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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

218 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Juni 1898. 
Gegenden der Halbinsel Florida mächtig vorherrschen und sich durch den Florida- 
Kanal hindurchwälzen. Alaminos sollte von dieser Entdeckung wenige Jahre 
später einen besonderen Vortheil ziehen. 
Als nämlich Cortez 1519 in Vera Cruz festen Fufßs fafste, drängte es ihn, 
lie guten Neuigkeiten von seinem Erfolge „auf dem kürzesten Wege“ nach 
Spanien kommen zu lassen. Dabei war es wichtig, das Antillen-Meer so weit als 
möglich aus dem Wege zu lassen, um nicht Gebiete zu beitreten, deren Statt- 
halter dem Cortez feindlich gesinnt waren. So mufste man sich für eine nörd- 
lichere, noch nie betretene Route entscheiden. Nach den damaligen geographischen 
Kenntnissen standen dem zu Rathe gezogenen und mit der Führung der Expe- 
dition betrauten Alaminos zwei Wege offen; entweder konnte er den Versuch 
wagen, zwischen Florida und dem Festlande eine Durchfahrt zu suchen — man 
hielt Florida damals noch für eine Insel — oder aber zwischen Florida und Cuba 
durchzubrechen. Von der Insularität von Florida scheint Alaminos nicht viel 
gehalten zu haben, zum Mindesten schien ihm jener Weg gefährlich, da er mit 
Zeitverlust verbunden gewesen wäre. 
Daß eine freie Fahrt zwischen Cuba und Florida existire, war bereits von 
Ponce entdeckt, doch hatte er diese Durchfahrt nur bis zum Ende der Bahama- 
Inseln nachgewiesen, und auch hier blieb es also fraglich, wie es jenseits der- 
selben, wohin noch kein Spanier gesegelt war, aussehe. Alaminos jedoch 
schlofs aus der Natur des rasch rinnenden Stromes in „den Engen“,!), dafs vor 
demselben überall offenes Meer sein müsse. „Er glaubte, dafs diese mächtigen 
Strömungen doch irgendwo in einen freien, grofsen Seeraum hinauslaufen 
würden.“ So nahm der wackere Seefahrer das schnellste Schiff seines Chefs, 
segelte am 26. Juli 1519 von Vera Cruz ab, durchfuhr die Strafse von Florida, 
and indem er dann in den Engen des Golfstromes sich nordwärts wandte, fand 
er das weite und endlose Meer. Fortgeführt von dem Golf-Strom, kehrte er all- 
mählich in die mittlere Partie des Atlantischen Oceans ein, berührte die Azoren 
und kam nach einer schnellen und glücklichen Reise von etwas mehr als zwei 
Monaten in Spanien an. 
So zeigte Alaminos einen völlig neuen oceanischen Weg, den besten, 
welchen man von Westindien nach Europa befolgen konnte. Der östliche Mund 
des Golfs von Mexico, den er öffnete, wurde bald der vornehmste Thorweg und 
Auslafs nicht blofs für diesen Golf, sondern für alle Mittelländischen Gewässer 
Amerikas und des ganzen Westindiens. 
„Die unmittelbare Folge dieser Entdeckung — schreibt Kohl — war 
die Organisirung von dem, was die Spanier „la derrota de la buelta de las 
Indias“ (den Rückweg von Indien) nannten. Die Durchfahrt durch die Meer- 
engen zwischen den Inseln wurden selten mehr gebraucht und das ganze System 
der primitiven atlantischen Schiffahrt geändert. Dasselbe wurde nun so zu sagen 
nach dem Modell des Systems der atlantischen Meeresströmungen und im 
Parallelismus mit ihnen geordnet, indem es den Impulsen und der Richtung dieser 
Strömungen folgte.“ 
Von dem „Ausfall des Golf-Stromes“ segelten die Spanier indefs nicht 
lange im Gebiete des Golf-Stromes; sie verlielsen denselben in 28° N-Br, segelten 
dann im Sommer NO bis 32° Nord, östlicher bis 39° und nahmen in letzterer 
Breite Kurs gegen die Azoren. Im Winter strichen sie schon im Süden der 
Bermudas östlich herum, 
Bisweilen wich man von diesen Routen je nach dem Abfahrtspunkte ab. 
So segelten z. B. zu Anfang unseres Jahrhunderts noch Schiffe, welche aus 
Portorico kamen, NzO bis in 29'%° N-Br im Winter und bis 31° im Sommer. 
Auf der Strecke von den Azoren nach Spanien suchte man das Kap St. Vincent 
zu sichten; „allein“ — sagt Garcias de Cespedes — „viele halten sich auch 
höher im Norden oder im Süden auf, um den Seeräubern auszuweichen, welche 
diese Bahnen unsicher machen.“ 
Im weiteren Verlaufe des sechzehnten Jahrhunderts versuchten andere 
und speciell nordische Seefahrer, kürzere Ueberfahrten in die Schiffahrt einzu- 
1) Eine ausführliche, sehr interessante Schilderung über das successive Bekanntwerden und 
über die Erforschung und Entdeckung des Golf-Stromes, lieferte J. G. Kohl in seiner „Geschichte 
les Golf-Stromes‘‘. Bremen. 1868.
	        
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