298
Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1893,
Die Grenze der Möglichkeit ist aber damit für die Schiffe und Schiffsführer der
Jetztzeit wohl noch nicht gegeben. Wie Kapt. Hilgendorf selber bemerkt, traf
er die Gelegenheit, ausgenommen auf der Strecke vom Kanal nach der Linie,
keineswegs besonders günstig, und es liegen auch verschiedene Berichte vor,
aus denen hervorgeht, dafs die übrigen Strecken, besonders die von der Linie
nach 50° S-Br, unter vortheilhafteren Umständen in erheblich kürzerer Zeit zurück-
gelegt werden können. Rechnet man die kürzesten Fahrten, welche auf den
einzelnen Wegesabschnitten von Mitarbeitern der Seewarte schon gemacht worden
sind, zusammen, so ergiebt sich die Dauer der möglich kürzesten Reise vom
Kanal nach Valparaiso wie folgt:
Von Lizard nach der Linie 15,5 Tage
der Linie nach 50° S-Br 205
50° S-Br im Atlantischen nach 50° S-Br im Stillen Ocean 90
50° S-Br im Stillen Ocean nach Valparaiso 50
zusammen von Lizard nach Valparaiso 50,0 Tage.
Es gehört natürlich das Zusammentreffen einer Reihe sehr günstiger Umstände
dazu, damit ein solches Resultat erzielt werden kann, und zunächst dürfte noch
wohl die Leistung von Kapt. Hilgendorf für längere Zeit unübertroffen bleiben.
Wir können uns nicht das Vergnügen versagen, hier noch eine kurze Uebersicht
über die letzten sechs Reisen dieses Kapitäns zu geben, um zu zeigen, mit
welcher regelmäfsigen Schnelligkeit derselbe in den letzten Jahren seine Fahrten
nach der Westküste Südamerikas mit den verschiedenen Schiffen und in den ver-
schiedensten Jahreszeiten ausgeführt hat. Die Reisen waren:
Bark „Pirat“, 1888 Februar 17 bei Lizard, April 25 in Valparaiso, Reisedauer 68 Tage
» „Pergamon“, 1889 Januar 12 „ » März 18 » 65
Schiff „Palmyra“, 1889 Oktober 27 » Dezember 29 „ % ” 63
» 1890 Juli 21 „ September 24 „ » % 65
» » 1891 Mai To 2» Juli 2, » - 65
Viermaster „Placilla“, 1892 März 2 » April 29 # ” 58
Mittlere Dauer dieser sechs Reisen 64 Tage.1)
Auch seine letzte, im November 1892 angetretene Reise nach Valparaiso,
von der das Journal noch nicht eingegangen ist, machte Kapt. Hilgendorf,
Zeitungsberichten zufolge, in nur 67 Tagen von der Elbe.
Ungefähr vier Wochen nach „Placilla“ traten fast gleichzeitig die beiden
Vollschiffe „Urania“, Kapt. A. Walsen und „Pampa“, Kapt. C. Steincke, ihre
Reise nach der Westküste an. Die „Urania“, von Cardiff nach Callao bestimmt,
verliefs am 27, März 1892 ihren Ankerplatz bei Lundy Island, während „Pampa“
auf der Reise von Hamburg nach Valparaiso drei Tage später, am 30, März,
Lizard passirte. Beide Schiffe begannen ihre Fahrt mit östlichem Winde und
hatten auch auf dem ganzen Wege bis zur Linie eine günstige Gelegenheit; nur
vom 3. bis zum 9. April entstand durch flaue südwestliche Briese einiger Auf-
enthalt. Mit dem am 10. April einsetzenden Passat nahmen beide Schiffe, ob-
schon sie vorher ziemlich weit nach Osten gedrängt worden waren, die Route
westlich der Kap Verden. Der Vorsprung von 380 Sm, den „Uraria“ anfänglich
hatte, glich sich auf dieser Fahrt, weil das 1720 R. T. grofse Stahlschiff „Pampa“
schneller segelte, als sein 630 R. T, kleinerer und 13 Jahre älterer eiserner Mit-
segler, mehr und mehr aus, und am 18. April, als der Nordostpassat sein Ende
erreichte, standen die Schiffe zwischen 3° und 2° N-Br nahezu in derselben
Breite. Auf der kurzen Strecke von hier bis zur Linie gelang es „Urania“
jedoch, den vorher durch ihre geringere Geschwindigkeit entstandenen Verlust
mehr als wieder einzubringen. Kapt. Walsen hatte, streng den Segelanweisungen
der Seewarte folgend, von den Kap Verden aus zwischen 26° und 27° W-Lg
Jirekt nach Süden steuern lassen, während Kapt. Steincke von der „Pampa“
wieder Ost angeholt hatte und an der Grenze des Nordostpassates in 24° W-Lg
stand. Dies hatte zur Folge, dafs „Urania“ ohne Weiteres vom Nordost- in den
Südostpassat kam und schon am 20. April über die Linie ging, „Pampa‘“ da-
gegen noch einen viertägigen Aufenthalt durch Windstille und Mallung erlitt.
i} 19 Tage weniger als das Mittel aller in den Jahren 1888 bis 1892 ausgeführten.