Köppen: Verhalten der Oele und Seifen auf Wasseroberflächen, . 147
ist, dafs sie sich fast wie starre Körper verhalten. Darauf bezieht sich denn
auch vielleicht ein Satz von Herrn Quincke (Wied. Ann. 35, 1888, S. 589):
„Die freie, von Luft begrenzte Oberfläche einer Flüssigkeit wird unbeweglich,
sobald eine dünne Schicht einer fremden . Flüssigkeit sich auf derselben aus-
gebreitet hat.“ In so weitgehender Fassung ist der Satz allerdings schon darum
nicht aufrecht zu erhalten, weil Oelhäutchen diese Starrheit nicht zeigen: ‚sie
ziehen wohl der Nadel nach, aber sie lassen sich nicht von derselben als Ganzes
vorwärts stoßen. In Pogg. Ann. 139, S. 71, hatte ihn Herr Quincke 1877
bedeutend vorsichtiger gefalfst.
Ein Tropfen Seifenlösung auf einem Teller Wasser genügt, die Ausbreitung
von ungereinigtem Rüböl und der „schwächeren“ Oele ganz zu hindern und jene
von Leinöl, Lampenöl und Terpentinöl sehr zu verlangsamen, während der
braune Leberthran auch dann noch ziemlich rasch sich verbreitet. Nach 10
bis 12 Tropfen Seifenwasser wird selbst von Terpentinöl der Tropfen nur flach
and unregelmäßig, bleibt aber klein, und Leberthran fliefst, statt auseinander-
zufahren, ruhig in Bächen die Gassen zwischen den Seifenschollen entlang, so
dafs lange, gebogene Strahlen vom Tropfen ausgehen; aber auch er wird von
einem darauf gebrachten Tropfen Seifenwasser auseinander geschleudert.
Nach alle diesem erscheint es sehr wahrscheinlich, dafs man von Seifen-
wasser noch viel günstigere Wirkungen auf die Beruhigung der
Wellen erwarten kann als von Oel. In der That haben einige Versuche,
die ich auf Elbe und Alster angestellt habe, unzweifelhaft gezeigt, dafs die
Glättung der kleinen Wellen (Rippelungen) durch Seifenwasser noch viel rascher
and mindestens ebenso deutlich stattfindet wie durch Oel. Ein Kubikcentimeter
Seifenwasser genügte jedesmal, um in wenigen Sekunden einen mehrere Quadrat-
meter grofsen Raum ohne alle Wellenspitzen zu schaffen, welcher gegen die um-
gebende rauhe Wasserfläche scharf abstach und selbst auf den von vorbeifahrenden
Dampfern aufgeworfenen Wellenzügen klar erkennbar blieb. Gofs man gleich-
zeitig nebeneinander Seifenwasser und gereinigtes Rüböl aufs Wasser, so blieb
das Letztere zunächst grofsentheils in runden Tropfen liegen und verbreitete sich
erst, wenn es auf reineres Wasser gelangt war. In starkem Seegang habe ich
noch keine Versuche anzustellen vermocht. Doch hoffe ich, bald auch über
solche berichten zu können.
Einstweilen habe ich aber das Verhalten der Seife zu Salzwasser im
Kleinen studirt. Wie die Oele, so verbreitete sich auch die mit süßem Wasser
hergestellte Seifenlösung erheblich langsamer auf 3'/2 procentiger Kochsalzlösung
als auf reinem Wasser aus. Doch war Seife auch auf dem Salzwasser allen Oelen
überlegen. Noch viel größer zeigte sich jener Unterschied, als ich mir eine
Lösung von Seife in Salzwasser hergestellt. hatte. Um zu versuchen, ob die
Seifenlösung an Bord eventuell auch ohne das unter Umständen kostbare „frische
Wasser“ hergestellt werden kann, nahm ich 10procentige Kochsalzlösung mit
etwa 1 Promille grüuer Seife darin. Auf süßem Wasser übte auch diese so
ungünstige Lösung, frisch bereitet, wunderbare Wirkung aus, nur war die Ober-
fächenzähigkeit der Seifenfelder in diesem Falle viel geringer, so dafs keine
Schollenbildung stattfand. Auf Salzwasser breiteten sich dagegen die Tropfen
dieser Lösung gar nicht aus, während Kontroltropfen Seifenwassers ohne Koch-
salz auf demselben Salzwasser noch kräftige Ausbreitung zeigten. Nach einigem
Stehen breitete sich die Lösung auch auf Sülswasser nicht mehr aus, offenbar
wegen der Bildung von Chlorkalium und unlöslicher Natronseife, Es wird also
nothwendig sein, an Bord die Seifenlösung mit „frischem“ Wasser anzurichten.
Zum Schlufs habe ich noch einen Punkt zu berühren. Es wird häufig die
Meinung ausgesprochen, dafs die Wirkung des Oelhäutchens durch seine Zähig-
keit bedingt sei. ‚Die interessanteste Bemerkung in dieser Richtung, die ich
kenne, ist diejenige des ausgezeichneten englischen Physikers Reynolds über
„die beiden Arten von Flüssigkeitsbewegungen“, welche in Wied, Beiblättern 10,
1886, S. 217 in folgenden Worten wiedergegeben wird:
Das Streichen des Windes über eine Wasserfläche ruft zwar eine nicht
stabile Bewegung, aber nicht in Wirbeln, sondern in oberflächlichen Wellen hervor.
„Nur wenn man den Zusammenhang und die Zähigkeit der Oberfläche erhöht,
z. B. durch Aufgiefsen von Oel, bleibt die Oberfläche wesentlich ruhig, und im
Innern entstehen Wirbel.“