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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Von Fremantle über Rockingham nach London. 
Drehung durch N und NW nach SW, um aber bald darauf wieder östlich durchzu- 
kommen, womit wir am 8. September die Küste von Afrika eben südlich von Port Natal 
nach einer 40tägigen Reise in Sicht liefen. Hierauf folgten zunächst veränderliche 
Winde, später ein NE-Wind, der schnell auffrischte, bis er um 12 Uhr nachts 
den 9. September, bei einem Luftdruck von 751,3 mm (red.), die Stärke 6 
erreichte. Eine halbe Stunde später lief der Wind auf SW 7 und nahm unter 
heftigen Böen rasch zum vollen Sturm zu. Das Barometer begann daranf rasch 
zu steigen, und bei einem Luftdruck von 769,9 mm (red.) hatte der Sturm um 
12 Uhr nachts sein Ende erreicht. Auf eine jetzt beginnende, einige Wachen 
andauernde Mallung folgte wieder eine schnell auffrischende nordöstliche Briese, 
mit der wir, wie an den voraufgegangenen Tagen, auf einem Abstande von etwa 
30 Sm der Küste entlang segelten. Während dieser Zeit wurden die folgenden 
Stromversetzungen beobachtet: 
Vom 8. September in 29° 50‘S-Br und 32° 26’ O-Lg 
bis 9, # „ 31°16° „ „ 30°40' ‚, 
bis 10. » „ 32°49 „2 28°51' 
bis 11. n „ 33°15' „ „ 28°14 
bis 12. „ 34°49 „ „ 24°42 , 
Stunden. 
Westlich vom Kap Recife fanden wir nicht nur keinen westlichen Strom 
mehr vor, sondern einen östlichen, von einer Stärke von etwa 24 Sm im Etmal. 
Bei den erwähnten veränderlichen Winden am 11. September hatte das 
Barometer den hohen Stand von 769,7 mm (red.), worauf mit der auffrischenden 
nordöstlichen Briese wieder ein langsames, aber beständiges Fallen eintrat. Nach- 
dem der. Wind die Stärke 6 und das Barometer den Stand von 750,4 mm (red.) 
erreicht hatte, sprang ersterer unter gleicher Stärke um 12 Uhr mittags den 
12. September, als der Schiffsort 34° 49‘ S-Br und 24° 42‘ W-Lg war, auf WSW. 
Um 4 Uhr nachmittags war der Luftdruck bis auf seinen niedrigsten Stand von 
749,2 mm heruntergegangen, während die Windstärke noch später in der Zunahme 
begriffen blieb und um 12 Uhr nachts 7—9 erreichte, bei einem Luftdruck von 
751,0 mm. Das Schiff wurde dann unter beiden Untermarssegeln und dem Vorstänge- 
stagsegel auf. B.B.-Halsen beigedreht. Am 13. September 8 Uhr morgens betrug 
der Luftdruck 750,8 mm (red.), bei dem Wind West 11, heftigen Böen, drohender 
Luft und starkem Regen. Wir waren genöthigt, das Voruntermarssegel fest- 
zumachen, weil das Schiff in den heftigen Böen bis an die Reling unter Wasser 
tag, welches zeitweilig bis an die Luken reichte. Luft und Meer schienen in- 
einander übergegangen zu sein und eine schwarze, finstere Masse zu bilden, dabei 
fand ein schwaches Blitzen und lange rollender Donner statt, der aber das Geheul 
des Orkans kaum übertönte. Das Schiff lag, nachdem Grofsuntermarssegel und 
Vorstängestagsegel — beide ganz neu — in Fetzen davon geflogen waren, vor 
Topp und Takel, und wir gebrauchten unausgesetzt Oel, um die bergehohen Seen 
zu glätten. Bis 4 Uhr nachmittags wüthete dieser entsetzliche Sturm, während 
gleichzeitig das Barometer bis auf 756,3 mm (red.) stieg; dann endlich begann 
sich die Luft nach schwerem Regen oben zu brechen und die Windstärke rasch 
schwächer zu werden, und um 12 Uhr nachts wehte nur noch ein stürmischer 
Westwind, bei einem Luftdruck von 765,4 mm (red.). 
Wir halsten jetzt südwärts und zwar ©ohne Segel, da wir dem Lande ziem- 
lich nahe gekommen sein mußten. Um 2 Uhr morgens den 14. September 
sichteten wir das Feuer von Kap Recife in mw. NNO, welches anfangs für das- 
jenige von Kap Francis angesehen wurde und nach unserer Besteckrechnung auch 
hätte sein müssen. Wir hatten entweder einen starken östlichen Strom gehabt, 
oder unser Chronometer hatte einen gröfseren gewinnenden Gang angenommen, 
als derselbe von mir in Fremantle und Rockingham bestimmt worden war. 
Letzteres ist nicht unwahrscheinlich, da das Chronometer in London gereinigt 
worden war. 
Nachdem der schwere Sturm vorübergegangen war, schien die gestörte 
Atmosphäre sich vollkommen beruhigt zu haben. . Wir hatten für 5—6 Tage 
einen sehr leichten westlichen Wind, und da gleichzeitig ein östlicher Strom 
vorhanden war, so konnten wir nichts gewinnen. Am Mittag des 19. September 
befanden wir uns wiederum in Sicht. des Feuerthurmes von Kap Recife und 
stellten durch astronomische Beobachtungen und Peilungen fest. dals unsere 
in 24
	        
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