten sich in 33 bis 35° N-Br und gingen 
dann gegen Osten. Aber auch von diesem Vereinigungspunkt führen zwei 
Striche in die Heimath; der eine überflügelt die Azoren im Norden und erreicht 
die Breite von 42 oder 43°, der andere passirt im Süden dieser Inselgruppe, 
offenbar je nach der Jahreszeit, in der gesegelt werden soll. 
Für die Uebersicht der Routen und für das geschichtliche Studium der- 
selben ist die Karte Du Val’s sehr angenehm, doch müssen wir bemerken, dafs 
die weiter oben angegebenen Längen durch Schätzung bestimmt und nicht von 
der Karte selbst abgelesen wurden, indem diese Längen aus begreiflichen Gründen 
falsch. notirt erscheinen. So z. B. liegt nach Du Val das Kap Comorin in 
100° O-Lg v. Gr., also viel zu weit nach Osten. Canton liegt in 140°, somit 
um ca 27° zu stark nach Osten, u. s. w. Dementsprechend ist auch der Indische 
Ocean am Aequator um ca 18 Längengrade zu breit gehalten. 
Von dem Erscheinen des Werkes von Linschoten bis zur Herausgabe 
von Pimentel’s „Arte de Navegar“ verging mehr als ein Jahrhundert (1595 
his 1712), und Letzteres giebt uns somit Gelegenheit, die Fortschritte in der 
oceanischen Schiffahrtskunde binnen einer ziemlich geraumen Zeit zu prüfen. 
Blättert man nun den Roteiro Pimentel’s durch, so fällt es gleich auf, dafs 
ein guter Theil desselben einfach aus der Hydrographie von Figueiredo ab- 
geschrieben wurde; die Routen gegen den Monsun hält Pimentel noch für un- 
ausführbar; denn bei der Beschreibung der Route nach Goa, aufserhalb Madagaskar, 
welche dieser Autor für den Fall anräth, dafs man zum Kap im Monat August — 
also zu einer bereits vorgerückten Zeit — gelangen sollte, nimmt er die Möglich- 
keit in Aussicht, im nördlichen Theil des Indischen Oceans von Gegenwinden 
überrascht zu werden. Und für diesen Fall wird der nach Mozambique einzu-
	        
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