196 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1893.
Drehbrücken, welche durch Motoren sehr schnell geöffnet und geschlossen werden
können.
Zu beiden Seiten der Docks befinden sich Schienengeleise, Vorraths-
schuppen, sowie Dampf- und hydraulische Krähne zum Löschen der Ladungen.
Beim Dock 3 sind diese Anlagen noch nicht ganz fertiggestellt, es wird
jedoch ununterbrochen hieran gearbeitet.
Die Kriegsschiffe werden in der Regel nach dem Dock 3 gelegt. Die
Handelsschiffe vertheilen sich auf die übrigen Docks, sowie auf die Darsena Sud
und den Riachuelo-Hafen.
Bei der Anwesenheit S. M. S. „Marie“ waren genaunte Plätze durch
Handelsschiffe vollkommen besetzt, und bot der ganze Hafen ein Bild regen
Treibens.
Von Fremantle über Rockingham nach London.
Aus dem Bericht des Kapt. B. STEGE, Führer der deutschen Bark „Pallas*“
Nachdem die von London in Fremantle (West-Australien) auf der am
10. Mai 1891 beendeten Reise eingebrachte Stückgutladung in der verhältnifs-
mäfsig kurzen Zeit von etwa drei Wochen gelöscht war, wurde „Pallas“ nach
Rockingham — etwa 12 Sm weiter südlich an der Küste belegen — geschleppt,
am dort eine Ladung Jarrahholz für London zu laden. Da kein Vorrath von
diesem Holz vorhanden war, vielmehr letzteres bei meiner Ankunft noch erst
gefällt und geschnitten werden mufste, so gebrauchten wir alle unsere Liegetage
(30 Arbeitstage), um unsere Ladung vollständig zu erhalten. Dieselbe umfafste
538 loads & 50 Kubikfuls, womit das Schiff längst nicht aufgefüllt, wohl aber
tief beladen war.
Das Wetter hielt sich während meiner Anwesenheit in Fremantle und
Rockhingham vom 10. Mai bis zum 30, Juli 1891 immer gut, mit alleiniger Aus-
nahme des 5. Juli, an welchem Tage ein schwerer Sturm wüthete, der unter
den in Fremantle an der Brücke liegenden Schiffen bedeutenden Schaden an-
richtete. „Pallas“, welche, mit 100 Tonnen Holz beladen, an der Brücke in
Rockingham lag und durch die Gewalt des Sturmes fast platt über dieselbe
geneigt wurde, kam ohne Beschädigung davon.
Die Lage eines Schiffes an der Brücke in Fremantle, welch letztere noch
60 m — 200 Fuß — verlängert werden soll, um auch solchen Schiffen, die einen
gröfseren Tiefgang als 4,3 m — 14 Fuß — haben, das Löschen zu ermöglichen,
ist im Winter sehr unangenehm und kann bei stürmischem Wetter sogar gefähr-
lich werden, weil die zum Freilegen von derselben nach auswärts stehenden
Anker in dem schlecht haltenden Grunde durchgehen. Für Dampfer, die nöthigen-
falls jeden Augenblick loswerfen und auf die Rhede legen können, geht es, aber
für ein Segelschiff, welches dieses nicht kann, sondern allein auf seine Anker
sich verlassen muß, ist die Brücke nicht zu empfehlen. Dennoch werden Segel-
schiffe, welche die sogenannte Jetty-Klausel in ihrer Charterpartie haben und
nicht über 14 Fuß tief gehen, gezwungen, ihre Ladung an dieser zu löschen.
Am 30. Juli 1891 verließ „Pallas“ im Tau eines Schleppdampfers den
Hafen von Rockingham, um die Reise nach London anzutreten, und erreichte
durch den Challenger-Pafs die offene See. Aufserhalb der Fünf-Faden-Bank warf
der Dampfer die Schleppleine los. Auf eine kurze Windstille folgte südliche
Briese, mit der wir vom Lande absteuern konnten. Nachdem wir bei veränder-
lichen Winden und gutem Wetter in nordwestlicher Richtung vorwärts gesegelt
waren, erreichten wir am 11. August die Position von 20° 28‘ S-Br und 102°
25’ O-Lg, woselbst der Südostpassat mit frischer Stärke wehte. Unsere Länge
liefen wir zwischen 19° und 20° S-Br ab, wo wir den Passat aber nicht so frisch
antrafen wie auf unserer vorjährigen Reise, obschon wir auf jener die Route einige
Grade südlicher nahmen. Als wir am 5. September nach 29° 55'S-Br und 37°
40‘ O-Lg gelangt waren, machte der auf NE gelaufene Passatwind seine erste