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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1893.
anstatt westlich, östlich von den Nikobaren gegangen, was bei der angetroffenen
Gelegenheit wohl möglich gewesen wäre, so hätte es wahrscheinlich die aller-
rascheste Reise nach den Reishäfen gemacht. So, wie es die Route nahm, wurde
es durch den später östlich holenden Wind zu einem mehrtägigen Kreuzen ge-
nöthigt und erreichte erst nach weiteren 17 Tagen einen Ankerplatz bei China
Bakir vor dem Rangun-Flusse. Immerhin bleibt die Reise der „Etha Rickmers“
— 90 Tage ab Lizard —, ausgenommen die des „Fürst Bismarck‘ von 86 Tagen
nach Bassein, die rascheste, über welche berichtet worden ist. Von der Weser
aus gerechnet — 92 Tage — ist sie vielleicht die kürzeste von allen.
Eine sehr gute Reise machte auch der 2816 R. T. grofßse eiserne Vier-
master „Peter Rickmers‘‘, Kapt. H. Andresen, nach dem beklagenswerthen
Verlust der „Maria Rickmers“ jetzt wieder das gröfste Segelschiff der deutschen
Handelsflotte, der im November 1891 von Cardiff nach Oleleh an der Nordküste
von Sumatra in See ging. Am 253. November passirte das Schiff Lundy Island.
Bis 28° N-Br traf es keine besonders günstige Gelegenheit; der Wind war, wenn
auch nicht entgegen, doch meistens zu flau. Besser ging es im Nordostpassat,
der das Schiff auf der Route östlich der Kapverden rasch südwärts brachte. Da
Kapt. Andresen, wie es im Winter rathsam, nachdem die Inseln passirt, einen
ziemlich westlichen Kurs steuern Hefs, so ging auch der Uebergang vom Nord-
ost- zum Südostpassatgebiet ohne viel Aufenthalt durch Windstille vor sich. Am
17. Dezember, 74 Tage ab Lundy Island, wurde in 29,5° W-Lg die Linie über-
schritten. Der zweite Wegesabschnitt, von 0° Breite bis 0° Länge, uahm die
ziemlich lange Zeit von 26 Tagen in Anspruch. Der Wind‘ ging nach seinem
ersten Umlaufen an der polaren Passatgrenze wieder für längere Zeit auf Süd,
weshalb das Schiff keine Breite gewinnen konnte und sich zu lange mit den
leichten Luftzügen des südatlantischen Hochdruckgebietes abmühen mußte, Da-
gegen machte es wieder eine sehr gute beständige Fahrt auf dem Wege ostwärts,
den es über 44° S-Br nahm. In den 20 Tagen vom 8. bis zum 28, Januar 1892,
von 20° W-Lg bis 80° O-Lg, durchrannte der grofse Viermaster 4450 Sm, hielt
also eine Durchschnittsfahrt von 9!/4 Knoten. Die beste Segelung war vom 13.
bis zum 21. Januar mit Etmalen von 255, 266, 265, 230, 285, 222, 247 und
245 Sm. Der Wind wehte steif bis stürmisch und stetig zwischen NW und SW.
Im Südostpassat des Indischen Oceans traf „Peter Rickmers“ im Ganzen nicht
so frische Briese wie die vorgenannten Schiffe, kam jedoch bei 12° S-Br für
einige Wachen auch auf 12 Knoten. Am 14, Februar, dem 83, Tage auf See,
wurde auf dem Wege nach Norden die Linie gekreuzt. Die ganze Reise von
Lundy Island nach Oleleh, wohin „Peter Rickmers“ am 19. Februar gelangte,
hatte eine Dauer von nur 88 Tagen.
Die „Elisabeth Rickmers‘“, eine hölzerne Bark von 1245 R. T., ist eines der
älteren Schiffe der Rickmers’schen Rhederei und bei Weitem kein so guter
Segler, wie die vorerwähnten Ostindienfahrer, besonders tief beladen mit Kohlen.
Unter günstigen Umständen kommt sie bei solchem Tiefgange kaum über
10 Knoten. Sie verdankt ihre rasche Reise von Cardiff nach Singapore, zu
welcher, da sie in die Jahreszeit des Südwestmonsuns fiel, die Route durch die
Sunda-Strafe genommen wurde, aufßser der guten Führung des Kapt. J. Heins,
vor Allem dem gleichmäfsig günstigen Winde, der auf allen Wegstrecken an-
getroffen wurde. Die Bark machte nirgends besonders grofse Distanzen gut,
wurde aber auch nirgendwo ungewöhnlich lange aufgehalten. „Elisabeth Rickmers“
kam am 18. März 1892 vom Bristol-Kanal in den offenen Ocean, passirte nach
26 Tagen die Linie, 25 Tage später den ersten Meridian, nach weiteren 20 Tagen
80° O-Lg und gelangte am 12, Juni nach 86tägiger Fahrt in die Sunda-Strafse.
Die ganze Reise bis Singapore wurde in 93 Tagen vollendet, das ist 16 Tage
weniger als das Mittel und zwei Tage länger, als die kürzeste, die von einem
Mitarbeiter der Seewarte ausgeführt worden ist.
Während diese Zusammenstellung gemacht wird, geht noch das Journal
einer Reise des Bremer eisernen Vollschiffes „Adolf“, Kapt. A. Scheepsma,
von Philadelphia nach Nagasaki ein, welche auch die rascheste ist, die sich in
den Berichten vorfindet. Sie ist insofern noch von besonderem Interesse, als
der Kapitän einer der ersten ist, dem bei der Führung seines Schiffes das von
der Seewarte herausgegebene Segelhandbuch für den Indischen Ocean zur Seite
stand, und das Journal beweist, dafs er den darin gegebenen Rathschlägen aufs