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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

van Bebber: Rückblick auf das Wetter in Deutschland im Jahre 1892, 15 
peratur überall beträchtlich herabging, Zahllose Zeitungsartikel berichteten über 
Hitzschläge, Feuersbrünste, Wassernoth u. dgl.'). 
Der Sommer war im Allgemeinen regenarm, nur der Juni zeigte meistens 
reichliche Niederschläge. Erwähnenswerth sind die heftigen Regengüsse, welche 
am 13. und 14. Juli niedergingen; so meldeten Köslin und Berlin mehr als 
60 mm Regen, die an letzterem Orte in 1’%4 Stunden fielen und eine Ueber- 
schwemmung verursachten, welche von mannigfachen Schäden begleitet war. 
Besonders hervorzuheben ist ein orkanartiger Südweststurm, welcher 
am 24. und 25. Juni unsere Küste heimsuchte, als ein Sturmcentrum, vom Kanal 
kommend, ostnordostwärts über die Dänischen Inseln hinaus nach Finnland fort- 
schritt. Ein so heftiger Sturm ‚ist in dieser Jahreszeit an unserer Kürste seit 
langer Zeit nicht vorgekommen, Der Sturm brach um Mitternacht vom 23, auf 
den 24, in der Nordsee aus und endete für unsere Küste in Memel in der Nacht 
vom 25. zum 26. In der Nordsee wehte er aus West bis Nordwest, in der 
Ostsee zum Theil aus Südwest bis Nordwest, vielfach die Gewalt eines Orkans 
erreichend und sehr beträchtlichen Schaden zu Wasser und zu Lande ver- 
ursachend. Diesem Johannissturm folgte um Peter und Paul (am 29.) ein ähn- 
licher schwächerer nach. 
Im Herbst war die mittlere Luftdruckvertheilung der Regel entsprechend, 
nämlich niedriger Druck im Nordwesten und hoher im Süden- des Erdtheiles. 
Im September, vielfach auch im Oktober, waren westliche Winde vorwaltend, 
dagegen kamen im November die östlichen Winde zu entschiedener Geltung. 
Eingeleitet wurde der Herbst durch einen milden, ziemlich freundlichen 
Septembermonat. Die warme Witterung erhielt sich mit vielen Schwankungen bis 
Mitte Oktober, dann trat empfindlich kühles Wetter ein, wobei die ersten Schnee- 
fälle und die ersten Fröste stattfanden. Der November war im Allgemeinen 
kalt und rauh. . 
Ziemlich regenreich waren im Ganzen der September und Oktober, da- 
gegen der November aufserordentlich trocken, aber trübe. Starke Niederschläge 
fielen hauptsächlich am 11. und 21. September sowie am 9. Oktober. 
Unter den Stürmen erwähnen wir nur den, welcher vom 29, November 
bis zum 1. Dezember die Nord- und Ostsee heimsuchte, als ein sehr tiefes 
Minimum über Nordeuropa ostwärts fortschritt. Die häufigen Sturmböen waren 
an unserer Küste vielfach. von Gewittern, Graupel- und Hagelfall begleitet. 
Der Schlufsmonat des Jahres 1892, Dezember, war ein unruhiger, trüber 
und nafskalter Monat. Tiefe und intensive Depressionen zogen in fast ununter- 
brochenen Reihen über Nordeuropa weg, vielfach mit stürmischer Luftbewegung 
im Gefolge, wobei reichliche Niederschlagsmengen niedergingen. Bemerkens- 
werth sind die starken Schneefälle und die Verkehrsstockungen verursachenden 
Schneeverwehungen, welche am 8. in den östlichen Gebietstheilen auftraten, als 
ein Sturmwirbel von der Adria nordwärts nach den russischen Ostseeprovinzen 
fortschritt. Ferner erwähnen wir den heftigen, orkanartigen Sturm, welcher am 
19. die ostdeutsche Küste heimsuchte und daselbst argen Schaden anrichtete; 
derselbe wurde durch ein Minimum veranlafst, welches von der Gegend der 
Faröer ostwärts nach dem Finnischen Busen fortschritt. 
Mit dem Verschwinden des letztgenannten Minimums setzte eine Zeit des 
Frostes ein, welche bis weit in den Januar fortdauerte. Am Monatsschlusse lagerte 
über Nordeuropa ein rasch an Intensität zunehmendes Hochdruckgebiet, welches in 
Wechselwirkung mit dem niedrigen Luftdruck über Südeuropa östliche und nord- 
östliche Winde hervorrief; so war eine Wetterlage entstanden, welche für die 
Entwickelung und Erhaltung strenger Winterkälte durchaus günstig war, 
1) Eine ausführliche Darstellung dieser Hitzeperiode vom Verfasser dieses findet sich in der 
Zeitschrift „Himmel und Erde“, Jahrgang 1892, Novemberheft.
	        
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