Oleleh' an‘ der Nordküste von Sumatra.
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abends‘ erhielten wir bei Dungeness einen Londoner Lootsen von einem Lootsen-
dampfer, Diese Dampfer haben die sehr schöne Einrichtung getroffen, am Topp
ein rothes und ein. weifses Licht zu führen, wodurch sie weit erkennbar und
leicht. aufzufinden sind. Wir nahmen bald darauf einen Schleppdampfer an, waren
aber des schlechten Wetters wegen genöthigt, um 2 Uhr nachts unter North
Foreland zu ankern. Um das Schiff am Treiben zu verhindern, mufste so rasch
al8: möglich der zweite Anker fallen gelassen und 105 bezw. 45 Fad. Kette aus-
gesteckt werden. Hiermit lagen wir einigermafsen sicher. Erst um Mittag den
11. Dezember durften wir es wagen, unsern Ankerplatz wieder zu verlassen, denn
das Barometer war bedeutend. gestiegen, obwohl die Luft noch ein sehr drohendes
Aussehen hatte. . In der folgenden Nacht ankerten wir um 2 Uhr unter Gravesend,
nach sehr vielen Sorgen und Strapazen der letzten Tage.
Die ganze Reisedauer von Rockingham bis hierher betrug 135 Tage.
Mittheilungen. über Papiete (Tahiti).
Von Kapt, 0. KAMPEHL, Führer der deutschen Bark „Speculant“. Februar 1890.
Den Bemerkungen. über Papiet€ von Kapt. Ringe in diesen Annalen,
Jahrgang 1879, Seite 647, ist im Allgemeinen nur wenig hinzuzufügen, nur
möchte. jeh noch Folgendes nachtragen:
Der Feuerthurm auf der Landspitze Venus’ ist von See aus bei Tage schwer
auszumachen, weil derselbe dicht‘ vor einem Hintergrund von Kokospalmen steht,
die nahezu dieselbe Höhe und- deren Stämme die gleiche aschgraue Farbe haben,
und: er bildet: daher eine schlechte Landmarke. Am: ehesten und besten ist der
Thurm auszumachen, wenn man sich demselben von Norden nähert. Bei unserer
Ansegelung: von Osten bemühten wir uns lange vergeblich, den Thurm zu ent-
decken, Alles, was wir für denselben hielten, erwies sich beim Näherkommen als
Kokospalme, bis ich denselben schliefslich in einer geringen Entfernung erkannte.
Bei einem‘ späteren Besuche fand ich die Einrichtung des Feuerthurmes in bester
Ordnung; der Leuchtapparat ist von guter Beschaffenheit und nur der theilweise
aschgraue Anstrich ist aus‘ dem eingangs angeführten Grunde unzweckmäßig.
Von: dem mich herumführenden Leuchtthurmwärter (einem Franzosen), dem ich
meine Meinung sagte; erfuhr ich, dafs schon: öfters dieselbe Klage geführt sei.
Er war der Ansicht, dafs ein schriftlicher Bericht von Kapitänen. an die Behörde
einen gewünschten‘ Erfolg haben und die Veranlassung der Beseitigung des
gerügten Uebelstandes sein würde. Allein da ja doch beständig einige fran-
zösische Schiffe hier im Hafen sind und dieser Uebelstand den Führern derselben
ebenfalls bekannt sein mufs, so dürfte eine Eingabe von mir — von einem
Deutschen — von der Behörde wohl‘ unbeachtet bleiben.
Tahiti‘ steht: nicht mehr lediglich unter französischem Protektorat, sondern
ist, seitdem der noch lebende König Pomare die Herrschaft über die Gesellschafts-
Inseln unter Verzichtleistung auf alle früheren Rechte, auch für seine Erben, gegen
eine Lebensrente von monatlich 5000 Fres. an Frankreich abgetreten hat, zu
einer wirklichen französischen: Kolonie geworden.
Mit Ballast bis zu einem Tiefgange von 4 m — 13 Fuß: — beladen, segelte
„Speculant“ am 29. November 1889, unter Führung‘ eines in einem Walboot
um 5° Uhr nachmittags an Bord gekommenen französischen Lootsen durch die
Tonao-Passage. Dieselbe ist für ein Schiff von der Größe des unseren entschieden
zu. enge. Nur solche Raaschiffe, welche vorzüglich manövriren und dem Ruder
sofort‘ gehorchen, sollten sich in diese Passage hineinbegeben, denn der Kurs in
dem- stellenweise nur eine Schiffslänge breiten Fahrwasser verändert sich häufig,
so- dafs‘ die Gefahr, an: der einen oder der anderen Seite an das Korallenriff
geworfen zu werden, sehr grofs ist: Zum:zweiten Male würde ich diese Passage,
welche nur eigentlich für die an den hiesigen Küsten verkehrenden Gaffelschoner
passend’ ist, nicht wieder benutzen.
Der von Kapt. Ringe erwähnte Patentslip ist inzwischen erneuert, was
indefs nur einen sehr bedingten Nutzen haben wird, indem die Wassertiefe vor