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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Dinklage: Rasche Reisen deutscher Segler, 
295 
Fahrt rund Kap Horn, die dem Herkommen gemäfs von 50° S-Br auf der einen, 
nach 50° S-Br auf der anderen Seite des Kap Horn gerechnet wird und auf dem 
gewöhnlich eingehaltenen Wege eine Länge von ungefähr 1250 Sm hat, nahm 
die ebenfalls nur kurze Zeit von 13 Tagen in Anspruch. Die Bark ging durch 
die Straße Le Maire, segelte dann mit Nordwest- und Westwinden vollweg nach 
SW und Süd bis 58° S-Br und 69° W-Lg und von dort mit veränderlichen, meist 
leichten Winden, die von tiefem Barometerstand begleitet waren, westwärts nach 
57° S-Br und 76° W-Lg. Hier setzte ein strammer Südwestwind ein, der die 
Bark wieder nordwärts brachte; doch folgte in 53° S-Br nochmals wieder Gegen- 
wind aus NNW. Kapt. Kessal steuerte mit demselhen, um rascher eine Wind- 
änderung herbeizuführen, mit guter Fahrt nach Westen bis 84° W-Lg, wo das 
stürmisch gewordene Wetter und das schnell wieder tief gefallene Barometer 
das nahe bevorstehende Umlaufen des Windes anzeigten, und konnte nun, nach- 
dem der Wind umgesprungen war, vollweg nach niederen Breiten halten. Die 
frische Briese aus West und später SW ging schon in 36° S-Br in den Passat über, 
so dafs „Parnass“ ganz mit günstiger Gelegenheit, die nur zuletzt etwas zu 
schwach war, an ihren Bestimmungsort gelangte. Am 23. Januar 1892, nach 
nur 16tägiger Fahrt von 50° S-Br, ankerte „Parnass“ in Callao. Reisedauer ab 
Lizard 78, ab Hamburg 82 Tage. | 
Die nächstfolgende Reise der „Placilla“ nach Valparaiso ist eine so aufser- 
ordentlich rasche, wie sie in den Annalen der Segelschiffahrt wohl noch nie 
berichtet. worden ist, und es erscheint deshalb angezeigt, zur genaueren Beschreibung 
derselben das von dem Kapt. R. Hilgendorf selbst geführte Journal hier aus- 
zugsweise wiederzugeben. Das Schiff, für die Firma F. Laeisz in Hamburg auf 
der Werft des Herrn F. Tecklenborg in Geestemünde aus Stahl erbaut, ist 
als viermastige Bark getakelt und mit seinen 2780 R. T. Raumgehalt das zweit- 
größte Schiff der deutschen Seglerflotte. Es machte mit dieser seine erste Reise 
und trat dieselbe ab Geestemünde am 26. Februar 1892 an. 
Schiff „Placilla‘“, Kapt. R. Hilgendorf, von Geestemünde nach Valparaiso. 
Datum 
1892 
März 
Mittagsort 
W 
Gutgemachte 
N-Br.| W-Lg} 
Kurse 
+ 
5 
Wind 
nn 
> 
1499 12'| 7° 207 
45° 35'/12° 28‘ S 44° W |302) NE 5—E 8 
42° 29'/16° 251 S 43° W 253| ENE 7—5 
40° 20’/20° 061 S 52° W {2111 SE 4—8 unc 
S 4—5 
35° a2'|20° „| S 3° W 299 NW 7—10 
Oo 
ß 
30° 05.1200 46 
S 8309W (3188 WNW 10—7 
26° 39:22° 05“ 
23° 32//24° O0’. 
19° 46'/26° 16‘ 
15° 10‘/27° 14 
11° 18‘/26° 45° 
8° 03‘126° 35° 
4° 41'/25° 35“ 
3° 025° 59% 
1° 53[27° 28° 
S 19° W 
5 25° W 
S 29° W 
311° W 
* 7°O 
3°0 
17° O 
3 2°W 
552° W 
218| NW 6—N 4 
206| NNZ 4—5 
259] NEZE 5—6 
282| NEzZE 6—5 
234|NE 5 u. ENE 
1951 NE 4 
>11' ENE 5—3 
107 südöstl. 1—5 
36 SE u. S 1-— 
a 
X 
16 
Bemerkungen 
Passirte Lizard zwischen 4h und 5% a, 5 Tage von Geestemünde., 
Zunehmender, böiger Wind mit Regen; ziemlich ruhige See. 
Abnehmend und unbeständig. Trocken Wetter; sehr ruhige See, 
Südlich holend und zunehmend; seit 6lp dick von Regen. 
Barometer fallend, frühmorgens flau und unbeständig, später 
wieder frischer. 
Um 3hp Wind umlaufend nach NW und schnell zum Sturm 
zunehmend mit schweren Böen und Regen. Mufsten mehr- 
mals abhalten, weil die Segel aus den Lieken flogen. 
Stürmisch mit heftigen Regenböen, später abnehmend; hohe 
See, zeitweilig 141/2 Knoten Fahrt. 
Erst böig mit Staubregen, später schönes Wetter. 
Schönes Wetter. Hohe Dünung von NNW. 
Frische veränderliche Passatbriese, Luft diesig. 
Steif bis frisch. Luft sehr diesig. 
Gegen Ende leicht. Sehr diesig. 
Briese gegen Ende zunehmend. Diesige Luft, 
Nachts etwas Regen. Blitzen in SW. Dünung aus SSO. 
Mallung. Gewitterböen mit heftigem Regen. 
Flau und unbeständig, Regenschauer. 
4) Die Angaben in dieser und den beiden folgenden Spalten beziehen sich auf das dem 
nebenstehenden Mittage vorhergehende Etmal. Die Distanzen sind nicht die geloggten Wege, sondern 
die berechneten Entfernungen von einem Mittagsort zum anderen. 
Ann, d, Hydr, etec., 1893, Heft VI.
	        
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