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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1893.
5. Die Kommission darf sich durch Kooptation verstärken und hat ihre
Ergebnisse möglichst bald ganz oder theilweise abgeschlossen zu veröffentlichen.
Dieselben werden dem Geographentag von 1895 und eventuell einem geeignet
erscheinenden internationalen Kongresse zur Beschlufßsfassung vorgelegt.
Nach eingehender Diskussion nahm der Geographentag den folgenden
Antrag des Herrn Prof. Freiherr v. Richthofen-Berlin an:
„Der X. Deutsche Geographentag erklärt sich mit den Punkten 1 und 5
des Köppen’schen Antrages einverstanden und ernennt zu Mitgliedern der im
Punkt 1 des Köppen’schen Antrages verlangten Kommission:
1. das Kaiserliche Hydrographische Amt,
2. die Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin,
3. das Institut Justus Perthes zu Gotha,
öhne Rücksicht auf bestimmte Persönlichkeiten.“
Moderne Meteorologie.
Zwei vor Kurzem erschienene Schriften, in welchen die obige Bezeichnung
eine bedeutende, wenn auch ganz verschiedene Rolle spielt, geben uns Ver-
anlassung, einen Blick auf gewisse Züge in der augenblicklichen Lage der
Meteorologie zu werfen; es sind dies:
Wm. Blasius: Drei Vorträge über Meteorologie. Braunschweig 1892,
52 S. 8°, und
Frank Waldo: Modern Meteorology, an outline of the growth and
present condition of some of its phases. With 112 illustrations. London,
Walter Scott, 1893, XXIIE und 460 8. kl. 8°.
Herr Wm. Blasius, welcher etwa 40 Jahre in Amerika gelebt hat, war
bald nach seiner Ankunft daselbst in der Lage, die grofsartigen Zerstörungen
eines Tornados in West-Cambridge, Mass., im August 1851 an Ort und Stelle
eingehend zu studiren. Hieran bildete er sich eine Theorie über Entstehung
und Verlauf der Stürme aus, die er in den nächstfolgenden Jahren durch auf-
merksame eigene Beobachtung des Wetters und besonders der Wolken auch in
Bezug auf die räumlich ausgedehnteren Stürme ausbaute. Seitdem hat er in
Allem nur Bestätigungen seiner Theorie gesehen, und solchen Bestätigungen
einerseits und Angriffen auf abweichende Ansichten andererseits ist auch die
vorliegende kleine Schrift gewidmet,
Die Theorie des Verfassers ist ausführlicher dargelegt in einem Buche
„Storms, their nature, classification and laws“ (Philadelphia 1875) und einem
Aufsatze in der „Oesterr. Meteor. Zeitschr.“ 1877. Die durchweg originelle Auf-
fassung und Darstellung des Verfassers, sein völliger Verzicht auf die Hülfsmittel
der neueren Meteorologie — Wetterkarten und Meteorogramme — machen es
sehr schwierig, dem Wege seiner Gedanken zu folgen. KEine Vorstellung dessen,
worum es sich handelt, wollen wir versuchen, unsern Lesern aus dem vorliegenden
Schriftchen selbst zu geben, indem wir an das anknüpfen, was‘ dem nautischen
Publikum am nächsten liegt: das Schicksal eines Schiffes auf See. Der Verfasser
— einst Professor in Philadelphia, jetzt in Braunschweig — sagt im Vorwort:
„Im Begriffe, zwei der folgenden Vorträge dem Drucke zu übergeben,
kam im Philadelphia Publie Ledger vom 3. September d. J. der Bericht über
einen furchtbaren Orkan zu meiner Kenntnifs, welchem Kapt. Boggs vom
Passagier-Dampfschiff „Indiana“, Amerikanische Linie, mit 337 Passagieren nur
wie durch ein Wunder entkommen ist. , . In den meisten Fällen dieser Art werden
Schiff und Mannschaft das sichere Opfer falscher Theorie und gehen einem
plötzlichen Untergange entgegen. . . Da dieser Sturm offenbar ein Hochdrucksturm
in Verbindung mit Wirbeln, daher den Braunschweiger Stürmen am -1. Juli (1891)
ähnlich, obgleich stärker war, so wird der Leser... die gefährliche Situation,
in die das Schiff durch Unkenntnifs dieser Art Stürme geführt wurde, einsehen
und begreifen lernen. ... Der Seemann aber, namentlich der Führer eines
Dampfschiffes, kann einer solchen Gefahr, welcher Kapt. Boggs infolge falscher
Segelregeln sorglos entgegenfuhr, wohl immer aus dem Wege gehen; denn die