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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

232 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1893. 
11 Knoten ablief. Am 31. August, nach 75tägiger Reise von Iquique, kam 
„Placilla“ in den Kanal. 
Kapt. Hilgendorf schreibt: „Trotz des flauen Nordostpassates und der 
späteren flauen Winde konnte die Strecke Linie—Lizard noch in 26 Tagen zurück- 
gelegt werden. Freilich war die Gelegenheit von den Azoren her sehr günstig, 
und diese Strecke wird wohl selten von einem Segelschiff in vier Tagen zurück- 
gelegt. Die eisernen Schiffe sind auf der Herreise gewöhnlich nicht bodenrein; 
dies war auch mit „Placilla“ der Fall, denn bei flauem Winde konnten wir die 
angetroffenen mitsegelnden Schiffe nicht einmal alle halten, Der Anfang der 
Reise ab Iquique war sehr langsam durch die Stillen und flauen Winde; auch 
in den vierziger Graden des Stillen Oceans trafen wir es nur schlecht. Von 
50° S-Br und 84° W-Lg an ist es jedoch recht gut gegangen; wenn auch ziemlich 
viele leichte Winde angetroffen wurden, so waren sie doch fast immer günstig.“ 
Eine noch um zwei Tage raschere Reise machte die „Selene“, Kapt. 
F. H. Israel. Die Bark verließ Antofagasta in Chile am 17. September 1892 
und erhielt den südlichen, später südöstlich holenden Wind der Küstengewässer 
gleich als steife Briese, mit der sie in sehr rascher Fahrt nach SW segelte. 
Schon nach zweitägiger Reise passirte sie in Sicht der Inseln St. Felix und 
St. Ambrose — 550 Sm von Antofagasta — und gelangte schon am sechsten 
Tage in 34,5° S-Br und 89° W-Lg an die Südgrenze des Passatgebietes. Nach 
drei Tagen mit umlaufenden Winden, die zuletzt in Stille endigten, kam am 
26. September in 40° S-Br und 91° W-Lg westlicher Wind durch, der, steif bis 
stürmisch wehend, das Schiff auch wieder rasch vorwärts brachte. „Selene“ kam 
dabei für mehrere Wachen auf eine Fahrt von 13 Knoten. Leider war sie zwei- 
mal, als der Wind für den einzuhaltenden Kurs zu schral südlich wurde und zu 
schwer wehte, zum Beiliegen gezwungen, wodurch beinahe 48 Stunden verloren 
gingen. Bei dem ersten, unerwartet mit orkanartiger Böe hereinbrechenden Süd- 
weststurm verlor die Bark außerdem noch beide Bram- und Obermarssegel, Grofs- 
Untermarssegel und Klüver. Trotzdem legte sie den Weg bis Kap Horn in der 
aufsergewöhnlich kurzen Zeit von 17 Tagen zurück. Weniger günstig traf es 
„Selene“ im Südatlantischen Ocean. In den ersten acht Tagen ging es auch hier 
noch ziemlich gut; dann wurde in 45° S-Br und 40° W-Lg der Wind aber so 
schral nördlich, dafs nur wenig gewonnen werden konnte, zumal die Bark auf 
ihrem östlicheren Kurse in das im vorigen Jahre so massenhaft auftretende 
Treibeis gerieth und dadurch zum Wenden genöthigt wurde. In den vier Tagen 
vom 13. bis 17. Oktober machte sie nur 4° Breite gut. Ein weiterer Aufenthalt 
entstand durch nördliche, sehr flaue Winde zwischen 24° und 20° S-Br, welche 
vier Breitengrade dem Schiffe fünf Tage kosteten. Immerhin gelangte es, da der 
folgende Südostpassat ziemlich frisch war, doch noch mit einer mittelguten Reise 
von 31 Tagen ab Kap Horn nach der Tinie. Auf der letzten Strecke machte 
„Selene“ wieder eine ausgezeichnete Fahrt, wobei sie zwar nur selten zur Ent- 
wickelung aufsergewöhnlich grofser Geschwindigkeit kam, aber auch nie für 
längere Zeit die günstige Gelegenheit zur Förderung ihrer Reise verlor. Nach 
nur kurzem Aufenthalt durch Mallung erhielt die Bark in 7° N-Br den Nordost- 
passat, der sie ganz bis 35° N-Br und 40° W-Lg führte. Hier holte der Wind 
nicht, wie gewöhnlich der Fall, durch Ost nach Süd, sondern hoch nördlich. Da 
der Luftdruck, welcher anfänglich ziemlich hoch war, auf östlichem Kurse ab- 
nahm, so stand zu vermuthen, dafs östlich vom Schiffsorte sich eine barometrische 
Depression befand, welche, nach der Jahreszeit zu rechnen, ihre Lage wahr- 
scheinlich nur wenig veränderte, und ließ Kapt. Israel deshalb ganz richtig 
sein Schiff ruhig nach Osten gehen und nicht nach Nordwesten, wie es im Sommer 
jedenfalls rathsamer gewesen wäre. Er hatte denn auch den Erfolg, dafs der 
Wind sich alsbald nach NW und West und dann, stürmisch werdend, beim 
niedrigsten Barometerstand nach SW drehte, ein Beweis, dals das Schiff die öst- 
liche Hälfte der Depression erfafst hatte. Mit ununterbrochen günstigem Südwest 
weiter segelnd, gelangte „Selene“ in der Nacht vom 29. zum 30. November in 
den Kanal. Dauer der Reise ab Linie 25, ab Antofagasta 73 Tage. 
Als nächst rasche Reisen sind hier noch aufzuführen die der Hamburger 
eisernen Barken „Favorita“, Kapt. F. Thomann und „Meridian“, Kapt. C. A.H. 
Edler, beides Schiffes von reichlich 1400 R. T. Größe, von denen das erstere 
seine Reise am 9. Oktober 1892 von Taltal, das zweite am 19. November von 
Antofagyasta mit einer vollen Salpeterladuug antrat.
	        
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