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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juli 1893. 
3. Die sogenannte östliche Route von Europa nach Südamerika war den 
Fachleuten ’so zu sagen in Fleisch und Blut übergegangen. Von einer westlichen 
Route findet man noch keine Erwähnung. 
4. Die Monsunrouten sind gewissermafsen noch als unbekannt anzusehen. 
Wie unerfahren man nach dieser Richtung war, beweist u. A. ein von 
Antonio Moreno im Jahre 1619 abgegebenes Gutachten über die Fahrt von 
Spanien nach Manila. Da nämlich die Jahreszeit zu vorgerückt war, um die 
Umsegelung Südamerikas noch zu wagen — man fürchtete den Winter der 
südlichen Hemisphäre — so schlug Moreno vor, eine segelfertige, nach Manila 
bestimmte Flotte über das Kap der guten Hoffnung dahin zu schicken. Die 
naheliegende Idee, seewärts des Kaps zu passiren und sodann direkt gegen die 
Sunda-Inseln zu steuern, liegt ihm aber fern; dafür räth er den zwecklosen 
Umweg über den Mozambique-Kanal an. 
5. Obwohl die Schiffahrt nach Malakka, den Sunda-Inseln und Ostasien schon 
nicht unbedeutend war, so kannte man eine direkte Ueberfahrt vom Kap der 
guten Hoffnung nach den Sunda-Inseln nicht. Diese Route wurde erst durch die 
Holländer eingeschlagen, welche im 17. Jahrhundert infolge des Verbotes der 
portugiesischen Regierung, die afrikanische Küste zu berühren, die nördlichen 
Theile des Indischen Oceans vermieden; ihre Schiffe waren grofs und stark 
genug geworden, und so versuchten sie, vom Kap aus lange gegen Osten zu 
segeln. Der Versuch gelang, und in der Folge behielten sie diesen Kurs bis 
zum Meridian von Batavia, worauf erst die Wendung gegen Nord erfolgte. 
Charakteristisch war auch die Fahrt Tasman’s im Jahre 1642. Tasman 
hatte den Auftrag, von Batavia aus die unbekannte Küste von Australien, wenn 
möglich, vom Westen gegen Süden zu umsegeln und an der Ostküste desselben 
nach Batavia zurückzukehren. In der KEinsicht, dafs ihm der Südostpassat für 
den Beginn der Reise hinderlich sein würde, steuerte Tasman zuerst nach 
Mauritius und nahm von da an einen südöstlichen und später einen ganz Ööst- 
lichen Kurs. Nachdem er Australien umsegelt hatte, begab er sich nach Neu- 
seeland und sodann über den Fidji-Archipel nach Batavia. Dadurch war auch 
der Grund zu jener Route gelegt, die viel später lange Zeit als die einzig 
mögliche für Fahrten vom Kap der guten Hoffnung nach der China-See für die 
Zeit vorgeschrieben wurde, wann der Nordostmonsun in der China-See seine volle 
Stärke hat. 
Besonders beschrieben in nautischen Büchern finden wir die holländische 
Route nach den Sunda-Inseln erst in Pimentels „Arte de Navegar“ (1712). Um 
von Portugal nach Timor zu segeln, schreibt dieser Autor vor, sich vom Meridian 
des Kaps der guten Hoffnung an zwischen 36° und 42° S-Br zu halten, und in 
jener Zone 1100 bis 1200 Leguas gegen Osten zurückzulegen. Hierauf soll man 
den Kurs so richten, daß man Australien zwischen 21° und 22° S-Br sichtet, und 
schliefslich gegen Timor steuern. Der Geograph Du Val dagegen kennt diese 
Route noch nicht. Es wird sich überhaupt lohnen, dafs wir die von Letzterem 
1686 herausgegebene Karte der Navigation und des Handels einer Prüfung 
würdigen. 
Die Routen Du Vals sind mit geringen Abweichungen nach Linschoten 
entworfen. Auf der Fahrt nach Ostindien fällt es jedoch auf, dafs die Linie in 
221° W-Lg v. Gr. geschnitten wird. In der Folge weicht Du Val von Lin- 
schoten insofern ab, als er auf der Weiterfahrt nach dem Kap der guten 
Hoffnung die. amerikanische Küste nicht aufsucht; der Kurs vom Aequator bis 
zum Wendekreis des Steinbockes ist, soweit es die’Winde gestatten, südlich, und 
beim Wendekreis wendet er gegen SO, um wieder über Tristan d’Acunha zum 
Kap zu führen. Nach dem La Plata bestimmte Schifte setzen vom Aequator an 
ihren Südkurs bis in ungefähr 5° S-Br fort und neigen dann gegen Westen, um 
die Küste in 11° S-Br zu erreichen. 
Die Rückfahrt vom Kap der guten Hoffnung führt auf dem gewöhnlichen 
Wege zum gleichen Schnittpunkt des Aequators, dann im Westen der Kapverden 
und Azoren und folglich nördlich von denselben nach Lissabon oder Cadiz. 
Nach letzterem Hafen gerichtete Fahrzeuge dürfen jedoch, wenn sie 40° N-Br 
erreichen, auch zwischen den Azoren passiren und so an Weg sparen. 
Die ostindische Route innerhalb Madagaskar führt parallel zur Küste 
Afrikas und auf wenig Entfernung von derselben bis zur Breite des Kaps Guardafui.
	        
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