accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

van Bebber: Rückblick auf das Wetter in Dentschland im Jahre. 1892. 
erreichte und am 26. bei Vorübergang einer Depression im Nordwesten beendet 
wurde. Am kältesten war es am 20, und 21., an welchen Tagen in Ostdeutsch- 
{and Temperaturen bis zu — 20°, in Westdeutschland bis zu — 11° CO beobachtet 
wurden: Im Januar ist eine Frostperiode bemerkenswerth, welche am 11. begann 
und für das westliche Deutschland am 22., für das östliche am 26. endete. Die 
tiefsten Temperaturen, welche im nordöstlichen Deutschland sogar bis — 23° 
hinabgingen, fanden hauptsächlich in der Zeit vom 21. bis zum 24. statt. Auch 
in Süddeutschland kamen zu dieser Zeit sehr niedrige Temperaturen, stellenweise 
unter — 20° C vor. Auch der Monat Februar hat eine, allerdings kürzere, 
Frostperiode aufzuweisen, nämlich vom 15. bis zum 20., welche noch dadurch 
bemerkenswerth ist, daß sie bei verhältnilsmäfsig sehr niederem Luftdrucke statt- 
fand. Seine größte Intensität erreichte der Frost am 17., 18. und 19., an welchen 
Tagen überall sehr niedrige Temperaturen beobachtet wurden; zu Köslin sank 
die Temperatur sogar auf — 21'/2, zu Lauenburg auf — 24° herab. 
Während der Dezember und Januar reich an Niederschlägen waren, 
blieb die Niederschlagsmenge des Februar hinter der durchschnittlichen meistens 
erheblich zurück; indessen brachten der 15. und 16. Februar, insbesondere im 
südlichen Deutschland, starke Schneefälle, welche im Elsaflßs und in der Pfalz zu 
Verkehrsstockungen Veranlassung gaben. Auch aufserhalb Deutschlands fielen 
um diese Zeit grofse Schneemassen, so im Salzkammergut, in der Schweiz und 
in Frankreich; über den Britischen Inseln wütheten heftige Schneestürme, ebenso 
in Dänemark, wo der Eisenbahnverkehr auf kurze Zeit vollständig unterbrochen 
werden mufste. 
Hervorzuheben ist der Sturm vom 16. Dezember 1891, welcher durch die 
zahlreichen und grofsen Verwüstungen, insbesondere im nordwestlichen Deutsch- 
land, und durch seinen böigen Charakter ausgezeichnet ist. Die Ursache seiner 
Heftigkeit war ein Theilminimum, welches am Südrande eines Hauptminimums 
rasch vorbeiglitt und, so die Gradienten verstärkend, aufserordentlich starkes 
Anschwellen der Winde verursachte, während das Hauptminimum ohne wesentliche 
Ortsveränderung sich rasch verflachte. An der Unterelbe fand eine mannigfachen 
Schaden herbeiführende Sturmfluth statt. !) 
Auch vom 5. bis zum 7. Januar fanden heftige Stürme statt, welche für 
einzelne Küstenstrecken verhängnifsvoll waren und welche durch die sie be- 
gleitenden Schneefälle vielfache Störungen des Eisenbahn- und Telegraphenverkehrs 
zur Folge hatten. Beim Uebergang der Winde aus der westlichen in die nord- 
westliche Richtung traten vielfach Gewitter auf. ?) 
Bemerkenswerth sind ebenfalls die starken und ausgebreiteten ma- 
ynetischen Störungen am 13. und 14. Februar, an welchen Tagen der tele- 
BEP Verkehr vielfach gestört wurde; so war die Benutzung der Telegraphen- 
leitungerf® zwischen Christiania und Stockholm sowie Drontheim fast unmöglich, 
und auch in Nordamerika traten derartige Störungen auf. In der Nordhälfte 
Europas sowie in Nordamerika von Iowa bis zu den atlantischen Küsten wurde 
in der Nacht vom 13. zum 14. starkes Nordlicht beobachtet. Beiläufig sei 
erwähnt, dafs seit Anfang des Monats eine Erhöhung der Sonnenthätigkeit statt- 
fand, welche sich durch das Auftreten besonders ausgedehnter Sonnenflecken 
bekundete. 
Die Witterungsverhältnisse des Frühlings standen meistens unter dem 
Einflusse eines Hochdruckgebietes in unseren Gegenden; nur der März zeigte 
einen starken Abfall des Luftdruckes nach Norden hin. Im Allgemeinen waren 
Winde aus westlicher Richtung vorwiegend. 
Einen schönen Uebergang vom Winter zum Frühling bildete der März mit 
seinen sonnigen, wenn auch durchschnittlich etwas zu kalten Tagen, auch der 
April und der Mai hatten mehr heitere Tage, als es dem Durchschnitte entspricht, 
aber die häufigen Schwankungen und Sprünge gaben diesen Monaten einen mehr 
rauhen Charakter. Die erste Hälfte des März war kalt, warm war es in den 
letzten Tagen des Monats bis in den April hinein. Sonst war der April trübe 
and kalt. Die Temperaturkurve des Mai zeigt einen steilen Anstieg mit zwei 
13 
1) Eine eingehende Darstellung dieses Sturmes findet sich im Februarheft dieser Zeitschrift: 
ran Bebber „Bemerkenswerthe Stürme“ VI bis VIII. 
2) Ueber diesen Sturm siehe diese Zeitschrift, ebenda.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.