172 Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, Mai 1893.
hatte eine Dauer von nur 87 Tagen; das ist nur einen Tag mehr als die bis
dahin berichtete rascheste Reise des „Fürst Bismarck“ nach Bassein im Jahre 1878,
doch ist zu bemerken, dafs die Letztere in die ungünstigere Jahreszeit des Nord-
ostmonsuns fiel.
Die „Hera“, Kapt. O0. Romberg, ebenfalls ein eiserner Viermaster von
nahezu gleicher Gröfse wie „Euterpe‘, verliefs, auf derselben Reise von Hamburg
nach Kalkutta begriffen, am 21. Juli 1891 den Kanal. Auch diese Reise war in
ihrer ersten Hälfte keine besonders rasche. Im Nordatlantischen Ocean war der
Wind zwar fast immer aus günstiger Richtung, aber viel zu leicht für das grofse
Schiff, und besonders wurde zwischen 22° und 11° N-Br, wo Kapt. Romberg
die Route westlich der Kapverden nahm, der Nordostpassat sehr flau und un-
beständig angetroffen, Ebenso fand im Südostpassatgebiet, obschon „Hera“ ge-
nügend weit östlich stand, um den störenden Einfluß der Brasil-Küste zu ver-
meiden, zwischen 7° und 10° S-Br wieder eine mehrtägige Unterbrechung der
Fahrt durch Stille und Mallung statt. Immerhin gelang es, die Strecke vom
Kanal nach der Linie in 26 und die von der Linie nach 0° Länge in 22 Tagen
zurückzulegen. Die hervorragende Leistung, durch welche diese Reise sich aus-
zeichnet, begann jedoch erst auf der Höhe von Tristan da Cunha, welche Insel
das Schiff an der Nordseite in etwa 90 Sm Abstand am 4. September passirte.
Von hier an lief „Hera“ vier Wochen lang mit ununterbrochenem, günstigem
Winde, zuerst mit den steifen, oft stürmischen Winden aus SW und NW der
höheren südlichen Breiten und dann, nördlich aufbiegend, mit dem strammen
Südostpassat des Indischen Oceans und legte in dieser Zeit nicht weniger als
6132 Sm zurück. Es ergiebt sich daraus ein mittleres Etmal von 219 Sm und
eine Durchschnittsfahrt von über 9 Knoten. Wir können uns nicht versagen,
die gutgemachten täglichen Distanzen der Reihe nach hier aufzuführen, da nichts
besser die Beständigkeit der treibenden Windkraft kennzeichnet, wie sie in
gleichem Mafse aber auch wohl in keinem anderen Meeresstriche gefunden wird.
Zuerst im Gebiet der vorherrschenden Westwinde, von 355° S-Br und 11° W-Lg
über 42° S-Br und 30° O-Lg nach 30° S-Br und 83° O-Lg, vom 4. bis zum
25, September: 204, 213, 240, 210, 217, 236, 243, 229, 110, 242, 170, 240, 236,
236, 181, 149, 262, 186, 282, 220, 224 Sm; im Uebergangsgebiet, von 30° S-Br
nach 26° S-Br und 85° O-Lg, vom 25. zum 27. September: 137, 154 Sm; im Südost-
passat, von 26° S-Br nach 4° S-Br und 86° O-Lg, vom 27. September bis zum
2, Oktober: 284, 287, 276, 263, 201 Sm. Den Aequator erreichte „Hera“ am
5. Oktober, dem 76. Tage der Reise. Hätte Kapt. Romberg jetzt auf dem
Wege die Bai von Bengalen hinauf dieselbe günstige Gelegenheit angetroffen,
wie Kapt. Krause, so würde er die ganze Reise in noch vier Tagen weniger
— 83 anstatt 87 — gemacht haben; aber unglücklicherweise kam er gerade in
der Jahreszeit des Monsunwechsels hierher und fand in der Bai, obschon er, wie
richtig, an der Ostseite derselben hinaufsteuerte, fast nichts wie Stille und
Mallung. Die letzte kurze Strecke nahm infolge dessen noch 20 Tage in An-
spruch, und die ganze Dauer der Reise wuchs zu 96 Tagen an — immerhin
auch noch ein sehr gutes Resultat.
Unter den Rickmers’schen Schiffen, welche hier zu erwähnen sind, trat
zuerst der 22108. T. grofse eiserne Viermaster „Robert Rickmers“, Kapt. H. Bruhn,
seine Reise nach Ostindien an. Das Schiff war am 1. Oktober 1891 von Bremer-
haven in See gekommen, traf dann in der Nordsee aber anhaltend sehr stür-
misches Wetter aus Westen, so dafs es drei Wochen lang zurückgehalten wurde.
Erst am 24. Oktober setzte östlicher Wind ein; mit diesem passirte „Robert
Rickmers‘“ am 25. Oktober um 7° 30” abends Dover und rannte nun in 24 Stunden
durch den Kanal (von Dover bis Lizard 265 Sm). Am 26. Oktober um
7 30” abends wurde Lizard passirt und damit die eigentliche Seereise begonnen.
Der östliche Wind hielt bis 39° N-Br an; es folgten fünf Tage mit ebenfalls
günstigen westlichen Winden und dann von 26° N-Br ein steifer Nordostpassat,
mit dem der Viermaster auf der Route westlich der Kapverden in fünf Tagen
1156 Sm zurücklegte. Mit dem in 6,5° N-Br nach sehr kurzer Windstille ein-
setzenden Südostpassat wurde am 14. November, nach einer sehr raschen Fahrt
von 19 Tagen in 30,5° W-Lg die Linie überschritten. Kapt. Bruhn lief, als
er die Fahrt vom Kanale antrat, mit dem östlichen Winde zunächst gut westlich
steuern und blieh infolge dessen an der West-, d. i. günstigen Wind-Seite einer