202 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1893.
Anker zu gehen. Als dies geschehen, sandte das Kriegsschiff ein Boot, welches
nach dem Schiffsnamen, woher u. 8. w. fragte und sich dann entfernte, den
Kapitän bedeutend, dafs er unter keinen Umständen weitersegeln dürfe.
Nachdem das Boot an Bord des Kriegsschiffes zurückgekehrt, wurde von dort
signalisirt: „Segeln Sie nach dem Platze, den ich Ihnen angebe‘“ — die Quaran-
tänestation auf Ilbha Grande bei Rio de Janeiro — und, als hierauf erwidert
wurde: „Unmöglich! es fehlen Karten sowie Wasser und Proviant für die Reise
dorthin“, kam die Order: „Heute Nacht können Sie liegen bleiben, aber morgen
früh müssen Sie in See gehen.“ Wirklich sah sich am nächsten Morgen der
Kapitän wohl oder übel genöthigt, das Revier wieder zu verlassen; selbst seine
Bitte, ihn seinem Konsul zu melden oder eine Depesche an denselben zu
befördern, wurde abgelehnt.
Der Kapitän der „Umkomanzi“ ließ nun den Kurs auf Barbados setzen,
welche Insel am 26. Oktober erreicht wurde, und nachdem man hier das Schiff
neu ausgerüstet und in Erfahrung gebracht hatte, dafs die Quarantäne in Brasilien
aufgehoben worden sei, wurde am 30. der Anker wieder gelichtet und nach
Parg zurückgekreuzt. Am 29. November gelangte das Schiff wieder in Sicht
von Atalaia. Hier erhielt es jedoch denselben Bescheid, auf Order zu warten,
wie das erste Mal, und erst 16 Tage später, während welcher Zeit das Schiff
dort vor Anker gelegen hatte, traf diese Order ein. Am 17. Dezember kam das
Schiff in Pard an, nachdem es 2 Monate und 5 Tage durch die Quarantäne-
mafsregeln verloren hatte.
Der englische Dampfer „Hanley“, mit Stückgütern für Par und Ceard,
erhielt bei Atalaia ebenfalls den Bescheid, dafs er nicht einlaufen dürfe; er ent-
schlofß sich deshalb, einen Versuch in Cearg zu machen, aber mit ebenso wenig
Erfolg, und da jetzt Kohlenmangel eintrat, lief er nach Santa Lucia W.J. Dort
lag das Schiff neun Tage, kam dann zurück nach Atalaia, und nachdem es hier
weitere drei Tage auf Order gewartet hatte, konnte es nach Par hinaufgehen,
Es sind noch mehrere Schiffe hier, denen es ähnlich ergangen ist, aber
die angeführten Fälle mögen genügen, die derzeitigen Zustände in Brasilien klar-
zulegen.
Für die Desinficirung des Schiffes, bei der man das Volkslogis ausräucherte,
die Kajüte aber nicht, mulste ich 172,120 Mrs. zahlen.“
Ueber die sonstigen Schiffahrtsverhältnisse in Pard berichtet Kapt. Ossen-
brück, wie folgt:
„Meine Karte »Imray & Son, 123, River Para and Maranhaöd« zeigt in
der Nähe von Atalaia-Spitze zwei Bänke, eine mit vier und eine mit drei Faden
Wasser, die nicht vorhanden sind. Ich habe dort mit meinem Boot alles ab-
gesucht und später beim Kreuzen oft die Stellen passirt, aber nie weniger als
fünf Faden gefunden. Die Beschaffenheit des Bodens, Mudd, Sand und Steine,
wechselt "oft auf kurze Entfernungen. Ein Schiff von 18 Fuß Tiefgang kann
sich Atalaia-Spitze ohne Gefahr bis auf 1,5 Sm nähern, ein Dampfer desselben
Tiefganges wohl noch innerhalb 1 Sm. Wir fanden nur eine Schiffslänge außer-
halb der Brandung noch Tiefen von 3'/% bis 4 Fad.
Vor dem Ankern bei Atalaia in der Jahreszeit der nordöstlichen Winde
möchte ich entschieden abrathen, da der Grund dazu nicht geeignet ist. Gegen-
wärtig liegen hier in Parz drei Schiffe, die an jener Stelle Anker verloren haben.
Auch ist es sehr leicht, sich dort in Sicht des Landes unter Segel zu halten,
ohne Grund zu verlieren. Zu Anker liegend sowohl als unter Segel kreuzend,
fanden wir bei Atalaia den Strom ebenso stark und lange ostwärts als west-
wärts setzend, etwa 1,5 Knoten nach WNW und OSO, und konnten ohne Mühe
unsere Stellung behaupten, obschon wir, beim Signalisiren sowohl als auch sonst,
jeden Tag mehrere Stunden mit backen Segeln lagen,
In der oben erwähnten Karte sind am Eingange des Pard-Flusses mehrere
Bojen verzeichnet. In Wirklichkeit ist keine einzige vorhanden, weder vor noch
in dem Flusse,
Das Feuer von Atalaia ist sehr gut und wenigstens 17 bis 18 Sm weit zu
sehen. Es brannte während unseres Aufenthaltes regelmäfsig und heil.. Die
Dauer der ganzen Umdrehung desselben ist indessen nicht 2 Minuten, sondern
nur 1 Minute 40 Sekunden. Der lange Blink des gewöhnlichen Feuers dauert