Von Bahia nach Trinidad und weiter. nach Grenada W. I, 189
Nachdem das Schiff frei von der Bank, lielßs ich die Maschine auslaufen
in der Hoffnung, dafs auch dieser Südwestwind einige Zeit anhalten würde. Dies
bewahrheitete sich aber nicht, sondern das Schiff lag bereits um 4'/2 in voll-
ständiger Stille. Hierdurch kam dasselbe aber in eine hohe Doppeldünung von
SW und NO und wurde außerdem durch den . Strom gegen die erstere
und die Antonio-Bank gesetzt. Da nicht der geringste Windhauch, machten wir
bald Fahrt über den Achtersteven gegen die Südwestdünung, so dafs das Ruder
gefährdet wurde. Ich lefs daher, nachdem ich schon vorher das Herausreißen
der Feuer untersagt, wieder auffeuern und dampfte von 7" ab bis zum nächsten
Morgen direkt frei von der Küste. Dann kam der zu erwartende nordöstliche
Wind auf, so dafs das Schiff rechtweisend SO ging.
Ich hatte die Absicht, 35° Länge zu machen, ehe ich über B. B.-Bug ging.
Der Wind schralte aber am 31. früh bereits bis EzS, so dafs ich schon in 14°
38‘ N-Br und 35° 21‘ W-Lg wendete etc. Von da an lag das Schiff mit geheifster
Schraube über B. B. durch und segelte ungefähr 70 Sm frei von St. Agostino.
Die Angaben des Segelhandbuches stimmten, auch traf die Angabe Tafel 30 des
Atlas ein, indem wir nur auf der Höhe von Pernambuco einige Regenschauer
erhielten, sonst aber dauernd schönes Wetter hatten und der Wind nach und
nach bis SE wurde. Am 4. Januar fiel ich ab und richtete mich nach den
Angaben der „Annalen der Hydrographie“ von 1891, Heft IX Seite 350, blieb
aber etwas südlich von der angegebenen Linie, um die jetzt nördlich vom
Aequator liegenden Windstillen möglichst zu vermeiden und den Strom voll
auszunutzen. Ich glaube, daß derselbe südlich dieser Linie günstiger läuft,
wenigstens schliefse ich dies aus dem Vergleich dieser Reise mit der von
Se M. 9 „Moltke“, veröffentlicht in den „Annalen der Hydrographie“ 1892,
eite .
Der Wind ging bis zum 8. Januar 0° 45’ S und 41° 30’ W durch Ost
nach NE und hörte dann ganz auf. Es ist hier zu bemerken, daß der
Wind bis dahin gewöhnlich des Morgens nach Sonnenaufgang südlicher bezw.
östlicher und gegen Mittag schwächer, nach Sonnenuntergang aber nördlicher
und frischer geworden war. In den Tagen vom 8. bis 11. 0° S—2° N-Br und
41° — 46° W-Lg sprang der Wind von NE durch Ost bis SE und WSW um, so dafs
das Schiff nur wenig vorwärts kam. Es wurde in dieser Zeit häufig bemerkt,
dafs aus SW schwere Wolken bis zum Zenit aufzogen, dann direkt wieder um-
kehrten und unter dem Horizont verschwanden oder sich einfach verflüchtigten.
Wetterleuchten ist ebenfalls nur in diesen Tagen und ganz vereinzelt beobachtet.
Der erste Regen kam am 10. und hörte auf, abgesehen von einzelnen Schauern
mit einer am 1l., abends 9% (in 47° W-Lg 2° 36‘ N-Br) einsetzenden Böe aus
NE, mit welcher der Nordostpassat begann. Am 12. um 10% p (zwischen
4 und 4!/2° N-Br) passirten wir eine enorm hohe Stromscheide, auf deren un-
gefährer Grenze das Schiff fast die ganze Abendwache entlang lief. Es war zu
dunkel, um genau zu unterscheiden, zu bemerken war aber die dunklere Farbe
und ein gewisser Tanggeruch, so daß wir uns demnach auf der Grenze des
Amazonenstroms befanden,
Dies wurde durch das Besteck bestätigt, nach welchem sich S. M. S.
„Gneisenau“ in der auf der Karte mit „outer limit of discoloured water“ be-
zeichneten Linie befand. Die Stromscheide machte den Eindruck einer hohen
Un wilden Brandung, besonders auffallend durch stellenweises kräftiges Meer-
euchten.
Der Passat blieb günstig bis zum Passiren der Insel Tobago am 16. mit
Tagesanbruch, dann wurde er nach und nach flauer, bis er bei den Bocas ganz
aufhörte.
Zum HEinlaufen wählte ich, weil es schon dunkel geworden, die Boca de
Huevos und ankerte um 9* p auf der Rhede von Port of Spain.
Beim Verlassen dieses Ortes am 6. Februar: morgens wählte ich zum
Auslaufen die Boca Grande, segelte auch mit starkem günstigen Winde ‘hinein,
brauchte aber über zwei Stunden, ehe ich hindurch kam, weil der Wind voll-
kommen abflaute und ein starker westlicher Strom setzte. Nach diesen Erfah-
rungen kann ich keinem Segelschiffe rathen, eine der anderen schmäleren Bocas
zu passiren, und in Port of Spain wird auch die Boca de Huevos allgemein die
Todten-Boca genannt, weil in jedem Jahre mehrere Schiffe, welche sich durch