Kleinere Mitteilungen,
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Jebende hervorragende Teilnehmer am Internationalen Polarjahr 1882/83 gesandt?).
Greely war der Leiter der amerikanischen Polarjahrstation Fort Conger (81° 44’N,
64° 45’ W) an der Lady Franklin-Bay gewesen — Gyllensköld Mitglied der
schwedischen Station Kap Thordsen (78° 28’ N, 15° 42' W) auf Spitzbergen.
An dieser Stelle möge mit Dank ferner der beiden unter uns noch weilenden
deutschen Veteranen des Polarjahres 1882/83 gedacht werden, Dr. Heinrich
Abbes und Mechaniker Carl Seemann, die Assistenten auf der deutschen Polar-
station Kingua-Fjord (66° 36’ N, 67° 19’ W) gewesen waren.
Dr. H. Abbes, geboren am 28. IX. 1856 in Bremen, hat in Hannover und
Göttingen Mathematik, Naturwissenschaften und Maschinenbau studiert, in Heidel-
berg mit einer chemischen Arbeit promoviert, Seiner Teilnahme an der Expedition
verdanken wir „Die Eskimos des Cumberland-Golfes‘‘?), Diese Teilnahme hatte
für ihn selbst aber den Verlust des einen Auges und die vorübergehende Er-
blindung des anderen zur Folge, ein schweres Opfer, das er der Polarforschung
gebracht hat, und das noch durch die damit verbundene Aufgabe der erhofften
akademischen Laufbahn vergrößert wurde. Ein von H. Abbes verfaßtes vater-
ländisches Drama „Arminius“ ist mehrfach aufgeführt worden. Der Vortrag, den
er Ende Januar 1933 in seinem Aufenthaltsort Braunschweig über das Inter-
nationale Polarjahr 1882/83 hielt, zeigt sein noch immer reges Interesse für polare
Forschungen.
Mechaniker Carl Seemann, geboren am 183, II. 1855 in Hamburg, hat bei
führenden feinmechanischen Firmen eine sorgfältige Ausbildung genossen, die
ihn zur Teilnahme an den Arbeiten der deutschen Polarstation Kingua-Fjord
1882/83 besonders befähigte. Nach seiner Rückkehr gründete er 1889 die Firma
„Carl Seemann, Hamburg, Werkstätten für Präzisionsmechanik“, die noch heute
unter einem anderen Inhaber besteht. Vom 1. Februar 1899 bis 31. Dezember
1921 war C. Seemann Mechaniker der Deutschen Seewarte. Seinen Lebensabend ver-
bringt er in der Buchecker-Stiftung seiner Vaterstadt Hamburg. P. Heidke.
Neuere Veröffentlichungen,
A. Besprechungen und ausführliche Inhaltsangaben.
Müller-Pouillets Lehrbuch der Physik, 11. Aufl. (en Formeln sowie einer Fülle von Diagrammen
4. Band, 1. u. 2. Teil, bearbeitet von S, Valen- | und sonstigen vorzüglichen Abbildungen behan-
tiner, Braunschweig, Friedr. Vieweg u. demden Inhalt kann hier im wesentlichen nur
Sohn A. G., 1932. 8, XXI und 734 S, (Preis das den Meteorologen und Geophysiker unmittel-
geh. 47,50, geb. 51 RM.) und XVI bzw. 461 S. barer Angehende hervorgehoben werden: Der sich
(Preis geh. 30, geb. 33 RM.) mit Fragen der Gewitterelektrizität, mit Staub-
Daß der 4. Band des bekannten Lehrbuchs explosionen oder vulkanischer Elektrizität (Stäger)
gegenüber der letzten, im Jahre 1909 erschienenen sowie mit dem Einfluß von Boden-, Blüten- oder
Auflage eine völlig andere Gestalt angenommen Schneestaub (s, u. a. Kähler!) auf das Potential-
hat, erklärt sich aus der in mancher Beziehung gefälle beschäftigende Luftelektriker sei besonders
tiefgreifenden Wandlung der grundlegenden An- auf das 4, Kapitel des ersten Abschnitts im Teil-
schauungen über das Wesen der Elektrizität und band I hingewiesen, in welchem eine alles Wesent-
des Magnetismus, aus dem gewaltigen weiteren liche berücksichtigende Übersicht über die elek-
Ausbau der Apparatur und der Messungsmethoden jrische Spannungsreihe (Cöhnsche Regel usw.)
sowie aus dem Hinzukommen damals noch völlig die Wasserfallelektrizität und den Sprudeleffekt
unerschlossener Teilgebiete. Der erste Band be 3owie die sich an die Namen Lenard, Cöhn,
handelt der Reihe nach: 1. das konstante elek« Böning, Israel, Tagger u. a. knüpfenden Er-
trische Feld, 2. das konstante und 3. das ver. klärungsversuche der Reibungselektrizität gegeben
änderliche elektromagnetische Feld, der zweite die wird, ebenso aber auch auf die vorzügliche Er-
elektrischen Maschinen und die elektrische Kraft. örterung der Ausmessung des elektrostatischen
übertragung sowie das schnell veränderliche elek- Feldes (Methoden der Rechnung, Sondenmethoden,
tromagnetische Feld (drahtlose Telegraphie und Beispiele) Weiter sei der sich mit der elektrischen
Telegraphie und Telephonie auf Leitungen). Die Leitfähigkeit der Atmosphäre, mit dem Potential-
mit der Struktur der Materie (Atomphysik) zu- gxefälle, der atmosphärischen Radioaktivität sowie
sammenhängenden Fragen sollen aus naheliegen. mit der durchdringenden Strahlung beschäftigende
den Gründen in den nächsten beiden Bänden be- Forscher nachdrücklichst auf das die verschiedenen
handelt werden. Elektrometer, ihre Theorie und Schaltweise, ihre
Aus dem in wahrhaft erschöpfender Weise Vorteile und Nachteile usw. behandelnde Kapitel
alles Wissenswerte mit Unterstützung der wichtig- ı verwiesen. Nicht nur diesem, sondern auch dem
1!) Rundschr, d. Internat, Polarjahr- Kommiss, Nr. XXX, Ziff.1. — % G. Nenmayer: Die
internat. Polarforschung 1882-—1883. Die deutschen Exped. Hamburg 1890, Bd. II, S. 1—60.