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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Dinklage: Rasche Reisen deutscher Segler, 
9233 
Die „Favorita“ benöthigte zu der Strecke bis Kap Horn die ziemlich 
lange Zeit von 24 Tagen, da sie erst an der Südgrenze des Passatgebietes 
mehrere Tage durch Windstille aufgehalten und ferner durch einen schweren Süd- 
weststurm zum Beiliegen gezwungen wurde. Oestlich vom Kap ging die Reise 
zunächst ganz gut von statten; am 10. November, in 42° S-Br und 42° W-Lg, 
kam die Bark bei Sturm aus SE zeitweilig sogar auf eine Geschwindigkeit von 
13 Knoten, und schon am 12. Tage der Fahrt ab Kap Horn erreichte sie 32° S-Br 
in 36° W-Lg. Leider trat aber weiterhin eine arge Verzögerung durch lange 
Zeit anhaltende Winde aus Nord bis NE ein, die das Schiff, das vorher nicht 
viel Ost hatte gewinnen können, zu kreuzen nöthigten. Auf der kurzen Strecke 
von 21° nach 17° S-Br wurden nicht weniger als sechs Tage zugebracht, und 
noch in 12° S-Br mufte vor der Küste von Brasilien gewendet werden. Der 
hier raumer holende Passat brachte die Bark endlich nach 35tägiger Reise ab 
Kap Horn auf der Route westlich von Fernando Noronha nach der Linie. War 
die Fahrzeit auf der ersten und zweiten Strecke ziemlich lang gewesen, so wurde 
dagegen die letzte aufserordentlich rasch zurückgelegt. Von ihrer westlichen 
Stellung auf der Linie hatte „Favorita‘“ den Vortheil, dafs sie von dem Gebiet 
des Südostpassates ohne Weiteres in das des frisch wehenden Nordostpassates 
gelangte. Letzterer ging zwar schon in ungefähr 20° N-Br zu Ende, aber es 
folgten sofort durch Drehung nach SE und SW neue günstige Winde, die bei 
ziemlich niedrigem und wenig schwankendem Luftdruck mehrmals zum Sturme 
anwachsend, die Bark ganz bis zum Kanal begleiteten. Da in dem raumen Passat 
nur wenig Westlänge mehr mit angeholt worden war, nahm Kapt. Thomann den 
nahezu kürzesten Weg, der ihn östlich von der ganzen Azoren-Gruppe führte. 
Auf dem nördlichen Kurse, den er auf dieser Route einzuhalten hatte, wurde er 
freilich zweimal, als der Wind zu weit nach NW ging und zu hart wehte, für 
einige Zeit am Segeln behindert; dagegen konnte er den Wind aus ESE, der in 
45° N-Br einsetzte, auch wieder zum Vollen ausnutzen. Am 29. Dezember, nach 
nur 22 tägiger Fahrt vom Aequator, gelangte „Favorita‘“ in die Nähe von Lizard. 
Es ist die allerkürzeste Reise von der Linie nach dem Kanal, welche in den 
Journalen der Seewarte vorkommt. Die Dauer der ganzen Reise ab Taltal war 
81 Tage. 
Die Bark „Meridian“, Kapt. Edler, hatte wieder eine sehr gute Reise 
vom Hafen nach Kap Horn, während‘ im Südatlantischen und im Nordatlantischen 
Ocean nur wenig bessere als Durchschnitts-Fahrzeiten erzielt wurden. Die erste 
Strecke legte das Schiff mit frischer Briese aus Süd und SE, die in 365° S-Br 
und 92° W-Lg durch NE nach NW holte und später mit schwankenden, immer 
gut segelbaren westlichen Winden in gleichmälsiger, fast ununterbrochener Fahrt 
in 19 Tagen zurück. Im Südatlantischen Ocean entstand ein längerer Aufenthalt 
wieder an der Südgrenze des Passatgebietes, wo zwischen 27° und 23° S-Br mit 
Windstille und. Kreuzen gegen nördlichen Wind sechs Tage verbracht wurden. 
Im Uebrigen verlief die Fahrt bis zur Linie, welche 31 Tage in Anspruch nahm, 
ziemlich günstig. Nördlich der Linie hatte die Bark das Mifsgeschick, dafs sie 
nicht, wie nach der Jahreszeit — Januar — und der westlichen Position zu er- 
warten war, einen direkten Uebergang vom Südost- zum Nordostpassat fand, 
sondern längeren Aufenthalt durch Mallung und Stille hatte, so dafs die 5° Breite 
von 0° bis 5° N-Br sieben Tage in Anspruch nahmen. Eine weitere Verzögerung 
von mehreren Wachen durch Windstille fand aufserhalb des Passatgebietes in 
33° N-Br und noch wieder in 37° N-Br statt. Sonst war die Gelegenheit auch 
auf dieser Strecke, wenn schon das Schiff sehr grofse Etmale nicht guimachen 
konnte, durchweg günstig. Am 9. Februar, dem 32. Tage der Reise von der 
Linie und dem 82. ab Antofagasta, passirte „Meridian“ Lizard und gelangte vier 
Tage später in den Hamburger Hafen. 
So rasch die aufgeführten Reisen von der Westküste zurück auch sind, 
so bleibt die der Elsflether Bark „Deutschland“, Kapt. R. G. Meyer, von 
74 Tagen von Cerro Azul, Peru, nach dem St. Georgs-Kanal und von 76 Tagen 
nach Liverpool, welche dies Schiff im Jahre 1880 ausführte, doch bis jetzt noch 
anübertroffen. 
Ann, a. Hydr. ete.. 1893, Heft VL
	        
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