Dinklage: Rasche Reisen deutscher Segler,
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Genaueste folgte. Der „Adolf“ kam am 26. September 1892 — einer sehr un-
yünstigen Jahreszeit für die Fahrt nach der Linie — von Philadelphia in See,
schnitt, wie es die Seewärte empfiehlt, den Parallel von 30° N-Br beinahe 7°
östlicher als auf Maury’s Route, in 36° W-Lg und gelangte in 29,7 Tagen —
9 Tage weniger als das Mittel nach Maury’s Tabellen — in 26° W-Lg zum
Aequator. Von seiner günstigen östlichen Stellung aus hatte das Schiff eine
freie und rasche Fahrt nach den höheren südlichen Breiten, Die frische Briese
holte von der Passatrichtung ganz allmählich und ohne abzuflauen durch Ost
nach Nord und setzte sich schon nach dem ersten Rundlauf im westlichen Halb-
kreise fest. Auf der 6110 Sm langen Strecke, welche das Schiff südlich von
30° S-Br zurücklegte, hielt es eine mittlere Fahrgeschwindigkeit von nahezu
9 Knoten ein, Unter den 29 dort zugehrachten Etmalen waren nur zwei unter
150, dagegen 19 über 200 Sm. Das schlechteste Etmal war 136 Sm. Das beste
von 308 Sm wurde vom 9. zum 10. November in ungefähr 38° S-Br und 10° W-Lg
dei Sturm aus NW bis SW gutgemacht; das rasche Schiff kam dabei für längere
Zeit auf eine Fahrt von 14 Knoten. Aufser an dem erwähnten Tage hatte das
Schiff während der ganzen Zeit, die es in südlicher Breite zubrachte, kein stür-
misches Wetter. Kapt. Scheepsma nahm seine Route über 44° S-Br; er er-
reichte 0° Länge in 405° S-Br am 12. November, in nur 17 Tagen von der
Linie, und 80° O-Lg in 41,2° S-Br nach weiteren 18 Tagen am 30. November.
Der fernere Weg wurde, da es die Jahreszeit des Nordostmonsuns in den ost-
asiatischen Gewässern war, durch die Ombai- und die Djilolo-Strafßse genommen.
Auf nördlich gerichtetem Kurse ging „Adolf“ in 105° O-Lg wieder in das Passat-
gebiet hinein, kam am 24. Dezember, dem 89. Tage der Reise, in die Ombai-
Strafe und passirte acht Tage später 0° Breite in der Djilolo-Strafse. Am
28. Januar vormittags kam das Schiff wohlbehalten im Hafen von Nagasaki zu
Anker. Seine Reise von 124 Tagen ist drei Tage kürzer als die bis dahin be-
richtete schnellste des „Khorasan“, Kapt. J. A. Visser, welcher am 7. Sep-
tember 1882 den Kanal verliefs und durch die Ombai- und die Djilolo-Strafse in
127 Tagen Yokohama erreichte.
Unter den Rückreisen von Ostindien sind hier die des schon erwähnten
Hamburger Viermasters „Euterpe“ von 92 Tagen von Kalkutta, sowie die der
Hamburger Bark „Papa“ von 81 und die des Bremer Vollschiffes „Columbus“
von 79 Tagen von der Sunda-Strafse nach dem Kanal aufzuführen. Die kritische
Stelle auf dem Rückwege von Indien, wo vornehmlich es sich entscheidet, ob
die Reise kurz oder lang wird, ist beim Kap der Guten Hoffnung. Ferner ist
es der Nordatlantische Ocean, wo durch anhaltende Windstillen und östliche
Winde oft eine lange Verzögerung entsteht, während zu anderen Zeiten diese
Strecke sehr-rasch zurückgelegt wird. Die Fahrt durch den Südatlantik verläuft
ziemlich regelmäfsig, aber gewöhnlich nicht sehr rasch; denn wenn der Wind
auch fast immer günstig ist, so ist er doch für die Segellage, in welcher sich
die Schiffe befinden, nämlich platt vor dem Winde, viel zu schwach. Auch die
erste Strecke, welche die von China oder aus der Bai von Bengalen kommenden
Schiffe zurückzulegen haben, nimmt selbst bei günstigem, mehr natürlich noch
bei konträrem Monsun fast immer eine lange Zeit in Anspruch. Die beste Ge-
legenheit zum Gutmachen einer Reihe grofser Distanzen finden die Schiffe auf
diesen Reisen auf der langen Wegstrecke, die sie mit dem Südostpassat des
Indischen Oceans absegeln. Sie verfolgen hier ungefähr Westsüdwestkurs, haben
also den Wind aus günstigster Richtung, nämlich raum von der Seite, und da
der Passat gewöhnlich frisch und selbst steif weht, so kann hier ein grofses und
rasches Schiff zur vollen Entwickelung seiner Segelfähigkeit kommen.
Der Viermaster „Euterpe“ trat seine Reise von Kalkutta nach Dundee in
der ungünstigen Jahreszeit der Monsunkenterung an. Er kam am 16. Oktober 1891
in See und gelangte, obschon Kapt. Krause, um den im nördlichen Theile der
Bai schon eingesetzten leichten Nordostwind möglichst lange zu behalten, die
Route richtigerweise längs der Westseite der Bai nahm, erst nach 18 Tagen
zum Aequator. Hier traf es das Schiff insofern glücklich, als es schon in 2° S-Br
den Südostpassat erhielt, mit dem es in nur fünf Tagen, vom 5, bis zum
10, November, 1128 Sm zurücklegte. Jenseits 70° O-Lg war der Wind ver-
änderlicher, doch wurden auch noch mehrmals sehr gute Eimale gemacht, so
dafs die ganze Fahrt von der Linie bis 40° O-Lg nicht mehr als 20 Tage in