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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

248 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1893. 
kleineren Schwankungen und von Memel, wo die Temperatur vom 7. bis 12. 
stark anstieg und am 13. bis 16. schnell sank. Am 13. überschritten die Morgen- 
temperaturen die normalen Werthe und lagen, mit Ausnahme des Ostens bis 
zum 18., am 15. und 18. durchweg über der Normalen. 
Nach mehrfachen Aenderungen der Druckvertheilung gehörte Central- 
europa am Morgen des 18. einer breiten Furche niederen Druckes an, welche 
mit einem tiefen Minimum im Westen von England in Verbindung stand und die 
über dem Ostseegebiete und Italien lagernden Hochdruckgebiete trennte. Mehrere 
flache Minima bedingten trübe regnerische Witterung und somit Sinken der 
Temperatur. Am 17. bis 20. hatte die Nordseeküste, am 18. auch die westliche 
Ostsee vielfach Gewitter. Sehr ergiebiger Niederschlag fiel am 20. in Geeste- 
münde (28 mm). 
Als das Maximum im Norden seinen Kern ostwärts verlagerte und dabei 
nach Süd an Ausdehnung gewann, trat mit nach Südost drehenden Winden viel- 
fach heiteres, vorwiegend trockenes Wetter und Erwärmung ein; nur die west- 
liche Nordsee hatte noch am 21. bis 23. mehrfach Gewitter. Die Morgen- 
temperaturen stiegen bis zum 24. (Osten 25.), wo die Normale wieder durchweg 
überschritten wurde. 
Ein im Laufe des 24. Mai von Süddeutschland nach der Odermündung 
vordringendes flaches Minimum hatte vielfach Niederschläge, an der Ostsee aus- 
yedehnte Gewitter zur Folge, wie auch an der Elbmündung Gewitter eintraten. 
Sehr ergiebige Niederschläge erfolgten in Wittower Forsthaus (26 mm) und in 
Warnemünde (36 mm). 
Vom 25. bis Ende des Monats zeigte die Wetterlage wenig Aenderung, 
Bei hohem Druck im Westen mit einer Ausbuchtung nach Centraleuropa hin und 
niedrigem Druck im Norden oder Nordosten lagen Theilminima über Südschweden, 
welche in Wechselwirkung mit jenem Hochdruckgebiet für die Küste vielfach 
starke nordwestliche, im Osten westliche bis südwestliche Winde bedingten. Unter 
ihrer Herrschaft sanken die Morgentemperaturen am 25. schnell, dann langsam 
und lagen am 26. bis 28. mit wenigen Ausnahmen, am 29. bis 31. durchweg 
unter der Normalen. Die regnerische Witterung hielt bis Ende des Monats an, 
Gewitter wurden vereinzelt, am 26. in Neufahrwasser und Borkum, am 27. in 
Borkum und am 29. in Kiel beobachtet. 
Nebel trat im Mai über größeren Gebietstheilen der Küste am 20. an der 
Elbmündung, am 23, an der Nordsee, am 24. an der Ostsee und am 25. an der 
östlichen Ostseeküste auf, 
Nachtfrost wurde nur in Memel mit —0,5° am 4. beobachtet; die höchste 
Temperatur trat in Rügenwaldermünde mit 28,0° am 24. ein. ; 
Von den Windrichtungen herrschten die aus Nord—NE meist vor, an der 
Nordsee neben relativ häufigen Nordwestwinden. Memel zeichnete sich durch 
Häufigkeit der Südostwinde aus. 
in den Monatswerthen lag der Luftdruck durchweg, die Temperatur meist 
über den normalen Werthen, während die Niederschläge die vieljährigen Beträge 
nicht erreichten. Die mittleren registrirten Windgeschwindigkeiten blieben an 
der Nordsee und westlichen Ostsee meist unter der Normale, überschritten diese 
jedoch an der östlichen Ostsee, 
Gedruckt und in Vertrieb bei E. S. Mittler & Sohn 
Königliche Hofbuchhandlung und Hofbuchdruckerei 
Berlin, Kochstrafse 68—70.
	        
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