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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 21 (1893)

Moderne Meteorologie, 
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Das unzweifelhafte Verdienst des Verfassers ist, dafs er seine Theorien 
nicht aus Bücherstaub, sondern aus aufmerksamer Naturbeobachtung in jüngeren 
Jahren gezogen hat. Hierin. unterscheidet er sich höchst günstig von vielen 
fruchtbaren Köpfen, welche ihre, Hypothesengebäude ganz ohne eigenes Sehen 
am Studirtisch konstruiren. Hoffen wir, dafs auch die „moderne Meteorologie“ 
durch steten Anschlufs an Beobachtung und Experiment vor dem Versteinern 
geschützt und in Flufs erhalten wird, sonst wird auch sie natürlich der gewaltsamen 
Abtragung nicht entgehen können, wenn Besseres an die Stelle zu setzen ist! 
Dafs in der That die Meteorologie auch heute in dem stetigen Um- 
schmelzungs-Processe begriffen ist, welcher das Kennzeichen jeder lebendigen 
und besonders jeder jungen Wissenschaft ist, dies tritt uns recht deutlich in dem 
zweiten, eingangs erwähnten Werke eines Amerikaners, in Waldo’s „Modern 
Meteorology“, entgegen. Dasselbe ist zum gröfsten Theile der Darlegung von 
Untersuchungen deutscher Forscher aus den letzten zehn Jahren gewidmet. 
Herr Waldo, früher Professor am Signal Service in Washington, bekennt sich 
in der Vorrede als Schüler der „German school of Meteorology“ und sieht seine 
Aufgabe darin, deren Ergebnisse besonders denjenigen von seinen Landsleuten 
näher zu bringen, welche eine Vorliebe für meteorologische Studien, aber wenig 
Zutritt zu den Originalquellen haben. Allein auch für solche, denen dieser Zu- 
tritt leichter ist, wird diese Nebeneinanderstellung: von den Hauptbewegungen 
der neuesten Zeit in unserer Wissenschaft anregend und in manchen Punkten 
jehrreich sein. Wie man es nach seinen bisherigen Arbeiten erwarten konnte, 
hat Herr Waldo sein Augenmerk besonders auf theoretische Meteorologie und 
auf Instrumente gerichtet. 
Das erste Kapitel behandelt die „Quellen der modernen Meteorologie“, 
die Organisationen, Veröffentlichungen und internationalen Vereinbarungen. 
Schmid’s Lehrbuch (1860) bot einen vortrefflichen. Abschlufs der älteren 
Meteorologie, Buchan’s „Handy Book“ (1867-—-68) ist die erste Formulirung 
der neuen Strömung, eine weitere Fassung erhält .dieselbe in Mohn’s „Grund- 
zügen der Meteorologie“ (1875) und in Blanford’s „Indian Meteorologist’s 
Vade-Mecum“ (1876—77). Dann kamen die fruchtbaren Jahre 1883—85, welche 
Hann’s „Klimatologie“, Sprung’s „Lehrbuch der Meteorologie“, van Bebber’s 
„Praktische Witterungskunde“ und Ferrel’s „Recent Advances in Meteorology“ 
brachten, zu gleicher Zeit mit der Gründung der deutschen und der neuenglischen 
meteorologischen Gesellschaften und mehrerer meteorologischer Zeitschriften 
(vgl. oben S. 74). Aufser der stetig wachsenden Zeitschriften-Litteratur wurden 
sodann die Jahre 1887—91 durch gröfßsere Werke von Abercromby, van 
Bebber, Blanford, Brückner, Hann, Scott u. A. bezeichnet. Mit Genug- 
ihuung konstatiren wir, dafs auch die Lücke, welche der Verfasser am Schlufs 
seiner Aufzählung hervorhebt und klar definirt, seit 1891 durch die ihm offenbar 
unbekannt gebliebene „Anleitung zur Bearbeitung meteorologischer Beobachtungen 
für die Klimatologie“ von Dr. Hugo Meyer grofsentheils ausgefüllt ist. 
Im zweiten Kapitel behandelt Herr Waldo ziemlich eingehend Instrumente 
und Methoden; in diesem Abschnitt allein geht er theilweise auch auf die ältere 
Geschichte der Meteorologie zurück. Die wichtigsten Instrumente (einschliefslich 
einiger Präcisions- und Registrir-Apparate) werden hier beschrieben und ab- 
gebildet, auch die Thermometer-Aufstellung, die Barometer-Vergleichungen und 
Bergobservatorien finden Besprechung. Als Urbild des jetzt so verbreiteten 
Robinson’schen Anemometer-Schalenkreuzes werden auf S. 113 zwei kalmückische 
Gebetmühlen abgebildet. 
Kapitel 3 handelt von der Thermodynamik der Atmosphäre, und zwar 
von dem vorwiegend von Herrn von Bezold in die Meteorologie eingeführten 
Standpunkt der graphischen Analyse aus. Nach einer geschichtlichen Darstellung, 
die von Watt’s Indikator-Diagramm ausgeht, werden hier die Untersuchungen 
von Bezold’s und die graphische Tafel von Hertz vorgeführt, welch Letztere 
aus der „Meteorologischen Zeitschrift“, Bd. 1884, wieder abgedruckt ist. 
Kapitel 4 ist den allgemeinen und Kapitel 5 den sekundären Bewegungen 
der Atmosphäre gewidmet. Nach einem Rückblick auf Ferrel’s Untersuchungen 
werden diejenigen von W. v. Siemens, M. Möller, Oberbeck, Hann und nament- 
lich jene der Heıren v. Helmholtz und v. Bezold kurz geschildert. Die
	        
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