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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Dinklage: Rasche Reisen deutscher Segler. 
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von der Festland-Küste nach Nordost und Nord, womit sie die niederen Breiten so 
weit östlich anzusegeln suchen, dafs sie mit dem anfänglich oft schral aus NE 
wehenden Passat frei von der Küste Brasiliens passiren können. Die gewöhnlich 
eingehaltene Route führt in Sicht der Insel Trinidad oder etwas östlich davon 
und in ungefähr 30° W-Lg über die Linie. Der gröfste Theil dieses Weges kann 
mit günstigem Winde zurückgelegt werden, denn wenn derselbe auch einmal aus 
NW zu schral wird, so ist Platz genug vorhanden, nach Osten abzuhalten. Was 
hier trotzdem die Reise oft sehr verlängert, sind die anhaltenden Nordwinde 
zwischen 30° und 20° S-Br, die nicht selten auch noch zur Stille abflauen; in 
yewissen Monaten ist es auch ein zu schwach entwickelter oder ganz fehlender 
Passat, worunter die Schiffe besonders bei einer zu grofsen Annäherung an die 
Küste Brasiliens zu leiden haben. 
Auf der letzten Wegestrecke durch den Nordatlantischen Ocean führt der 
Kurs zunächst bei dem Winde durch das Nordostpassat-Gebiet nach Nordwest und 
dann an der West- und Nordseite der Azoren entlang nach Nord, Nordost und Ost 
nach dem Kanal. Hier entsteht die Verzögerung der-Fahrt, wie schon früher 
bemerkt wurde, vornehmlich durch anhaltende Windstillen an der Nordgrenze 
des Passatgebietes, oder auch, besonders auf dem allerletzten Theile des Weges, 
durch erneutes Auftreten östlicher Winde. Eine rasche Reise von der Westküste 
nach Europa hat zur Voraussetzung, dafs sie von diesen ungünstigen Umständen 
verschont bleibt. 
Unter den Mitarbeitern der Seewarte, die in letzter Zeit durch ungewöhnlich 
schnelle Rückreisen von Chile sich auszeichneten, stehen in erster Linie wieder 
Kapt. Hilgendorf von der „Placilla“ und Kapt. Israel von der „Selene“. 
Die „Placilla“, welche, nach Hamburg bestimmt, am 17. Juni 1892 von 
Iquique in See ging, begann ihre Fahrt unter wenig günstigen Umständen. Der 
Südostpassat war äußerst flau, endete schon sehr früh, und auf ihn folgten mehrere 
Tage mit gänzlicher Windstille. Am neunten Tage seiner Reise stand das Schiff 
erst 600 Sm von seinem Bestimmungsorte entfernt. Später war der Wind längere 
Zeit aus hoch südlicher Richtung, womit auch nicht viel anzufangen war; denn 
da es vorher nicht gelungen war, genügend Westlänge anzuholen, mufste jetzt 
immer dicht am Winde gehalten und für zwei Tage bei ganz schralem Winde 
noch wieder auf B. B.-Halsen nach Westen gesegelt werden. „Placilla“ benöthigte 
infolge dessen zu der Strecke bis Kap Horn die ziemlich lange Zeit von 25 Tagen. 
Um so besser verlief die Reise auf der zweiten Strecke. Das Schiff legte die- 
selbe mit fortwährend günstigem Winde zurück, und wenn es auch infolge un- 
genügender Windstärke nur für fünf Tage zwischen 53° und 39° S-Br: auf eine 
etwas gröfsere Durchschnittsgeschwindigkeit von 9,5 Knoten kam, so hatte es bis 
22° S-Br doch auch nur zwei Etmale, in denen es etwas weniger als 160 Sm 
gutmachte. Ziemlich langsam ging es zwischen 22° und 14° S-Br; doch traf es 
„Placilla“ auch in diesen Breiten noch insofern glücklich, als sie dieselben 
nicht gegen die gewöhnlichen hartnäckigen Nordwinde zu durchkreuzen brauchte, 
sondern mit günstiger Südostbriese durchsegeln konnte. Am 5. August, nach 
nur 24tägiger Fahrt von Kap Horn, wurde in 27° W-Lg die Linie überschritten. 
Die frischere Briese, die in 14° S-Br eingesetzt hatte, begleitete das Schiff bis 
5° N-Br und dann, sich durch Süd nach SW drehend, noch weiter bis 13° N-Br. 
Hier begann wieder eine ziemlich langsame Fahrt: erst Mallung, mit der das 
Schiff in drei Tagen nur um 4° Breite weiter kam, dann bis 32° N-Br ein nur 
mäfsiger Nordostpassat und schliefslich die Windstillen und leichten, wenn auch 
meistens günstigen Briesen der Rofsbreiten. In den acht Tagen vom 19. bis 
zum 27. August legte „Placilla“ westlich von den Azoren in gerader Linie nur 
760 Sm zurück. „Das ist ein langweiliges Segeln“, bemerkt Kapt. Hilgendorf 
unter dem 21. „Da das Maximum des Luftdruckes sich östlich von uns befinden 
muß“ — der Wind war südlich, flau und der Barometerstand hoch — „und 
wahrscheinlich weiter im Norden mehr Wind ist, so wollte ich gern nördlicher 
steuern; wir haben dann aber den Wind platt von hinten und die Dünung dwars, 
und so geht das Schiff gar nicht durchs Wasser, nur schlingert es um so mehr.“ 
Am 27. August in 43,5° N-Br und 31° W-Lg setzte endlich der Wind, bei 
fallendem Barometer von SW auf West holend, mit solcher Stärke ein, wie sie 
der grofse Viermaster gebrauchen konnte, der dann die letzten 1160 Sm bis 
Lizard in vier Tagen und acht Stunden mit einer Durehschnittsfahrt von über
	        
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