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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Wislicenus: Die Forschungsreise des französischen Kriegsschiffes „Manche“. 181 
auf das Kap Thordsen, den Stationsort der früheren schwedischen Polarexpedition 
gestiegen und hatte dort die Fallbeschleunigung zu 9,82866 in 52m Höhe 
über dem Meere bestimmt. Gleichzeitig machte Lieut. Carfort in der 
Recherche- und Manche-Bai Gezeitenbeobachtungen; vorher waren an mehreren 
Stellen in Reykjavik und im Patrixfjord auf Island ebensolche Beobachtungen 
gemacht worden. Es zeigte sich, dafs die Gezeiten in Spitzbergen schwächer 
als in Island sind, und dafs ihre Höhe überhaupt abnimmt, je mehr man sich 
dem Pole nähert. 
Magnetische Beobachtungen wurden auf allen Stationen von Lieut. 
Exelmans gemacht. Es zeigte sich dabei, dafs die magnetischen Störungen, 
denen der Kompafs in Island unterworfen sein soll, eben so sehr in das Reich 
der Fabel gehören, wie die Störungen, die infolge von „Lokalattraktionen‘“ nach 
Jahrhunderte alten und immer wieder aufgefrischten Berichten beim Kap 
Finisterre stattfinden sollen. Das Wahre an der Sache ist, dafs freilich die 
Horizontalintensität des Erdmagnetismus sehr schnell abnimmt, je mehr man 
sich dem Pole nähert, infolge wovon geringe örtliche Einflüsse erhebliche 
Abweichungen der Nadel erzeugen und die Nadel bei jeder Ablenkung nur 
Jangsam in ihre richtige Lage zurückkehrt. Die an Land angestellten Beob- 
achtungen haben aber selbst unter den ungünstigsten Verhältnissen, besonders 
zu Reykjavik, ergeben, dafs diese Störungen nie größer als 2° bis 3° werden. 
Auf dem. Meere ist dieser Einflufs natürlich infolge der viel gröfseren Ent- 
fernung von grofsen Gesteinsmassen viel geringer. Ks kann daher gar nicht die 
Rede davon sein, dafs derartige magnetische Störungen jemals für Fischerfahr- 
zeuge, bei denen es gewifs nicht. auf */s Strich Fehlweisung ankommt, schädlich 
werden könnten. Die Fehler, die durch die veränderlichen Strömungen in das 
Besteck gebracht werden, sind stets unvergleichlich viel größer. 
Neben den gewöhnlichen meteorologischen Beobachtungen wurden auch 
fortlaufende Aufzeichnungen eines Barographs und eines Anemometers gewonnen, 
so wie Messungen über Temperatur und Dichtigkeit des Seewassers an der Ober- 
fläche und einige Tiefseetemperaturen. 
Von Pflanzen und Fossilien konnten auf Jan Mayen und auf Spitzbergen reich- 
haltige Sammlungen angelegt werden. Einige Pflanzenversteinerungen vom Kap 
Lyell dürften das Werthvollste darunter sein. Die Treibholzproben werden viel- 
leicht noch einige Aufschlüsse für die Oceanographie geben. Niedere Thiere wurden 
sowohl auf hohem Meere als auch auf dem Lande und in der nördlichen Lagune 
auf Jan Mayen gefangen. Die wenigen Wirbelthiere, deren man habhaft wurde, 
gaben eine interessante Ausbeute an Eingeweidewürmern. 
Während des 9. August wurden die an Land geschickten Beobachter 
wieder eingeschifft; dann dampfte die ‚„Manche‘“ wieder in die Advent-Bucht. 
Alle Fahrten wurden zu Vermessungen ausgenutzt, und gleichzeitig eine grofse 
Zahl von Küstenansichten photographisch aufgenommen, Am 11. August 
dampfte die „Manche‘“ nach Green-Harbour, konnte dort aber keinen Ankerplatz 
finden, da noch in 200m Abstand vom Lande 60 m Tiefen sind. Schlielslich 
wurde die bisher ganz unbekannte äufsere Küste der Prince - Charles-Insel im 
Vorbeidampfen vermessen. Der Kommandant beabsichtigte, bei günstigem Winde 
bis zur Eisgrenze nordwärts zu segeln, doch auf 78° 30’ N-Br trat frischer Nord- 
wind ein, deshalb wurde, um Kohlen zu sparen, in den Bell-Sund zurückgelaufen. 
Dort wurden noch einige hydrographische Arbeiten vollendet. Am westlichen 
Gletscher der Recherche-Bai konnte von Lieut. Carfort aus mehrtägigen 
Beobachtungen eine jährliche Bewegung von nur 30m festgestellt werden, Der 
östliche Gletscher hatte sich seit der letzten, 1838 angestellten Beobachtung 
sehr ‚verändert; er ist um 2300 m zurückgetreten und hat an dem von ihm ver- 
Jassenen Platz Wassertiefen bis zu 60 m zurückgelassen. 
. Am 15. wurde endgültig die Recherche-Bai verlassen und längs der 
Küste von Spitzbergen südwärts gesteuert; am 16. kam das Land aus Sicht. 
Am 19. August wurde Tromsö erreicht und dort bis zum 25. verweilt; 
nach längerem Aufenthalte in Bergen und Christiania erreichte die „Manche“ 
am 23. September Kopenhagen. Am 29. September verliels die „Manche“ diese 
Stadt und traf nach stürmischer Ueberfahrt am 7. Oktober in Cherbourg 
wieder ein.
	        
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