Köppen: Verhalten der Oele und Seifen auf Wasseroberflächen.
11
Petroleum, gereinigtes sowohl, als rohes (amerikanisches).
Gasöl (Canadol).
Olivenöl; Mandelöl; wasserheller Leberthran.
Ricinusöl; „Provenceröl“.!)
Rüböl, roh. - ;
Leinöl; Firnifs (gekochtes Leinöl); „Lampenöl“ (gereinigtes Rüböl).
Terpentinöl.
Roher (brauner) Leberthran.
51
.
ä
7.
8
In Bezug auf die Andauer der Ausbreitungsfähigkeit zeigen sich nur zwei
wesentliche Abweichungen von dieser Reihenfolge: das Ricinusöl fährt auf reiner
Wasserfläche, trotz seiner Zähigkeit, schnell auseinander, verliert aber diese
Fähigkeit, wenn die Wasserfläche geölt ist, so rasch, dafs es selbst von den
unter 3 genannten drei Oelen leicht zu einem runden Tropfen wieder zusammen-
getrieben werden kann und schon der zweite oder wenigstens dritte Tropfen
sich weniger ausbreitet als von diesen Oelen. Umgekehrt breitet sich das
„Lampenöl“ (durch. Behandlung mit Schwefelsäure von seinem Eiweifs befreites
Rüb- oder Rapsöl) auf schon geölter Oberfläche?) viel stärker aus als Leinöl
und Firnils. ‘
Vergleicht man diese Reihenfolge mit den oben angeführten Bestimmungen
von. Herrn Quineke, so sieht man eine so vollständige Uebereinstimmung, dafs
man mit Zuversicht annehmen kann, derselbe habe Leberthran in rohem Zu-
stande benutzt, und dafs man zu dem Schlufs kommt:
Die relative?) Ausbreitungsfähigkeit der Oele auf reinen Wasser-
flächen wächst mit abnehmender Summe der Spannungen der oberen
und unteren Grenzfläche des Oeles und hängt anscheinend nur von
dieser ab,
Dagegen scheint das Verhalten der Oele in der Nähe schon vorhandener
Oeltropfen auf dem Wasser zuweilen noch von anderen Ursachen beeinflulst zu
sein; wahrscheinlich in erster Linie von einer raschen Aenderung der Kigen-
schaften des Oeles, während es auf dem Wasser liegt.
_ Die abweichende Reihenfolge, welche Herr Grofsmann auf S. 113 seiner
Schrift mittheilt, erklärt sich theilweise (für das Ricinusöl) hieraus. Er ordnet
die Oele nach ihrer Fähigkeit, andere auf dem Wasser ausgebreitete Oele zu
verdrängen, in folgende Reihe (wir schließen dabei die bei niederer Temperatur
erstarrenden Oele, wie Cocosöl ete. aus): 1. „schwache Oele“: Benzin, Ligroin,
gereinigtes Petroleum, Ricinusöl, rohes Petroleum, Mineralöl (verschied. Sorten);
3. „starke Oele“: Erdnufsöl, Mohnöl, Olivenöl, Rüböl, Sesamöl, Terpentinöl,
Knochenöl, Leinölfirnifs, Leinöl, Fischöl, ;
| Dals das nach meinen Versuchen auch auf schon geölten Oberflächen nur
dem rohen Leberthran nachstehende Terpentinöl hier schwächer als das Leinöl
erscheint, findet seine Erklärung darin, daß im Handel verschiedene Sorten
Terpentinöl vorkommen und dasselbe zudem häufig mit Petroleum verfälscht
wird. Zwei Proben anderen Ursprungs (eine gewöhnlichen, eine raffinirten Ter-
pentins) ‚ergaben ‚auch mir noch, etwas geringere Ausbreitung als Leinöl.
2 In dieselbe Gruppe 6 gehören auch Holztheer und Nelkenöl, wenn auch
ihr übriges. Verhalten sehr verschieden ist.‘ Holztheer giebt kleinere, zähere
(s. unten) Scheiben als Leinöl, das flüchtige Nelkenöl die stürmischen, schon von
den Gebrüdern Weber beschriebenen Bewegungen. Bei Steinkohlentheer mufs
die Spannungssumme über 8 betragen, da es selbst auf ganz frischem Wasser
(auch in der Wärme) als Tropfen ohne alle Ausbreitung liegen bleibt.
Man sollte nun erwarten, dafs auf Salzwasser die Ausbreitung noch
rascher vor sich gehe, weil nach den Versuchen von Quincke und Anderen die
Oberflächenspannung mit dem Salzgehalt, wenn auch nur langsam, wächst und
die Spannung an der Grenzfläche von Oel und Salzwasser noch geringer gefunden
wurde als an der von Oel und Süfswasser, nämlich bei einprocentiger Kochsalz-
lösung gegen Mandelöl 1,26 statt 2,07 und gegen Leberthran 0,47 statt 0,79.
1) Als Olivenöl verkauft, aber wahrscheinlich mit Rüböl verfälscht.
2) D. b. in der Nachbarschaft vorhandener Oel-Augen,
3) D. h. im Vergleich mit anderen Oelen.