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Annalen der Hydrographie und Maritimen Meteorologie, April 1893.
Die Bewölkung bot im westlichen und östlichen Theil erhebliche Unter-
schiede. Im westlichen Theil etwa bis zum 66. Längengrad wurde klarer, hell-
blaugrauer Himmel mit geringer (3 bis 4) dünner, lichtgrauer, schleierförmiger
Bewölkung beobachtet, der Horizont hatte einen hellweifsgrauen Farbenton ohne
jede gelbliche oder röthliche Beimischung. Abends nahm die Bewölkung erheb-
lich zu, ihre Färbung wurde dunkler, die Wolken selbst stellten dicke, klumpige,
nicht konfluirende Ballen dar mit windverwehten Rändern. Zwischen ihnen waren
die Gestirne klar und deutlich sichtbar. Leichte, schnell vorübergehende Regen-
böen erfolgten täglich. Vom 66. Längengrad an wurden die klimatologischen Ver-
hältnisse durch die häufigen, sehr starken, an einzelnen Tagen fast unaufhörlichen
Regengüsse beherrscht, welche nur zwischen dem 77. und 88, Längengrad, offen-
bar unter dem Einflufßs des Kontinentalklimas von Vorderindien, bei nördlichem
Wind ganz oder fast ganz aussetzten. In dieser Zeit wurde Wetterleuchten im
Norden beobachtet sowie Cirruswolken im Zenit bei klarem Himmel. Während
der übrigen Tage war die Bedeckung eine fast vollkommene, der Himmel gleich-
mäßig grau, der Horizont von dunklen, nach dem Zenit hin lichter werdenden
Wolken ca 20° hoch umsäumt. Die Sonne wurde während der Zeit stets nur
für 1 bis 2 Stunden tagsüber sichtbar, am 18. und 19. gar nicht.
Auf der Rückreise vom 28. Oktober bis 8. November wehten im östlichen
Theil des Indischen Oceans kräftige westliche Winde, vorzugsweise aus WSW
kommend, mit einer Stärke von 3 bis 5. Am 5. November erfolgte unter
63° O-Lg, nachdem nur einige Stunden lang wechselnde Winde bestanden hatten,
unter sehr heftigem Regen der Umschlag in den Nordostmonsun, der von da an mit
vorzugsweise Nordnordostrichtung bis in den Eingang des Golfs von Aden das
Schiff begleitete. Im östlichen Theil des Indischen Oceans bis zur Südspitze von
Ceylon war der Himmel gleichmäfsig grau bezogen, die Bewölkung während des
gröfsten Theiles des Tages eine vollkommene, die Sonne nur vorübergehend
sichtbar. Dabei erfolgten, anfangs böig, dann nach Westen hin immer mehr
einen kontinuirlichen Charakter annehmend, sehr reichliche Regengüsse. Mit
dem Passiren von Ceylon, während dessen der Westwind eine mehr nördliche
Richtung annahm, änderte das Bild sich insofern, als die Bewölkung immer
geringer, sehr bald tagsüber fast ganz auf den Horizont beschränkt wurde und
der Regen bis auf einen leichten, schnell vorübergehenden Schauer am 1. No-
vember nachmittags völlig aufhörte, dazu heller Sonnenschein von dem klaren
graublauen Himmel und wolkenlose sternhelle Nächte. Am 5. November erfolgte
die Aenderung, wie oben schon bemerkt, des Monsun unter heftigem Regen.
Letzterer dauerte mit kurzen Unterbrechungen vom Morgen bis gegen Abend des
bezeichneten Tages und hörte dann völlig für den Rest der Tropenreise auf.
Bewölkung und Barometerstand ließen unter dem Einflufs des in so schroffer Weise
vollzogenen Windwechsels keinerlei charakteristische Veränderungen während der
Fahrt durch den westlichsten Theil des Oceans gegenüber den seit Ceylon be-
obachteten Erscheinungen erkennen. Das Sinken der Temperatur um 1° (26,1°,
26,4°, 26,22° gegen 27,15°, 27,3°, 27,1° an den vorangegangenen Tagen) kann
wegen des Regens am 5. November und der von da an in höhere Breiten über-
führenden Schiffsbewegung nicht mit Sicherheit auf denselben zurückgeführt werden.
Die thermometrischen Beobachtungen ergeben während eines grofsen Theils
der in Betracht kommenden Tage im August und Oktober bezw. November nicht
das gleichförmige Bild wie im Anfang März und Mitte April. Der Grund dafür
ist in den sehr viel reichlicheren, zu wechselnden Tageszeiten erfolgenden Nieder-
schlägen mit ihrem erheblichen Einflufs auf den Gang der Wärmebewegung zu
suchen. Bemerkenswerth ist der erhebliche Temperaturabfall beim Passiren von
Guardafui und Sokotra, namentlich des Tagesmaximums (29,5° : 25,3°). In der
zweiten Hälfte August bewegen sich die Mitteltemperaturen zwischen 244° und
26,9°, die Maxima zwischen 25,3° und 29,2°; die Minima mit derselben Ge-
nauigkeit zu ermitteln, wie auf der letzten Reise, gelang wegen des Ausfalls einiger
Beobachtungstermine in den Nachtstunden nicht. In ihrer Ermangelung ist, wenn
nicht einer der während der regelmäfsigen Beobachtungsstunden ermittelten Werthe
sich als niedriger erwies, entsprechend dem Ergebnifs früherer Beobachtungen
die Temperatur 4 Uhr morgens als Minimumtemperatur angenommen worden.
Diese Werthe liegen alsdann zwischen 23° und 25°, also näher aneinander als
die Maximumwerthe (2° gegen 3,9°). Die tägliche Amplitude bewegt sich