242 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1893.
and einige Raketen in die Büsche hineinfliegen. Dieses hatte dann auch den
gewünschten Erfolg, indem die Atjinesen uns nicht weiter belästigten. Am
folgenden Morgen versuchten wir gegen einen frischen östlichen Wind auf-
zukreuzen, jedoch vergeblich, ich mufste mich schliefslich, obwohl nur noch 6 Sm
von unserem Bestimmungsorte entfernt, dazu bequemen, abzuhalten und um Pulo
Brasse herumzugehen. Bei dem frischen östlichen Winde gelangten wir um
$ Uhr abends in Sicht des Feuers dieser Insel. In der folgenden Nacht war es
windstill, worauf um 6 Uhr am Morgen des 19. November ein westlicher Wind
durchkam, der uns am Nachmittage nach der Rhede von Oleleh brachte, Hier
erfuhr ich, dafs das Passiren der Cedar-Passage mit vielen Gefahren für ein
Segelschiff verknüpft ist, unter denen als die gröfste die hohe See hervorgehoben
wird, die nach dem Aufkommen eines steifen, der Strömung entgegengerichteten
westlichen Windes entsteht. Ein während der Nacht vor Anker liegendes Schiff
wird unter der Einwirkung von Wind und Strömung dwars zu der See geworfen,
welche mitunter eine solche Höhe und Kraft erlangt, dafs sie über das Schiff
hinwegbricht und grofsen Schaden an Deck anrichtet. Der Hafenmeister von
Oleleh und die Kommandanten der Kriegsschiffe warnen daher auch die Kapitäne
der nach hier kommenden Segelschiffe vor der Benutzung der Cedar-Passage.
Der einzige empfehlenswerthe Weg ist durch die Bengal-Passage, doch mufßs man
bei einer Fahrt durch diese darauf achten, dafs man sich nicht allzuweit von
Pulo Brasse entfernt, sondern auf Ankergrund bleibt. Uebrigens erstreckt sich
das flache Wasser viel weiter von dieser Insel ab, als es nach der britischen
Admiralitätskarte der Fall zu sein scheint. Diese Karte muls auch aufserdem als
ınbrauchbar bezeichnet werden, denn nach den neuesten holländischen Karten
23aben Pulo Brasse und die übrigen Inseln eine ganz andere Gestalt, als ihnen
in der ersten Karte beigelegt wird. In allen hiesigen Passagen ist man stets
der Gefahr eines Ueberfalls seitens der kriegerischen Atjinesen ausgesetzt.
Diese haben überall, wo es ihnen zweckmälfsig erschien, Forts errichtet und vor
einiger Zeit aus einem solchen bei Kap Atji den vorbeipassirenden holländischen
Postdampfer beschossen, Auf Pulo Tuan, in unmittelbarer Nähe von Oleleh,
wehte eines guten Tages während unserer Anwesenheit am letztgenannten Orte
als ein Zeichen der Wiedereroberung die atjinesische Flagge; es herrscht hier
eben ein ununterbrochener Krieg.
Bis Mitte Dezember waren in Oleleh steife westliche und nordwestliche
Winde vorherrschend, die vorzugsweise in der Nacht als äufserst heftige Böen
auftraten. Später wehte ein von schönem Wetter begleiteter Nordostwind, der
jedoch einige Tage vor unserer Abreise am 31, Dezember wieder durch westlichen
Wind abgelöst wurde.
Der Tagelohn eines Kuli beträgt 2'/2 fl., frisches Fleisch kostet 1 f. das
Kilogramm, Trinkwasser 5 fl. das Fafs und Ballast 3 sh. 6 d. die Tonne, frei ins
Schiff, Letzterer besteht aus schönem Seesand und wird bei guter Witterung
ziemlich schnell in das Schiff gebracht.
Im Ganzen gebrauchten wir ungefähr fünf Wochen, um 2130 Tonnen
Kohlen zu löschen und Ballast wieder einzunehmen.
Anzuerkennen habe ich die Liebenswürdigkeit, mit der mir Behörden wie
Privatpersonen in Oleleh entgegengekommen sind. !)
1) Man vgl. hierzu: Dr. Gerhard Schott, Ein Besuch in Atjeh auf Sumatra, in der Zeit-
schrift „Globus“, 1893, Bd. LXIII, No. 18. Herr Schott hat Oleleh und das durch eine Eisenbahn
jamit verbundene Kota Radjah besucht und giebt interessante Mittheilungen über die Lage des in
jeständigem Kriegszustand befindlichen Landes. Die Errichtung einer grofsen Kohlenstation auf der
Insel Wai soll geplant sein; diese würde für den Dampferverkehr nach Ostasien sehr wichtig werden
können, besonders im Falle die Kohle der Ombilien-Gruben (vgl. diese Annalen 1892, S. 389) sich
als geeignet für Schiffszwecke erweist, D. Red.